Cindy dötschel Eingerollt liegt Mischlingshündin Daisy in ihrem Körbchen. Als sich die Tür ihres Zwingers öffnet und Tierpfleger Rico Wohlgefahrt eintritt, springt sie auf und begrüßt ihn freudig. "Daisy kam vor zwei Jahren zu uns ins Coburger Tierheim. Ihr Frauchen musste in ein Pflegeheim umziehen und konnte sie nicht mitnehmen", sagt der 33-Jährige und streichelt ihr liebevoll über das braune Fell.

Dass die neunjährige Hündin an Diabetes erkrankt ist, macht es schwer, ein neues Zuhause für sie zu finden. "Sie braucht jemanden, der keine Scheu davor hat, ihr zweimal am Tag eine Insulinspritze zu geben. Das trauen sich aber nur die wenigsten zu", bedauert Wohlgefahrt, der seit 2015 im Coburger Tierheim arbeitet. Dabei stört sich Daisy nicht an den Spritzen: "Sie ist das gewohnt und beim Fressen merkt sie davon gar nichts." Weil Daisy sehr anhänglich und verschmust ist, wünscht sich Wohlgefahrt für sie Menschen, die viel Zeit haben. "Kinder ab einem gewissen Alter sind kein Problem."

Das Leben im Tierheim

Noch länger als Daisy lebt Schäferhund Sam im Tierheim. "Er ist seit vier Jahren hier und hat mehr als die Hälfte seines Lebens im Tierheim verbracht", erzählt Wohlgefahrt über seinen sieben Jahre alten Schützling, der 2016 aus schlechter Haltung befreit wurde. Dass er bislang kein neues Zuhause gefunden hat, führt der Eisfelder auf Sams Rasse zurück. "Schäferhunde sind keine typischen Familienhunde, die Rasse ist ziemlich unpopulär."

Wie Wohlgefahrt aus Erfahrung erzählt, lebt in nahezu jedem Tierheim ein sogenannter Quotenschäferhund. Oft bleiben die Tiere bis an ihr Lebensende im Tierheim. "Unseren letzten Schäferhund Charly mussten wir letztes Jahr im Alter von 14 Jahren erlösen. Er war seit 2008 hier."

Sam kann ausschließlich an Menschen vermittelt werden, die bereits Erfahrung in der Haltung von Hunden haben. "Schäferhunde wurden früher als Boten- und Kriegshunde gezüchtet, heute arbeiten sie oft im Schutzdienst. Sie müssen körperlich und auch geistig ausgelastet werden", klärt Wohlgefahrt über die Rasse auf.

Zeit, um Vertrauen zu fassen

Sam akzeptierte Wohlgefahrt und seine Kollegin von Anfang an. Generell braucht er aber sehr viel Zeit, um Vertrauen zu fassen. "Er hat vier Bezugspersonen, drei Angestellte und eine Gassigeherin. Gegenüber Fremden ist er, wie für seine Rasse typisch, zunächst misstrauisch." In seinem neuen Zuhause sollten maximal zwei Personen und keine Kinder oder Katzen leben. "Sam sollte nicht in einem Mehrfamilienhaus unterkommen, weil er wegen seines Wachhundinstinkts viel bellen würde." Ein Garten wäre zwar schön, aber keine Voraussetzung.

Wer den Schäferhund kennenlernen möchte, muss viel Geduld mitbringen. Sam liebt seinen einen Menschen und ist sehr auf ihn fixiert, das zeig sich zum Beispiel beim Gassigehen. "Wenn er einen kennt, ist er sehr verschmust. Ich bin immer zwei Stunden mit ihm unterwegs und trainiere mit ihm auch die Grundkommandos", sagt Tamara Ultsch, die Sam seit zwei Jahren regelmäßig ausführt. Sam hätte ihrer Einschätzung nach auch die Energie, sechs Stunden am Stück laufen zu gehen. Außerdem geht der Schäferhund gerne baden. "Im Sommer gehe ich immer mit Sam an die Itz. Außerdem spielt er gerne Ball und bringt auch Stöckchen", erzählt die Rödentalerin.

Aufenthalt im Tierheim ist Stress

Während Hunde wie Daisy und Sam über mehrere Jahre im Tierheim auf einen neuen Besitzer warten, werden andere Hunde innerhalb eines Monats vermittelt. "Besonders beliebt sind Rassen wie Golden Retriever, Labradore und kleine Hunde, zum Beispiel Chihuahuas", weiß Wohlgefahrt.

Bei Hunden, die krank sind oder deren Rasse nicht gefragt ist, dauere die Vermittlung erfahrungsgemäß länger. Für die Hunde bedeutet der Aufenthalt im Tierheim Stress. "Die Hunde sehen und riechen ständig andere Hunde. Unerwünschte Verhaltensweisen können sich mit der Zeit verschlimmern."