Der in Triebenreuth geborene Bauernsohn und spätere Justizangestellte Alfred Heiß verweigerte als Soldat den sogenannten Deutschen Gruß und auch das Tragen einer Uniform mit Hakenkreuz, da die nationalsozialistische Ideologie seiner tiefen Überzeugung als katholischer Christ widersprach. Wegen Wehrkraftzersetzung wurde er zum Tod verurteilt und am 24. September 1940 erschossen.

Ihm zum Gedenken findet am Donnerstag ab 19 Uhr in der Stadtkirche St. Michael ein Gottesdienst am 80. Jahrestag seiner Ermordung statt.

In St. Michael erinnert eine Gedenktafel an Alfred Andreas Heiß, an der Kapelle am Ortsrand von Triebenreuth eine Tafel mit seinem Lebensweg, am 24. April 2014 wurde vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Georg-Wilhelm-Straße 3 in Berlin-Halensee ein Stolperstein verlegt. Die katholische Kirche hat ihn im Jahr 1999 als Zeugen des christlichen Glaubens in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Den Lebensweg von Alfred Heiß hat Alwin Reindl erforscht, dazu umfangreiche Quellen, Protokolle und Briefe eingesehen. Diese hat er für das Erzbistum Bamberg dokumentiert und im Historischen Verein Bamberg 2003 veröffentlicht. Reindl gibt nicht nur die historischen Daten wieder, sondern schildert die Lebensumstände im Dorf Triebenreuth wie auch die politisch-ideologische Verfestigung in den Köpfen derjenigen, die in den 1930er Jahren das Sagen hatten. Reindl nennt schonungslos Namen, Ross und Reiter, im Abriss der Vorgeschichte die Denunzianten. Heiß‘ Rolle unter den Anti-Nationalsozialisten bezeichnet er als einsam. "Widerstandskämpfer hatten Mitverschworene, mit denen sie Pläne besprechen konnten. Heiß war allein. Das Gefühl der Verpflichtung zur Wahrheit verdichtete sich in Heiß‘ Denken zu einer unabweisbaren Forderung, und danach richtete er sein Leben. Heiß zog Konsequenzen aus seiner Einsicht, und darin liegt seine Größe. Diese Konsequenz bedeutete für ihn die Preisgabe des Lebens", resümiert Reindl.

"Hinreichend verdächtig"

"Gegen den Schützen Alfred Heiß" hieß es in der Anklage vor dem Reichskriegsgericht am 3. August 1940, wurde Anklage verfügt, er sei "hinreichend verdächtig", "am 17./19.6.1940 es unternommen zu haben, sich der Erfüllung des Wehrdienstes zu entziehen. Am 17.6.1940 wurde der Deutsche Gruß geübt. Der Beschuldigte meldete seinem Exerzier-Gefreiten, dass er den Deutschen Gruß nicht leisten könne, da dies seiner Weltanschauung zuwiderlaufe. Am nächsten Tage weigerte der Beschuldigte sich, das mit dem "Hoheitszeichen" (Anm.: gemeint ist das Hakenkreuz) versehene Sporthemd anzuziehen. Am 19. 6.1940 endlich meldete der Beschuldigte seinem Kompanieführer, dass er die mit dem Hakenkreuz versehene Uniform nicht mehr tragen könne."

"Gott wolle mir gnädig sein"

Dies wiederholte Heiß bei seiner richterlichen Vernehmung acht Tage später mit der Begründung "da der Nationalsozialismus antichristlich eingestellt sei, müsse er es ablehnen, für den nationalsozialistischen Staat Dienst als Soldat zu tun." Vom Prozess sind keine Aufzeichnungen vorhanden. Am 20. August 1940 verurteilte der Erste Senat des Reichskriegsgerichts Alfred Heiß zum Tode. Am Tag vor seiner Hinrichtung am 24. September um 5.50 Uhr schrieb er noch nach Hause nach Triebendorf: "So muss ich denn morgen früh meinen letzten Gang antreten. Der Herrgott wolle mir gnädig sein. Meine Bitte an Euch: Haltet fest an Christus und seiner Kirche. Lebt wohl."

Als "nicht linientreu auffällig geworden" war Heiß allerdings schon vorher: Er wurde denunziert, dass er sich im September 1934 bei einem Heimaturlaub in einer Diskussion mit SA-Männern im Triebenreuther Wirtshaus kritisch gegenüber der veröffentlichten Meinung über den Röhm-Putsch geäußert habe und sitzen blieb, als die SA-Männer aufstanden, um das übliche dreifache "Sieg Heil" auf Adolf Hitler zu brüllen. Am 26. März 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet und zehn Wochen im KZ Columbia in Berlin festgehalten. Nach seiner Entlassung musste er sich vor dem Sondergericht Bamberg wegen einer "gemeinschädlichen Verleumdung" verantworten.

Der als Zeuge geladene Bürgermeister von Triebenreuth sagte nun aber aus, man habe sich in der Flur getroffen und über das Wetter und die Politik gesprochen; von politischer Auseinandersetzung oder Angriffen auf die Reichsregierung sei jedoch kein Ton gefallen. Heiß wurde freigesprochen, verlor aber seine Stelle im Mittleren Justizdienst. Über das in der Haft Erlebte schwieg er. Seinen Eltern schrieb er: "Ich kann wohl sagen, es gibt nicht sehr viele in Deutschland, die so fest und unerschütterlich an ihrer Gesinnung festhielten und festhalten, wie ich es tat. Meine Lieben, die heutige Zeit erfordert Opfer! Ich habe Euch schon einmal geschrieben, wer Augen hat zu sehen, der sehe, und wer Ohren hat zu hören, der höre. Man muß für seine Meinung auch etwas ertragen können, und dazu bin ich bereit."