Ein einsamer Mann kämpft ums Sorgerecht für seine Tochter, lebt in einer verbarrikadierten Wohnung, weil draußen militante Banden toben, und hält sich einen Roboter als Partnerersatz: Was so erstaunlich aktuell klingt, heißt "Ab jetzt", entstand bereits 1987, ist ein Drama des britischen Komödien-Altmeisters Alan Ayckbourn und der Stoff, mit dem das Theater im Gärtnerviertel (TiG) die Spielzeit 2020/21 am 25. September eröffnet.

Keine beengten Spielstätten

Naturgemäß war auch die freie Truppe gehandikapt von den Virus-Restriktionen. So musste eine ehrgeizige Produktion kurz vor der Premiere ausfallen: Brechts "Dreigroschenoper" wurde verschoben auf die nächste Spielzeit, und natürlich steht über manchen Projekten für die kommende Saison noch ein großes Fragezeichen, wie Sportjournalisten gerne formulieren. Doch gerade eine kleine Mannschaft kann improvisieren - wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Beengte Spielstätten kommen auch fürs TiG nicht mehr in Frage, doch um die 100 Zuschauer passen etwa auch in einen leer stehenden Raum im Ertl-Zentrum. Dort spielt Ayckbourns "Ab jetzt", eine Farce um die Beziehung von Mensch und Maschine, um Geschlechterrollen, um fehlende menschliche Kontakte und Überwachung. Erstaunlich modern klingt das alles. Dabei hatte der Autor noch keine Ahnung vom Internet, als er sein Stück verfasste, von Smart-Phone-Sucht und Sexrobotern mit künstlicher Intelligenz, die allen Ernstes zurzeit entwickelt werden.

Es geht um den Komponisten Jerome (Valentin Bartzsch), dem Frau und Tochter (Martin Habermeyer) davongelaufen sind, weil sie sein avantgardistisches Schaffen nicht mehr ertragen. Ihm bleibt ein als Kindermädchen programmierter weiblicher Roboter (Ursula Gumbsch und Aline Joers), den er zur Partnerin aufpeppt, als er einem Sozialarbeiter (Stephan Bach) stabile Familienverhältnisse vorspiegeln muss, um im Sorgerechtsstreit zu siegen. Denn die zu diesem Behuf engagierte Schauspielerin verzweifelt an ihrer Rolle. Wird die Roboterin in die menschliche Lücke springen? Warum trägt die Tochter den seltsamen Namen Geain?

Zu erwarten ist wie immer beim TiG kein bierernstes Spiel, sondern allenfalls eine Komödie mit ernsten Untertönen, die man hören kann, wenn man will. Regisseurin Nina Lorenz siedelt die Dystopie im Jahr 2040 an. Da wird die Corona-Krise hoffentlich überwunden sein, doch ersetzen dann Maschinen den menschlichen Kontakt, so wie in Japan Pflegeroboter sich bereits um die Alten kümmern? Was, wenn sich einer in seinen Roboter verliebt? Interessante Fragen.

Dreigroschenoper in der HWK

Wieder aufgenommen wird "Der dressierte Mann" im Keesmann-Saal (mit reduzierter Zuschauerzahl), endlich Premiere feiern soll die "Dreigroschenoper" in der Handwerkskammer, für November und April sind weitere Premieren angesagt unter der Regie von Heidi Lehnert und Andrea Pinkowski mit den bereits zitierten Fragezeichen, was Titel und Spielort anbelangt. Ab 17. Juni dann eine Open-Air-Aufführung von Shakespeares "Sturm". Freilicht ist sicher, wo nicht. Die Schauspieler proben ohne Maske, müssen aber den Mindestabstand einhalten, dürfen keinen Körperkontakt haben und ohne Handschuhe nicht die gleichen Requisiten benutzen. Passt zum Stück wie die Faust aufs Auge.