Wenn man ein Haus bauen will, und besonders dann, wenn es einen Keller haben soll, ist es gut zu wissen, aus welchem Gestein der Untergrund besteht. Dass diese Gesteinsschichten unter unseren Füßen heute so gut erforscht sind, ist der Stratigraphie zu verdanken. Sie ist ein Teilbereich der Geologie und hat sich zum Ziel gesetzt, die einzelnen Gesteinsschichten der Erde von alt nach jung zu ordnen.

Die Schichten sind nicht beliebig in der Erdkruste verteilt, jede einzelne entstand zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Wer also einen ganz besonderen Rohstoff im Untergrund finden will, erfährt mit Hilfe der Stratigraphie, wo er erfolgreich danach suchen kann. Auch beim Bau von Straßen oder Bahnstrecken erweist sich die Schichtenkunde als hilfreich, denn sie zeigt, an welchen Stellen sich Gesteinsschichten befinden, die man aus bautechnischer Sicht besser meidet.

Organisiert sind die Stratigraphen seit 1970 in der Deutschen Stratigraphischen Kommission (DSK). Sie hat heute 420 Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen, überwiegend Geologen, Mineralogen und Geographen, aber auch "Amateure" seien dabei, wie Hans-Georg Herbig, DSK-Vorsitzender und Professor an der Universität Köln, berichtet.

Aktuell hält die DSK ihre Vorstandssitzung im Coburger Naturkunde-Museum ab. Dazu eingeladen hat Eckhard Mönnig, Mitarbeiter des Museums und selbst Mitglied der DSK. Mönnig hatte dem Coburger Universalgelehrten und einstigen Direktor des Gymnasiums Casimirianum, Johann Christoph Matthias Reinecke, 2018 eine Ausstellung gewidmet. Reinecke hatte als Naturforscher 40 verschiedene Jura-Ammoniten wissenschaftlich beschrieben und damit die Grundlage für die Schichtenkunde gelegt. Die Bestimmung der Gesteinsschichten anhand von versteinerter Flora und Fauna ist heute das Herzstück der Stratigraphie.

Begriffe wie "Jura" oder "Kreidezeit" habe wohl jeder schon einmal gehört, auch wenn er sich sonst nicht mit Stratigraphie auskenne, sagt Markus Wilmsen, Zweiter Vorsitzender der DSK und Paläontologe am Senckenberg-Museum in Dresden. Die Namensgebung der Gesteinsschichten wurde Anfang des 19. Jahrhunderts definiert. Sie ist international gültig. Vielfach finden sich Bezeichnungen, die darauf hinweisen, wo ein bestimmtes Gestein besonders häufig vorhanden ist, beispielsweise Eifelium (Eifel), Emsium (Emsland) oder Aalenium (Aalen).

Wo war Meer, wo war Gebirge?

Die Gliederung der Erdgeschichte anhand von Gesteinsschichten und Fossilien nennt Eckhard Mönnig "eine der größten Errungenschaften" der Forschung. Man kann daraus beispielsweise ablesen, ob sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ein Meer oder vielleicht ein Gebirge befunden hat. Die Abfolge der Schichten lasse sich mit dem berühmten Papierstapel auf dem Schreibtisch vergleichen, erklärt Markus Wilmsen augenzwinkernd: "Das, was ganz unten liegt, ist definitiv älter, das was oben liegt, neuer."

Dank der Stratigraphie stehe heute fest, dass die Erde rund 4,6 Milliarden Jahre alt sei, sagt Wilmsen. Die älteste Schicht heißt Hadaikum und umfasst die ersten 600 Millionen Jahre der Erdgeschichte. Der gegenwärtige Zeitabschnitt, das Holozän, begann vor etwa 11 700 Jahren. Jüngere Schichten ließen sich auf 100 000 Jahre genau bestimmen, ältere auf plus/minus eine Million Jahre. Für die Wissenschaft ist das schon sehr genau, für den "normalen" Menschen, wie Professor Herbig einräumt, "sind die Dimensionen, mit denen wir zu tun haben, kaum vorstellbar".