Der fünfte Sonntag nach Trinitatis setzt sich sehr offensiv mit dem Wagnis des Glaubens auseinander. Christen denken darüber nach, warum sie Jesus nachfolgen, obgleich es keine vernünftigen Gründe dafür gibt. Die Auseinandersetzung mit dieser grundlegenden Frage fand in kreativer Art und Weise in der Michelauer Johanniskirche in Form eines Krimi-Gottesdienstes statt.

Pfarrer Christian Frühwald hatte dazu den heimischen Krimiautoren Volker Backert eingeladen. In einem interessanten Dialog analysierten die beiden Protagonisten die Lebenssituation des Kommissars der Coburger Mordkommission Charly Hermann, so wie sie von Volker Backert in seinem ersten Frankenkrimi "Das Haus vom Nikolaus" beschrieben wird.

Volker Backert las dazu zunächst eine Passage aus seinem Erstlingswerk vor. Eine Stelle, die er selbst als sehr bedeutungsvoll bezeichnet, weil sie sich auch mit der grundlegenden Frage "Gut und Böse" auseinandersetzt. Passend zur Dramaturgie wurde die Lesung mit der bekannten Tatortmelodie auf der Orgel eingeleitet.

Der erfolgsgewohnte Kommissar, der sein Selbstwertgefühl in erster Linie aus seinen herausragenden Fahndungserfolgen speist, ist an einem der Tiefpunkte seines Lebens angelangt. Zwar hat er sein Alkoholproblem weitgehend überwunden, auch mehrere gescheiterte Beziehungen belasten ihn kaum noch, doch was ihm enorm zu schaffen macht, sind drei rätselhafte, brutale Morde an jungen Frauen, die die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzen.

"Ist die fränkische Polizei überfordert?", fragt mit spitzer Feder die regionale und überregionale Presse. Besonders belastend wird dies nach einer deprimierenden Pressekonferenz, bei der die Person und die Leistungen des Kommissars massiv hinterfragt werden.

Rückbesinnung in der Kapelle

"Was trägt, wenn nichts mehr trägt", lautet die existenzielle Frage, die der Autor und Pfarrer Frühwald zu ergründen versuchen. Es mutet fast wie ein Wink des Schicksals oder eine höherer Fügung an, dass Charly Hermann auf der Heimfahrt von dieser entwürdigenden Pressekonferenz einen Zwischenstopp am Mainufer einlegt.

Dort entdeckt er eine kleine Kapelle. "Man müsste mal wieder eine Kirche von innen sehen", spiegelt der Text die Gedanken des Kommissars. Dieser atmet die Atmosphäre des Gotteshauses ein und lässt sie auf sich wirken. In der Rückbesinnung auf sich selbst findet Charley Hermann Ruhe und Frieden.

Angesichts des geschundenen Christus am Kreuz und der brutalen Verstümmelungen an den weiblichen Opfern seiner Fälle erinnert sich Charly Herrmann daran, dass es am Ende der Zeit eine endgültige Gerechtigkeit geben muss. "Gerade weil alles so unglaublich war, musste man hoffen und glauben!" Damit wird die Hoffnung zum Grundmerkmal des christlichen Glaubens.

Dieser Glaube an Gott und an Jesus Christus kommt auch im Bibeltext zu Ausdruck, den der Pfarrer Christian Frühwald zum Inhalt seiner Lesung machte. Jesus Christus spricht vom Boote des Simon Petrus aus am See Genezareth zu den Menschen, die gekommen waren um seine Worte zu hören. Und seine Jünger folgen ihm nach.

Hermann stellt sich der Aufgabe

Doch Hermann kommt zu einer weiteren Einsicht. Es macht keinen Sinn, auf das Jüngste Gericht am Ende der Zeit zu warten. Jeder Einzelne ist gefordert, etwas gegen die Ungerechtigkeit in dieser Welt zu tun. Und so stellt er sich seinem Auftrag als Polizist. Es ist seine Berufung, wobei Berufung in der Auslegung von Volker Backert bedeutet, dass jeder seine Stärken und Schwächen erkennt und sich entsprechend einsetzt.

Kraft schenken können aber auch die Erfahrungen anderer. Eindrucksvoll erinnerte Volker Backert am Ende der befruchtenden Konversation an eine Inschrift, die man an einer Wand des Warschauer Ghettos gefunden hat. Unvorstellbare Zustände herrschten da in diesem Ghetto, in dem 350 000 Menschen aller Altersgruppen zusammengepfercht waren. Mit 184 Kalorien pro Tag und Kopf waren Auszehrung und Krankheiten wie Flecktyphus an der Tagesordnung. Und dennoch wurde die Kraft des Glaubens in der folgenden Inschrift deutlich: "Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre. Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn nicht sehe." Eine nachdenklich stimmende Antwort auf die Eingangsfrage: "Was trägt, wenn nichts mehr trägt?" kag