Endlich kann man sich heute vorstellen, welch imposantes Bauwerk die Synagoge von Königshofen im Grabfeld einst war. Ein Modell im Maßstab 1:100, das der Sylbacher Siegfried Schwinn gefertigt hat, macht's möglich.
Erbaut im Jahr 1904 stand sie knapp 50 Jahre, dann wurde sie dem Erdboden gleich gemacht. Heute kaum verständlich, nachdem die im neugotischen Stil gebaute Gebetsstätte die Pogromnacht 1938 weitgehend unbeschadet überstanden hatte.

1952 wurde das Gebäude von der jüdischen Restitutionsnachfolger-Organisation mit Sitz in New York zum Abbruch freigegeben. Heute steht an der Stelle eine Autoreparaturwerkstatt. An die Synagoge erinnert in der Nähe ein Gedenkstein.


Nachbau aus Bastelholz

Den Nachbau hat Siegfried Schwinn, der in Zimmerau geboren wurde und heute in Sylbach zu Hause ist, in mühevoller Kleinarbeit angefertigt. Seit vielen Jahren erstellt er historische Bauten im Maßstadt 1:100 aus Bastelholz. Von ihm stammen Modelle von Schloss Sternberg, Schloss Brennhausen oder auch das heute nicht mehr vorhandene Schloss Kleineibstadt.

Im Auftrag des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld hat der Hobbybastler aus dem Landkreis Haßberge in den vergangenen Monaten nach historischen Bildern und einer Luftaufnahme die Synagoge von Königshofen im Grabfeld nachgebaut. "Nun kann man sich endlich einmal vorstellen, was für eine wunderschöne Synagoge unsere Stadt hatte," sagte Vereinsvorsitzender Hanns Friedrich. Er hatte die Idee für den Nachbau, nachdem er das Modell von Schloss Kleineibstadt gesehen hatte.

Zweiter Vorsitzender Reinhold Albert, der früher als Polizist in Ebern tätig war, stellte den Kontakt zu Siegfried Schwinn her, der ein Schulfreund von einst ist. Der machte sich ans Werk und hat die Synagoge im Modell nachgebaut. Es ist sicher ein ungewöhnliches Hobby, das Siegfried Schwinn betreibt. Angefangen hat alles vor einigen Jahren, als er eine nachgebaute Windmühle entdeckte und dann seine erste eigene Windmühle erstellte. Schon in der Dorfschule von Sternberg hat Schwinn sehr gerne gebastelt.


Gedenktafel

Wie geht so ein Nachbau vor sich? Schwinn sagt: "Zunächst fotografiere ich das betreffende Gebäude von allen Seiten und dann lege ich an das betreffende Objekt eine Art Maßstab an, um die Dimensionen besser abschätzen zu können."

Wenn das Gebäude noch steht, wird es genau vermessen, ein Plan gezeichnet und dann kann es mit dem Basteln losgehen. Im Falle der Synagoge musste das Archiv die Bildvorlage liefern. Das Material besteht aus Bastelspan, Balsaholz, aber auch abgebrannten Streichhölzern. Schwieriger wird es, wenn Gebäude nicht mehr vorhanden sind, so wie die Synagoge von Königshofen. "Dann muss ich mich nach Fotografien richten und mit dem auskommen, was ich vorfinde." In Bad Königshofen hat dabei vor allem ein Luftbild geholfen.


Wechselvolle Geschichte

Finanziert wurde die frühere Synagoge durch die jüdische Gemeinde Königshofen. Die Einweihung fand 1904 statt. 1925 wurde die Synagoge erstmals renoviert, vier Jahre später wurde eine Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen vier Gemeindemitglieder angebracht. Beim Pogrom 1938 wurden Inneneinrichtung und die Ritualien zerstört, das Gebäude aber kaum beschädigt. Während der Kriegsjahre diente die Synagoge als Unterkunft für australische Kriegsgefangene. Der Abbruch folgte im Jahr 1952. hf