Herr Bittruf, wie wird Ihr Verein und Ihr Sport aus Ihrer Sicht wahrgenommen?

Thomas Bittruf: In Weißenbrunn sind wir mittlerweile einigermaßen angekommen. Es ist aber immer wieder erstaunlich, dass wir im Landkreis Kronach teilweise total unbekannt sind. Das ist mir oft ein Rätsel. Wir sind die Einzigen, die diesen Sport im Landkreis betreiben und dabei gar nicht so schlecht und deshalb öfters in der Zeitung. Da ist insgesamt wenig Interesse da.

Wie ist das Zuschauerinteresse bei den Wettkämpfen?

Die Zuschauer beschränken sich auf die Mitgereisten der anderen Vereine. Im Schnitt kommen zwischen 40 und 50 Zuschauer in die Halle. Aus unserer Gemeinde kommen da wenige, höchstens mal die Eltern unserer Sportler. Das Interesse steigt erst, wenn es überregional wird, also bei bayerischen oder deutschen Meisterschaften.

Wie erklären Sie es sich, dass trotz der jüngsten Erfolge das Interesse nicht steigt?

Wir kommen aus einem kleinen Dorf und unser Name "Soli Reuth" hat auch keinen großen Klang. Weißenbrunn hat sehr viele Vereine und die Bürger können nicht überall sein, das verstehe ich ja. Ich habe aber auch den Eindruck, dass die Leute den Wert und die hohe Trainingsleistung nicht sehen, die bei uns dahintersteckt. Das bringt die Sportart einfach mit sich.

Was bedeutet das für die Nachwuchsarbeit? Wie schwierig ist es, junge Leute für den Sport zu begeistern?

Es ist schwer, Nachwuchs zu finden, ganz klar. Wir sind ein rühriger Verein und setzen alles daran, Nachwuchs zu finden - und das haben wir in den vergangenen 90 Jahren immer geschafft. Wir versuchen das über Mundpropaganda, über öffentliche Auftritte und über Schnuppertrainings. Was zum Beispiel sehr erfolgreich war, war eine Projektwoche zusammen mit der Schule. Wir haben nachmittags mit den Schülern trainiert. Da sind alleine von der Weißenbrunner Schule einige zu uns gekommen.

Wie versuchen Sie mehr Bekanntheit zu erlangen?

Wir versuchen die Medien zu nutzen. Wir kreieren momentan eine neue Webseite und sind natürlich auch auf Facebook aktiv. In der Gemeinde können wir nur über das Mitteilungsblatt gehen, weil uns das nichts kostet. Wir haben ein enges Budget, also müssen wir versuchen, möglichst kostengünstig auf uns aufmerksam zu machen. Das funktioniert zum Beispiel, wenn wir bei Veranstaltungen mitmachen. Sei es bei einem Festzug - wir sind schon seit über 40 Jahren beim Kronacher Schützenumzug dabei - oder bei Schulveranstaltungen. Dazu machen wir vom Kinderfasching bis zum Zeltlager viele Veranstaltungen selbst für den Nachwuchs.

Wie schwierig ist es, Sponsoren zu finden?

Wir haben so gut wie keine Sponsoren. Es ist äußerst schwer, dass uns jemand beispielsweise mal 1000 Euro für neue Trikots gibt. Wir haben bei mehreren größeren Firmen angefragt, aber kein Interesse. Hin und wieder haben wir kleinere Unterstützer, das waren aber nie Riesenbeträge. Was wir mit unseren Kindern machen, kostet ihnen kein Geld. Wenn wir auf Wettkämpfe fahren, dann müssen wir dafür zwischen 1000 und 1500 Euro ausgeben für Fahrt, Essen, Unterkunft. Das sponsert alles der Verein.

Wie sehr ist der Verein von Zuschauereinnahmen oder Mitgliedsbeiträgen abhängig?

Die Zuschauer zahlen bei Wettkämpfen keinen Eintritt. Da profitieren wir nur von der Verköstigung. Wir machen jedes Jahr verschiedene Veranstaltungen wie etwa Kinderfasching, Grillfest, eine große Weihnachtsfeier mit Tombola. Dazu versuchen wir über den BLSV oder den Kreisjungendring an Zuschüsse zu kommen oder bei Aktionen mitzumachen. Wir veranstalten seit sechs Jahren auch einen Comedyabend im Thonberger Bürgerhaus.

Fühlen Sie sich benachteiligt?

Mit Sicherheit. Wenn man sieht, dass zum Beispiel Fußballvereine jedes Jahr locker ihre Trikots bekommen und wir kämpfen müssen, um alle vier Jahre mal neue zu bekommen. Als Randsportart ist man einfach benachteiligt, da haben andere aber auch mit zu kämpfen.