Die Tracht, die die Bienen aus dem Wald eingebracht haben, lässt sich nicht schleudern: Der Honig kristallisiert in den Waben. "Melezitose"- oder "Zementhonig" nennt sich das Phänomen. Lecker zwar, aber für die Bienen eine Gefahr.
Andreas Lösch
Das, was die Bienen in den vergangenen Wochen im Wald gemacht haben, ist ein Zuckerschlecken: Sie sammelten reichlich Honigtau ein - ein von zumeist Blattläusen ausgeschiedener, zuckerhaltiger Saft - und stellten in ihren Bienenstöcken Honig daraus her.
Aber daraus ergibt sich ein Problem, wie Imker Peter Kirchner erklärt. Der Kirchlauterer hat in seinen Bienenvölkern heuer einen besonders hohen Anteil des aus Honigtau hergestellten Honigs vorgefunden. Weil die im Honigtau vorkommende Zuckerart Melezitose schneller kristallisiert, wird der Honig in den Waben ziemlich hart. Nur ein kleiner Anteil lässt sich überhaupt schleudern. Kirchner hat es versucht, aber weil nur etwa ein Zehntel des üblichen Honiganteils aus den Waben herauskommt, lässt er es bei der Waldhonigtracht nun ganz sein. "Das ist den Aufwand nicht wert", sagt der 71-Jährige.
Etliche Imker betroffen
Bereits seit 1960 ist Peter Kirchner als Imker tätig, eine solche Melezitosetracht, wie sie derzeit in den Bienenstöcken zu finden ist, hat er noch nicht erlebt. Vor fünf oder sechs Jahren, erinnert sich der Imker, hatte es schon einmal den sogenannten Zementhonig gegeben im Kreis Haßberge, aber das ist zu heuer "kein Vergleich: Damals war es vielleicht ein Drittel der Menge wie im jetzigen Fall". Laut Kirchner sind etliche Imker im gesamten Landkreis betroffen.
Dass es eine so große Menge Zementhonig gibt, liege auch an der langen Trockenperiode: Normalerweise sammeln die Bienen einen Teil Honigtau ein und suchen sich auch Waldblütennektar zur Honiggewinnung. Den Honigtau finden die Bienen zumeist auf Fichten- und Lärchennadeln, sie müssen ihn nur einsammeln. Normalerweise regnet es zwischendurch, wodurch der süße Tau von den Bäumen gewaschen wird, so dass sich der Melezitoseanteil im Honig in Grenzen hält. Weil Regen aber die vergangenen Wochen fehlte, sammeln die Bienen laut Kirchner nun fleißig Honigtau, den sie eben reichlich vorfinden. "Es ist nur dort besser, wo mal ein kräftiger Regenguss niedergegangen ist", sagt Kirchner.
Der Zementhonig selbst ist übrigens ganz normal genießbarer Honig - nur, dass man ihn eben kaum aus den Waben herausbekommt. Das bisschen, was Kirchner durch Schleudern gewonnen hat, füllt ein paar Gläser. "Es ist ein guter Waldhonig. Schmeckt wie Waldhonig und ist Waldhonig", sagt der Imker. Den kristallisierten Rest, der in den Waben verbleibt, versucht er, anders zu verwerten: So schneidet er einen Teil der unbebrüteten Waben zu kleinen Happen, die er dann als "Opa Peters Honig-Kaugummi" an die Enkel verteilt. Sollten Kindergärten Interesse an diesen Naschereien haben, sagt Kirchner, könnten die sich gerne an ihn wenden. Er gibt die zerschnittenen honiggetränkten Waben kostenfrei ab. Einen anderen Teil der Waben wäscht er aus, die Bienen können dann zur nächsten Saison wieder neuen Honig einbringen.
Keine schlechte Ernte
Überhaupt, schlecht war die Honigernte bisher nicht, die Trachten im Mai (Obstblüte, Raps), Juni und Juli (überwiegend Linde) seien sehr ergiebig gewesen. Wichtig ist nur laut Kirchner bei der Melezitosetracht, den Zementhonig nicht als Winterfutter im Stock zu lassen. Den Melezitosezucker verdauen die Bienen schlechter - es drohen Krankheiten im Winterstock auszubrechen, die den Bienenbestand stark gefährden. Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau empfiehlt daher, den Melezitosehonig unbedingt vor dem Winter vollständig aus den Völkern zu nehmen.