Betrügerische Verkäufe auf ebay-Kleinanzeigen waren Gegenstand einer Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Da man dem Verkäufer nicht nachweisen konnte, dass es sich um Hehlerware handelte, wurde das Verfahren gegen ihn mit einer kleinen Geldauflage eingestellt.

Am ersten Verhandlungstag vor einigen Wochen hatte der Angeklagte (23 Jahre) behauptet, dass er nie gewusst hätte, dass die Klangverstärker, die er für einen Freund verkauft hatte, von eben diesem gestohlen worden waren. Aus diesem Grund fand nun eine Fortsetzungsverhandlung beim Amtsgericht statt, zu der dieser - bereits rechtskräftig verurteilte - Dieb als Zeuge vorgeladen war. Seine Antwort auf die entscheidende Frage, ob sein Kumpel gewusst habe, dass es sich um Diebesgut gehandelt hatte, kann man in einem kurzen Satz zusammenfassen: Vielleicht ja, vielleicht aber auch nein.

Das Motiv des Diebes waren offensichtlich hohe Schulden. Deshalb kam er auf die Idee, nebenbei Kasse zu machen. Als Beschäftigter einer namhaften Musikfirma war er in deren Lager als Gabelstapler tätig und arbeitete häufig in der Nachtschicht. Dabei nutzte er immer wieder die Gelegenheit und betätigte sich als Langfinger. Heimlich zweigte er einzelne Verstärker aus dem Lagerbestand ab, steckte die Geräte in seinen Rucksack und nahm sie mit nach Hause.

Zuerst verkaufte er das Diebesgut selbst, aber irgendwann wurde ihm das zu heiß. Deshalb organisierte er die Verkäufe über zwei Bekannte, denen er jeweils eine "Verkaufsprovision" von 50 Euro versprach. Mit dem nun wegen Hehlerei angeklagten Helfershelfer, der vier digitale Klangverstärker von Juli bis September 2018 auf der Onlineplattform ebay angeboten hatte, habe er seinerzeit nie persönlich, sondern nur online kommuniziert, erklärte der Zeuge.

Hilfreiche Nachfrage

Zugute kam dem 23-jährigen auf der Anklagebank der ausgewertete Chat-Verlauf seines Handys. Einmal nämlich hatte er seinen Lieferanten - also den Dieb - gefragt: "Was hast du dafür bezahlt?" Eine solche Frage ergäbe keinen Sinn, wenn er von vorn herein gewusst hätte, dass die Ware geklaut gewesen sei.

Von daher fiel es den Juristen schwer, dem Beschuldigten nachzuweisen, dass dieser von Anfang an Bescheid gewusst hätte. Schließlich waren sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger mit dem Vorschlag der Strafrichterin einverstanden, das Verfahren gegen eine geringe Geldauflage einzustellen. Ohne Verurteilung - und damit ohne Vorstrafe - erfolgte die Einstellung mit der Auflage, dass der 23-Jährige 600 Euro an die Deutsche Polizeigewerkschaft überweisen muss.

Kommt er dieser Verpflichtung bis zum 27. Februar nach, ist die Sache für ihn erledigt. Würde er nicht zahlen, müsste das Verfahren neu aufgerollt werden.