Zum Leserbrief "Viel spricht gegen das E-Auto":

Für mich wird mein nächstes Auto sicher ein E-Auto sein. In vier Jahren läuft der Einspeisevertrag meiner Solaranlage aus und ich werde versuchen, den von mir erzeugten Strom selbst zu nutzen. Tatsache ist doch, dass wir auf der Welt an einen Punkt angelangt sind, an dem wir so schnell wie möglich mit Verbrennen von fossilen Energieträgern - Kohle, Öl und Gas - zur Energieerzeugung nicht mehr weitermachen können. Atomstrom wäre natürlich auch noch eine Alternative. Aber was für eine: Nach 60 Jahren Nutzung haben wir immer noch kein sicheres Endlager für den strahlenden Abfall. Unsere Nachkommen werden noch Jahrhunderte damit zu kämpfen haben.

Wir im Frankenwald können es hautnah miterleben. Wir sehen, dass sich das Klima ändert. Unsere Fichte ist dem Tod geweiht. Deshalb ist es wichtig, endlich auf alternative Energiegewinnung umzustellen, nicht nur Solarstrom. Wer eine Solaranlage hat, merkt jetzt, in den Wintermonaten fehlt die Sonneneinstrahlung. Deshalb brauchen wir die Windkraft - auch im Frankenwald.

Danke an den Leserbriefschreiber für den Link der Arte-Dokumentation (www.arte.tv/de/videos/084757-000-A/umweltsuender-e-auto/). Es zeigt eindrucksvoll, dass viele Menschen unseren Wohlstand ausbaden müssen. Stand jetzt - 2021 - Kinderarbeit im Kongo, Umweltverschmutzung in Chile, Bolivien, Mongolei und China, schlechte Arbeitsbedingungen, fehlender Arbeitsschutz und Verseuchung von Agrarflächen. Klar ist: Machen wir so weiter und produzieren die Generation E-Auto genauso, dann wird es für die Menschen in den Gebieten, die Rohstoffe für unsere Industrie fördern, bedeutend schlimmer. Aber müssen wir nicht deshalb einen anderen Weg einschlagen und endlich so viel wie möglich recyceln, um Rohstoffe zu sparen. Solange aber die Rohstoffe "günstiger" in den Ursprungsländern abgebaut werden, wird niemand sich die Mühe machen und recyceln.

Eine E-Auto-Batterie könnte später als Stromspeicher in Privathaushalten eingesetzt werden. Seltene Erden könnten wieder gewonnen werden. Aber was passiert heute: Der Elektroschrott wird nach Afrika geschifft und dort verklappt, Plastikabfälle werden zwar gesammelt, dann aber verbrannt oder auch in die Dritte Welt verschifft. Ein erster Schritt wäre ein Nachweis, woher kommen alle Stoffe eines Produktes, wurden Standards eingehalten bezogen auf Arbeitsbedingungen und Umweltschutz - ein Lieferkettennachweis. Dies ist jedoch der Wirtschaft, sprich uns, zu teuer. Aber Kinderarbeit, Umweltzerstörung und Agrarflächenvernichtung auf die E-Auto-Generation zu schieben - das ist ganz schön scheinheilig!

Helmut Böhnlein

Knellendorf