von unserem Redaktionsmitglied 
anette Schreiber

Landkreis Bamberg — Im Landkreis-Etat stehen Sozialausgaben mit rund 23 Millionen den größten Ausgabe-Posten dar. 9,9 Millionen davon entfallen auf Jugendhilfe. Tendenz steigend: Denn im Fachbereich Jugend und Familie nehmen die Ausgaben heuer um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Die Entwicklung in dem Bereich ist insgesamt nur schwer abzusehen und hängt auch direkt mit den (steigenden) Flüchtlingszahlen und konkret mit Aufwendungen für die jungen Flüchtlinge zusammen, die ganz allein auf sich gestellt sind, wurde im Jugendhilfeausschuss des Landkreises thematisiert.
Zwar bekommt der Kreis die Ausgaben von den Kostenträgern der jeweiligen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UmF, so der Fachbegriff) erstattet. Allerdings nicht komplett, wie Fachbereichsleiter Hans-Jürgen Tytyk mutmaßt. Er rechnet mit Einbußen von etwa zehn Prozent. Bei einem Betrag von 2,5 Millionen Euro, die der Kreis vorfinanzieren muss, wären das 250 000 Euro Einbußen allein in diesem Jahr.
Für die Aufwendungen für UmF sind die Bezirke zuständig. Augenscheinlich haben sie jedoch keine besonders gute Zahlungsmoral, wie Tytyk verdeutlichte. Auf Nachfrage musste er zugestehen, dass dabei wohl auch Oberfranken keine Ausnahme bilde. In jedem Fall muss der Landkreis mit nicht unerheblichen Summen in Vorleistung gehen.
Keinen Zweifel an der Notwendigkeit, dass diesen jungen Menschen unbedingt geholfen werden muss, ließen die Kommentare der Ausschussmitglieder zu diesem Punkt erkennen.
In dem von Landratsstellvertreter Johann Pfister (BB) geleiteten Jugendhilfeausschuss gab Fachbereichsleiter Tytyk weiteren Einblick in die komplexe Zahlenwelt, die hinter der Jugendhilfe steht. In seinem Bericht stellte er die Vorjahreszahlen vor, die einstimmig abgesegnet wurden. So investierte der Landkreis im vergangenen Jahr insgesamt 9 861 336 Euro. Für dieses Jahr liegt der Ansatz nun bei 10 644 296 Euro. Solche Kostensteigerungen werde man auf Dauer wohl nur schwer verkraften, war der Tenor im Gremium. Einstimmig erfolgte die Empfehlung an den Kreistag, dem Etat für dieses Jahr zuzustimmen.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Otto Bezold, Leiter der Caritas-Jugendhilfe, die für die Einrichtung in Hirschaid zuständig ist, in der momentan 13 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben, bestätigte Tytyks Anmerkung, dass man es hier mit jungen Leuten mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen zu tun habe. "Jeder benötigt unterschiedliche Hilfe." Alleine schulisch etwa. Das Spektrum reiche von jungen Leuten ohne jegliche Schulbildung bis hin zu solchen, die relativ bald ans Gymnasium können. Und man taste sich Tag für Tag vor. Klar sei auch, so zeigten die weiteren Experten-Äußerungen, dass dieser Bereich ohne zusätzliches ehrenamtliches Engagement kaum zu stemmen sei.
Tytyk machte zudem deutlich, dass Planungen äußerst schwierig sind, zumal sich nicht abschätzen lässt, wie sich die Flüchtlingsströme entwickeln und wie die Flüchtlinge auf Dauer zugeteilt werden. Zusätzliche Infrastruktur aufs Geradewohl zu schaffen mache keinen Sinn, zumal dies auch das Risiko berge, dass damit die Trägerlandschaft zerstört werden könnte, warnte Tytyk.
Für die Arbeitsagentur stellte Alexandra Grosch Trends und Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt vor. Sich selbst stellte die neue Ehrenamtsbeauftragte des Landkreises, Friederike Straub vor. Seit etwa einem Vierteljahr steht sie zehn Stunden wöchentlich Vereinen und Ehrenamtlichen zur Verfügung und hatte auch schon etliche Kontakte.
Barbara Müllich (Grüne) gestand, dass sie diesem Amt anfangs eher skeptisch gegenüber gestanden habe. Sie habe in der Zwischenzeit allerdings nur Positives gehört, vor allem von Vereinen, weshalb sie ihre Einschätzung nun revidierte.
Um Planungssicherheit auch für das Jahr 2016 zu haben, wollte der Sozialdienst Katholischer Frauen wissen, ob er auch für diesen Zeitraum mit dem bis dahin jährlich gewährten Zuschuss in der Höhe von 5000 Euro rechnen kann. Dieses Geld ist für den Hauswirtschaftsdienst bestimmt, in dem Jugendliche (im Alter von 16 bis 25 Jahren) eingesetzt werden. Angesichts der im Gremium geäußerten Zweifel hinsichtlich des Erfolgs ließ Geschäftsbereichsleiterin Uta von Plettenberg wissen, dass die Erfolgsquoten hier zwar gering seien. Aber das Projekt sei "das allerallerletzte Nest vor unter-der-Brücke". "Wenn man es nicht macht, was sind die Folgen?", fragte eher rhetorisch der Landratsstellvertreter. Letztlich votierte der Ausschuss geschlossen für eine Fortsetzung.