"Mehr Transparenz würde der Sache gut tun", hatte Friedheim Puls an Bürgermeister Ralf Holzmann geschrieben. In seinem Schreiben an den Rugendorfer Rathauschef, das er auch den Gemeindenratsmitgliedern vorlegte, forderte er genauere Aufklärung darüber, wie es genau zu "einer Steigerung von 56,7 Prozent" bei den Abwassergebühren gekommen sei.

Puls ist regelmäßig Zuhörer in den Gemeinderatssitzungen. Aus der Behandlung dieses Themas in der Sitzung des Gemeinderats im Dezember konnte er die Hintergründe der massiven Kostenerhöhung nicht nachvollziehen. Und auch nach dem Antwortschreiben auf seinen Brief ist ihm die Sache nicht klarer geworden, wie er am Ende der Gemeinderatssitzung am Montag mitteilte, nachdem ihm Rederecht eingeräumt worden war.

Im öffentlichen Teil der Dezember-Sitzung war der Gemeinderat informiert worden, dass sich aus der Abrechnung der vergangenen vier Jahre eine Unterdeckung von etwa 175 000 Euro bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von rund 37 500 Kubikmetern pro Jahr ergeben habe; nicht vorhersehbare Kosten seien durch die Entsorgung des Klärschlamms (100 000 Euro), wegen des Einarbeitens eines neuen Mitarbeiters sowie für Ersatzbeschaffungen von Pumpen und Leitungen entstanden. Der Gemeinderat beschloss darauf, die Abwassergebühren um 1,15 Euro pro Kubikmeter ab Anfang 2020 auf 3,18 Euro anzuheben.

Ziel: Bürger besser aufklären

Für Puls war die knappe Auflistung der Kostensituation und der unkritische Beschluss des Gemeinderats nicht genug. Er hatte sich mehr Aufklärung und Diskussion darüber erwartet: "Wie sind die Kosten entstanden; welche Ausschreibungen wurden eingeholt; hätte bei dieser hohen Unterdeckung nicht eher reagiert werden können?"

Immerhin treffe die Kostenerhöhung ja den Geldbeutel eines jeden Bürgers. Dass nichtöffentlich etwas gemunkelt worden oder etwas nicht rechtmäßig behandelt worden sei, wolle er aber nicht unterstellen. Es gehe ihm einfach darum, dass der Bürger bei solchen Entscheidungen genauer aufgeklärt und mitgenommen werde.

Bürgermeister Holzmann wies nochmals darauf hin, dass die Behandlung von Themen wie die von Gebührenfestsetzungen durch die Gemeindeordnung und die Wassersatzung klar geregelt sei. Es werde niemand über den Tisch gezogen. Dennoch folgte der Gemeinderat der Anregung von Albert Müller ("es soll veröffentlicht werden") und Franz Schnaubelt ("wir haben nichts zu verbergen"), dass die Daten, die zur Erhöhung der Abwassergebühr geführt haben, im nächsten Stadtsteinacher Anzeiger, eventuell auf der Homepage der Gemeinde, veröffentlicht werden sollen.

In diesem Zusammenhang wies Elisabeth Schmidt-Hofmann darauf hin, dass die Webseite der Gemeinde derzeit viel "altes Zeug" beinhalte und teils chaotisch sei. Nachdem die Seite jetzt über den Pool im Landratsamt laufe, habe die Gemeinde derzeit noch nicht den notwendigen Zugriff, sagte Bürgermeister Holzmann.