Veronika Schadeck Der Wasserzweckverband Frankenwaldgruppe (FWG) ist auf Kurs. Die Finanzierung der 65 Millionen Euro teuren Sanierungskosten für die nächsten 25 Jahre ist gesichert.

Folgen die Verbandsräte in der FWG-Verbandsversammlung am kommenden Freitag dem Vorschlag ihres Vorsitzenden Jürgen Baumgärtner, dann werden die Bürger statt mit ursprünglich 20 300 Euro, "nur" noch mit 2468 Euro in den nächsten 25 Jahren einen Beitrag zur Finanzierung der FWG leisten müssen. Das entspricht 98,75 Euro im Jahr und 8,22 Euro pro Monat. Diese sollen auf die Grundgebühr (bisher monatlich neun Euro) umgelegt werden. Möglich wurde die "geringe" Belastung durch die Anerkennung der FWG als Härtefall 2, die eine rund 80-prozentige Förderquote zur Folge hat. Dafür hat Baumgärtner in den letzten drei Jahren gekämpft.

Die an der FWG beteiligten Kommunen sollen statt zwölf Millionen Euro rund sechs Millionen Euro aufbringen.

Bei einem Infoabend am Donnerstag in der Steinachtalhalle mit kommunalen Mandatsträgern warb Baumgärtner für sein Finanzierungskonzept. Ihm sei durchaus bewusst, dass wegen der Investitionsbeiträge so manche Kommune ein Projekt verschieben müsse. Aber: "Die FWG ist eine Solidargemeinschaft und da muss jeder seinen Beitrag leisten!"

Mehrheit wohl sicher

Beobachtete man die Stimmung und die Reaktionen der Mandatsträger, dann kann man davon ausgehen, dass Baumgärtner mit seinem Konzept die Mehrheit in der Verbandsversammlung finden wird. Die Gemeinden Steinbach und Wilhelmsthal haben gleich grünes Licht dafür signalisiert.

Zuvor erklärte Baumgärtner, dass der Freistaat Bayern seinen Beitrag zur Finanzierung geleistet hat - obwohl die Wasserversorgung eine kommunale Aufgabe und eigentlich kostendeckend sein müsste.

Aber aufgrund der besonderen Topographie - immerhin hat die FWG ein 156 Kilometer langes Leitungsnetz von Süd nach Nord zu unterhalten - und der Tatsache, dass die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) mit der FWG eine Kooperation geschlossen habe, und aufgrund dessen, dass in den letzten beiden Jahren zweistellige Millionensummen verbaut wurden, konnte man den Härtefall erreichen.

Baumgärtner sicherte zu, dass jeder Verbandsrat einen anderen Vorschlag zur Diskussion einbringen könnte. Für ihn sei sein Modell aber die beste Variante. Weiterhin versprach er Transparenz. Jeder Mandatsträger, jeder interessierte Bürger könne Unterlagen einsehen. Baumgärtner bekam Applaus für das, was er für den Zweckverband in den letzten drei Jahren erreicht hat.

Als er vor drei Jahren den finanziell schwer angeschlagenen Wasserzweckverband übernahm, gab es wegen des Sanierungsplans hitzige Diskussionen und viel Kritik. Keiner wollte den Job, kein Kommunalpolitiker schlug aber auch eine bessere Alternative vor. Bei dem Einwand eines Anwesenden, wie denn die FWG in eine derartige Situation hat kommen können, sprach Baumgärtner von Fehlentscheidungen in der Vergangenheit, beispielsweise als man die Sanierung trotz hoher Förderungen in den 90er Jahren nicht in Angriff nahm. "Solche Situationen entstehen immer dann, wenn man keine unpopulären Entscheidungen trifft, die man eigentlich treffen sollte!"

"Blick nach vorne richten"

Er warb dafür, den Blick nach vorne zu richten. "Der Laden ist aufgeräumt!" Wenn nun die "Spitze" der Sanierung gar abgearbeitet sei, werde er den Vorsitz abgeben. Und er gestand: "Ich habe viele Nächte nicht geschlafen, ich würde diesen Vorsitz niemals mehr übernehmen."

Der Wasserpreis von 2,99 Euro pro Kubik soll in den nächsten Jahren stabil bleiben. Weiterhin sollen nach der Abschreibung Rücklagen gebildet werden. Zudem soll die von Baumgärtner praktizierte Transparenz im Wasserzweckverband beibehalten werden.

Es gab auch eine weitere freudige Nachrichten. Denn so kann Wilhelmsthal auch bei der Sanierung des Kanals mit einer 50-prozentigen Förderung rechnen. Und der Gemeindeteil Geschwend soll Wasserleitungen bekommen. Er wisse nicht, warum die FWG vor Jahren nicht der Aufforderung des Umweltministeriums nachkam, die Haushalte anzuschreiben, so Baumgärtner. Damals gab es Förderungen. Er wolle in den ersten Jahren keine Anschlusspflicht, denn er wisse, dass die Geschwender in ihre Brunnen investiert haben. Aber er vertrete die Auffassung, dass alle Haushalte im Landkreis an eine Wasserleitung müssen, da die Versorgung mit Trinkwasser in den nächsten Jahren schwieriger wird.