Der Waldbericht von Försterin Carmen Hombach zur Situation im Gemeindewalds war das Hauptthema in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats von Ludwigschorgast. Und dieser Bericht fiel - wie zu erwarten - heftig aus: "2020 war in Bayern das viertwärmste Jahr seit 1881, seit dem Beginn der Wetteraufzeichnung. Es war kein leichtes für den Wald. Platz 1 nimmt 2018 ein, Platz 2 das Jahr 2014 und Platz 3 das Jahr 2019. Insgesamt hatten wir neun der zehn wärmsten Jahre seit dem Jahr 2000", erklärte die Försterin.

Die Jahresmitteltemperatur betrug ihrem Bericht zufolge 9,5 Grad Celsius, zwei Grad mehr als im langjährigen Mittel (gemessen von 1961 bis 1990). Niederschläge hätten sich in den Winter verlagert. "Wir hatten circa ein Fünftel mehr Sonnenstunden als im Durchschnitt", bilanzierte die Försterin.

Wie sie den Räten erklärte, sei eine Folge davon die rasante Borkenkäferentwicklung vor allem in Nordbayern und den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Coburg, strich Hombach heraus. Demzufolge war zu viel Holz auf dem Markt, die Holzpreise historisch niedrig und manche Sortimente nicht mehr verkäuflich.

Für kurze Zeit habe überhaupt kein Holz mehr vermarktet werden können. Im Winter, fuhr die Expertin fort, sei in ganz Oberfranken sehr viel Käferholz aufgearbeitet worden, etliches stehe noch in den Flächen und neues zeige sich jetzt nach den Frösten. Der Holzpreis habe sich etwas stabilisiert, allerdings noch auf sehr niedrigem Niveau.

Geringe Wasserhaltekraft

Generell liegen alle Flächen an der sogenannten fränkischen Linie, haben stark steinige, flachgründige Böden mit geringer Wasserhaltekraft, allerdings guter Nährstoffversorgung durch das basenhaltige Gestein. Meist sind es Hanglagen mit hohem Oberflächenabfluss. Die nach Süden ausgerichteten Waldflächen haben meist lange und starke Sonneneinstrahlung. In den letzten beiden Jahren 2019 und 2020 wurden durch Holzerntemaßnahmen rund 400 Festmeter Käferholz über den Gemeindewald verteilt eingeschlagen.

"Die Fichte wird in Zukunft im Gemeindewald nur noch in sehr geringer Beteiligung vorhanden sein! Derzeit ist noch sehr viel Käferholz in der Fläche", betonte Carmen Hombach. Zukünftige mögliche Baumarten, die bereits als Samenbäume vorhanden sind, seien je nach Lage die Tanne, Douglasie, Eiche, auch Roteiche sowie Rotbuche, Kirsche, Spitzahorn und Bergahorn, Walnuss, Schwarznuss, Elsbeere, Speierling, Mehlbeere und Feldahorn. "Fast alle, die wir in Zukunft brauchen, sind als Samenbäume vorhanden, können durch zu hohe Rehwildbestände aber nicht aufwachsen. Das heißt, dass sich der Wald bei erträglichen Rehwilddichten natürlich verjüngen könnte und wäre sogar klimastabil sowie zukunftsfähig", hob Hombach hervor.

Appell: höhere Abschussquoten

Die Försterin hatte auch Kostenbelastungen parat, verursacht durch das Rehwild. Hier helfe das Bepflanzen von Kahlflächen und das Errichten von Kleinzäunen. Das koste Geld, ebenso die Unterhaltung der Zäune.

Im Forstbetriebsgutachten steht, dass im Gemeindewald erhebliche Verbissschäden zu verzeichnen seien. Aber alles hinter Zaun zu verjüngen, sei für die Gemeinde zu teuer und für den privaten Waldbesitzer nicht leistbar, ergänzte Carmen Hombach den Bericht. Wenn sich jagdlich nichts ändere, werde es nicht möglich sein, neue Waldbestände mit einem vertretbaren Aufwand zu begründen, betonte die Försterin. Die Rehwildbestände müssten durch Bejagung reduziert werden, so dass die Wiederbewaldung der geschädigten Flächen und der nötige Waldumbau erfolgreich möglich seien. "Bitte wirken Sie als Verantwortliche für den Gemeindewald auf die Jagdgenossenschaft ein. Es wird nur mit den Jägern funktionieren", appellierte die Försterin abschließend an die Räte.

Nach diesem alarmierenden Bericht standen noch Bauthemen auf der Tagesordnung: Die geplante Änderung des Bebauungsplanes Neuenmarkter "Laubenstraße I" nahmen die Ludwigschorgaster Räte ohne Einwände zur Kenntnis.