Arno Reuscher drückt sich diplomatisch aus. Er hat durchaus Verständnis für die Vorsichtsmaßnahmen der Regierung. "Ich finde es aber schade, dass man die Kleinen außen vor lässt", sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins "Kaufhaus" Mürscht. Denn in Bayern dürfen die meisten Geschäfte erst am 27. April wieder öffnen. Dagegen ist es Bau- und Gartenmärkten bereits seit Montag erlaubt, ihre Waren zu verkaufen. "Bei den kleinen Geschäften lassen sich die Hygienevorgaben viel einfacher umsetzen", ist sich Arno Reuscher sicher. "Dass die noch nicht öffnen dürfen, kann ich momentan nicht nachvollziehen."

Gemischtes Sortiment

Mit der Wiedereröffnung der Bau- und Gartenmärkte am Montag hatte Arno Reuscher zunächst ein Problem. Er wusste nicht, ob das auch für sein Geschäft Eisen-Krais gilt, der ja ein gemischtes Sortiment hat. Weil er auch einen Drogeriemarkt im Haus hat, konnte das Geschäft die ganze Zeit über offen bleiben. Antworten auf seine Fragen hat Arno Reuscher beim Landratsamt bekommen. "Das Bürgertelefon funktioniert einwandfrei", betont er. Freundlich und kompetent werde der Anrufer dort beraten. "Und wenn sie doch einmal nicht sofort eine Antwort haben, wird man zurückgerufen." So hat es auch am Montag funktioniert. Ergebnis: Weil er jetzt auch den Bau- und Gartenmarkt öffnen darf, sein Schwerpunktgeschäft sozusagen, darf er nun wieder alles verkaufen. Für ihn ist das gut, aber er sieht mit Sorge auf seine Kollegen, denen das noch nicht vergönnt ist. Damit wenigstens am nächsten Montag alles reibungslos klappt, will er die Mitglieder des Gewerbevereins noch über die Einhaltung der Hygienevorschriften informieren.

Zu den Geschäften, die dann nach fünfwöchiger Schließung wieder öffnen dürfen, gehört Schmuck und Uhren Dieterich, das im letzten Jahr 100-jähriges Bestehen feierte. "Ich war dreimal in der Woche im Geschäft, habe die Post erledigt und mich beschäftigt, um einen halbwegs normalen Alltag zu haben", sagt Inhaberin Ursula Glückert. So hat sie beispielsweise das Schaufenster zu Ostern geschmückt, obwohl sie genau wusste, dass kein Kunde den Laden betreten kann. Auch wenn der Laden geschlossen war, so hat sie doch Kontakt zu den Kunden gehalten. Besonders gefreut hat sie sich darüber, dass im Rahmen der Gutschein-Aktion von "Kaufhaus" Mürscht Kunden auch für ihr Geschäft Gutscheine erworben haben. Denn eins dürfe man nicht vergessen: "Fünf Wochen ohne geregeltes Einkommen - das ist schon ein herber Einschnitt", betont die Inhaberin.

Dass sie nun wieder öffnen darf, sei ein Lichtblick. "Die Ungewissheit, wann es weitergeht - das war das Allerschlimmste." Deshalb habe sie sich sehr gefreut, als Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt hat, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen. "Aber ich habe auch schon befürchtet, dass wir uns in Bayern gedulden müssen." Nun ist sie aber guter Dinge, dass ab Montag wieder die Kunden kommen. Die Einhaltung der Hygienebestimmungen ist dabei für Ursula Glückert überhaupt kein Problem. Es darf immer nur ein Kunde in das kleine Lädchen.

Ganz locker geht Daniel Michel von G3-Computer-Outlet mit dem späteren Start der Geschäfte in Bayern um. "Wenn es am Ende ein Menschenleben rettet, war es gut und richtig", meint er. Das Geschäft am Münnerstädter Anger war zwar geschlossen, besonders in den ersten zwei Wochen sei aber viel über den Lieferservice gelaufen. "Die Kooperation mit dem TSV hat richtig gut geklappt." Danach sei es aber sehr ruhig geworden. Deshalb ist auch Daniel Michel froh, dass er am Montag wieder öffnen kann. Obwohl sein Laden recht groß ist, wird auch er nur je einen Kunden herein lassen. So soll eine mögliche Ansteckung vermieden werden.

Marita Scheublein vom Handarbeitsgeschäft "Prima" am Anger hat in den Wochen der Schließung auch immer mal nach dem Geschäft geschaut. Vor allem, ob endlich neue Gummibänder geliefert wurden, die für die Masken gebraucht werden, welche die beiden Frauen vom Geschäft genäht haben. Ab Montag werden auch sie wieder öffnen. Über den bayerischen Sonderweg ist Margit Scheublein nicht gerade glücklich, aber die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Kunden am Montag überwiegt. Den beiden Frauen ist es so ergangen, wie all den anderen geschlossenen Geschäften auch: die Kosten liefen weiter, was bei gepachteten Läden ein besonderes Problem darstellt. "Aber unsere Vermieterin ist uns sehr entgegengekommen", sagt Margit Scheublein. Ein schöner Zug in dieser schweren Zeit, findet sie.

Die beiden Elektro-Geschäfte, die Blumenläden, Schuhladen, Optiker und all die anderen kleinen Geschäfte werden bald wieder geöffnet haben und ein Stück Normalität in die Stadt zurückbringen.

Nur die Gastronomen und Hoteliers haben noch keinerlei Aussicht auf Wiedereröffnung. Wann dort wieder ein halbwegs normaler Betrieb herrscht, steht derzeit in den Sternen. Einige Gaststätten versuchen sich mit Lieferungen und Abholservice über Wasser zu halten. Das wird teilweise auch sehr gut angenommen.