Der Begriff "Notsicherung" klingt zunächst nicht so, als müsste man dafür eine große Stange Geld in die Hand nehmen. Jedoch soll die Summe von rund 820 000 Euro in das Alte Schloss Gereuth (Gemeinde Untermerzbach) fließen, wie aus einer Kostenprognose des Architektur- und Ingenieurbüros "Konopatzki & Edelhäuser" hervorgeht. Der Ingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser stellte gestern vor dem Kreisauschuss des Landkreis Haßberge in Haßfurt das zugehörige Finanzierungskonzept vor und erläuterte zusammen mit Bernhard Joos von der Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes die notwendigen Maßnahmen.

Landrat Wilhelm Schneider hatte eingangs erklärt, dass das Alte Schloss "in einem sehr schlechten Zustand" ist und dass eine "langfristige Notsicherung" geplant sei, die das denkmalgeschützte Schloss auf etwa "20 bis 30 Jahre" vor dem drohenden endgültigen Verfall bewahren soll. Die Eigentumsverhältnisse seien durch ein verworrenes Firmenkonstrukt "sehr, sehr verworren", wie Schneider sagte. Im Grundbuch ist laut Landratsamt seit 2009 eine Firma "Adelsverband GmbH" eingetragen, die wiederum mit einer Firma mit Sitz in England verschmolzen ist - eine Person, die für die Kosten der Grundsicherung aufkommen könnte, ist derzeit offenbar nicht greifbar.


Dringend notwendig

Nun sind der Kreis Haßberge, die Gemeinde Untermerzbach sowie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gefragt, denn fest steht laut Bernhard Joos, dass die Notsicherung dringend erfolgen muss, da das Gebäude wegen des teilweise eingesunkenen Daches und des schadhaften Mauerwerks unter anderem durch herabfallende Teile eine Gefahr für umliegende benachbarte Gebäude und Grundstücke darstellen kann.

Im Kern des kleinen Dorfes Gereuth befindet sich laut Joos ein Ensemble denkmalgeschützter Gebäude, hier geht es konkret um das alte Renaissance-Schloss (um 1570 gebaut), das von weiteren historischen Bauten wie der Kirche, dem Pfarrhaus, dem Gasthaus Greifenklau sowie auf der anderen Straßenseite dem neuen Schloss (Barrock, um 1706) umgeben ist. Die weiteren genannten Gebäude betrifft die Notsicherung nicht, sie haben auch in den Besitzverhältnissen nichts mit dem Alten Schloss zu tun und sind unabhängig davon zu betrachten.
Wie Klaus-Jürgen Edelhäuser dem Kreisausschuss erläuterte, habe das alte Schloss "ganz erhebliche Schäden" an den Dächern und der Mauerstruktur erlitten, insbesondere ein im 18. Jahrhundert erfolgter Anbau sei stark betroffen.


Erneute Notsicherung

Edelhäusers Büro hatte vor rund zehn Jahren schon einmal eine Notsicherung an dem Schloss begleitet, damals wurde unter anderem das Dach des Ostflügels abgestützt und mit Zurrbändern verspannt, "heute liegt die gesamte Last des Daches auf dieser Notsicherung", erklärte Edelhäuser. Ohne diese Stütze würde das Dach nicht halten. Bei einigen tragenden Balken seien auch Stücke herausgebrochen, so dass diese offen liegen und die Nuten nicht mehr greifen, damit schiebe das ganze Dach nach außen.

Am Giebel hat sich laut Edelhäuser im Trockenmauerwerk der Zustand enorm verschlechtert, ausgewaschene Fugen und schadhaftes Mauerwerk wurden dokumentiert. Auch der Teil der vergangenen Notsicherung, der der Witterung ausgesetzt war, ist mittlerweile beschädigt. Einige Löcher im Dach hätten zudem auch zu Schäden im inneren Bereich des Schlosses geführt, da Wasser eindringen konnte. Insgesamt sei das Dach schon ein ganzes Stück abgesunken und muss wieder instand gesetzt werden, die gute Nachricht hierbei: Weil die Substanz der Balken im Dachstuhl insgesamt "noch in Ordnung" ist, könnte man das Dach wiederherstellen.

Besser schaut es mit dem Zustand des Daches im Westflügel aus, doch gab es auch hier undichte Stellen und Witterungsschäden, so dass "erhebliche Einzelreparaturen" notwendig seien. Nach der Notsicherung soll das Dach wieder so dicht sein, dass die Wasserführung geregelt ist, damit kein Wasser nach innen dringt.
Wie Bernhard Joos erläuterte, könne man bei den Gesamtkosten für die langfristige Notsicherung mit einer Beteiligung über den Entschädigungsfonds des Freistaates Bayern von 95 Prozent rechnen. Somit würde der Fonds rund 780 000 Euro abdecken, für den Landkreis Haßberge und die Gemeinde Untermerzbach fielen dann anteilig jeweils rund 20 000 Euro an.


Unter Vorbehalt

Da der Kreisausschuss für den Kreistag nur vorberät, könne man bis zu einem Beschluss bei der nächsten Kreistagssitzung im Oktober (aktuell Sommerpause) nicht mehr warten, wie der Landrat Schneider erklärte. Deswegen würde man hier durch eine Dringlichkeitsanordnung die Entscheidung vorab treffen. Jedoch nur unter Vorbehalt: Die Dringlichkeitsanordnung greift nur, wenn der Entschädigungsfonds wie geplant abgerufen werden kann, zudem müsse die Gemeinde Untermerzbach über die Sache noch im Gemeinderat beraten.