Nora Wölfert zieht den Brotschieber aus dem Backofen heraus. Was da zum Vorschein kommt, sieht nicht gerade wie Brot aus. Doch in den glänzenden Stahlzylindern auf dem Tablett ist tatsächlich Brot. Weil es kein gewöhnliches Brot ist, kommt gerade Besuch ans Backhaus in Ahlstadt. Die Schlepper-Tour "Essen aus Bayern" des Bayerischen Bauernverbands macht Station auf dem Hof der Wölferts.

"Was essen wir? Woher kommen unsere Lebensmittel? Wie werden sie erzeugt? Solche Fragen beschäftigen immer mehr Menschen. Seit der Corona-Krise sogar noch mehr", sagt Hans Rebelein, Geschäftsführer des BBV in Coburg. Gleichzeitig spüren die Landwirte aber, dass immer weniger Menschen einen Bezug zur Landwirtschaft haben. Viele kennen wohl gar keinen Bauern mehr persönlich.

Hans Rebelein steuert den BBV-Traktor auf seiner Tour durchs Coburger Land. Ehe er auf den Hof der Wölferts rollte, hatte er bei Christian Flohrschütz in Kleinwalbur Station gemacht. Weil Regionalität für Verbraucher eine immer größere Rolle spielt, wollte der BBV zeigen, dass hier regionales Getreide in der Mühle Wiesnet gemahlen und in der Bäckerei Beiersdorfer Landbrot zu Backwaren verarbeitet wird.

Nicht nur regional, sondern ganz besonders ist das Brot der Wölferts. Aus Emmer und Roggen wird auf dem Biohof ein Sauerteigbrot, das vor allem Allergiker nachfragen. "Es ist verträglicher für sie als das Brot aus dem modern gezüchteten Weizen", sagt Nora Wölfert. Drei Sorten Brot werden im großen Dorfbackofen gebacken. "Deswegen machen wir verschiedene Formen, da kommen wir nicht durcheinander", sagt Nora Wölfert. Die runden seien sogar besonders beliebt, weil die Scheiben so schön handlich sind - auch für Kinder.

Nur auf Bestellung

Einmal im Monat wird der Backofen angeschürt. Die Zahl der Brote, die hinein müssen steht schon vorher fest. "Wir backen nur auf Vorbestellung", sagt Andrea Wölfert. 50 kastenförmige und 30 runde Laibe sind es diesmal. Dafür ist schon ein ziemlicher Arbeitsaufwand nötig. Und der wird demnächst mehr. Ein Laden will Brot vom Biohof anbieten. "Dann müssen wir zweimal im Monat backen." Und Nudeln aus dem Emmer müssen ja auch noch gemacht werden, denn die sind schon lange ein Produkt bei den Wölferts, das gern nachgefragt wird.

Zurzeit hat der Hof sechs Hektar Emmer auf dem Feld stehen. Daraus lassen die Wölferts auch Weißmehl herstellen, aus dem dann Brötchen gebacken werden. Auf vier Hektar wird ein anderes Produkt gebaut, das in der Region außergewöhnlich ist: Linsen.

Es sind aber nicht nur solche Ausnahmeprodukte, die zeigen, wie vielfältig das Angebot der heimischen Landwirtschaft auch regional sein kann, um die es dem Bauernverband geht. "Wir wollen Hintergrundwissen rund um unsere wichtigsten Lebensmittel vermitteln", sagt der Vorsitzende der Weizenerzeugergemeinschaft Coburg, Christian Flohrschütz. Damit soll der Trend, lieber regionale Produkte zu kaufen, angekurbelt werden.

Die Umsatzzahlen belegen, dass nicht ganz so viele Verbraucher so überzeugt regional kaufen, wie das bei Umfragen gern angegeben wird. Vor allem der Preis bleibt bisher das entscheidende Kaufargument.

Genauer hinsehen

Die Auswahl in Supermärkten ist bei jedem Produkt in aller Regel sehr groß. Daher gilt es, genau hinzusehen, wenn Brot, Eier oder Käse aus der Region kommen sollen. "Wer die heimische Landwirtschaft unterstützen will, der kauft regional. Ein kurzer Blick auf die Herkunftsangabe hilft bei der Kaufentscheidung", sagt BBV Kreisobmann Martin Flohrschütz.

Der bunt beklebte Traktor der #EssenAusBayern-Tour war von Schwaben über Oberbayern und Niederbayern in die Oberpfalz unterwegs und hat jetzt Oberfranken erreicht. Im kommenden Jahr soll er in den übrigen Regionen des Freistaats unterwegs sein und auf die Vorzüge und die Vielfalt regionaler Erzeugung aufmerksam machen.