Funde in der Schäfersteinhöhle, darunter eine Feuerstelle aus der Mittelsteinzeit um 8000 vor Christus, belegen, dass die Fränkische Schweiz damals bereits besiedelt war. Möglicherweise auch Waischenfeld, das vor einigen Jahren 700 Jahre Stadterhebung feierte, denn 1315 hat Konrad von Schlüsselberg dieses Privileg vom Bayernkönig Ludwig erhalten. Doch 2022 könnte die Gemeinde einen noch älteren, den 900. Geburtstag der ersten offiziellen Namensnennung feiern und damit das Bewusstsein für die eigene Geschichte stärken.

Der Grund für die frühe Namensnennung liegt in einem Testament, das der Burgherr "Wirint von Waischenfeld" zugunsten des Klosters auf dem Bamberger Michelsberg verfassen lies. Lange Zeit galt die Urkunde als verschollen, obwohl darauf in den Stadtchroniken immer wieder verwiesen wurde. Dorothea Fastnacht hat diesen Nachweis bestätigt, als sie beim Verfassen des historischen Ortsnamenbuches über den ehemaligen Landkreis Ebermannstadt, nach Prüfung sämtlicher Urkunden zu dem Ergebnis kam, dass der Ortsname Waischenfeld zum ersten Mal im Jahre 1122 in einer Urkunde des Bischof Otto von Bamberg erwähnt wurde. In dieser Urkunde vererbt ein Wirint de Wischenuelt (Waischenfeld), dem Bamberger Kloster Michelsberg all seinen Besitz, wenn sein Sohn Conrad ohne männlichen Erben sterben sollte. Fastnacht nennt weitere Belege, die darauf hindeuten, dass der Ortsname noch älter sein könnte, stellt sie jedoch in eckige Klammern, was bedeutet, dass die Kommentierung nur auf Annahmen beruht, nicht auf echten Belegen.

Nur der Vorname ist überliefert

So kommt Johannes Staudenmaier vom Staatsarchiv Bamberg zu dem Ergebnis: "In der genannten Urkunde vom 17. Februar 1079 fordert Gregor VII. sieben Bamberger Vasallen, darunter einen "Wirintoni", zur Rückgabe der Güter auf, die ihnen vom Bamberger Bischof Hermann I. nach dessen Exkommunikation verliehen worden sind". Von diesem Wirintoni "Wirint" steht aber kein Nachname dabei und auch der Ort selbst ist nicht genannt.

Fastnacht erwähnt eine noch ältere mögliche Quelle, aus dem Jahr 1033, in der eine Wunderheilung durch die heilige Kunigunde an einer edlen Dame "de castello de wiskenuelt" beschrieben ist. Auch hier wird der Wahrheitsgehalt vom Staatsarchiv Bamberg angezweifelt: "Die Wunder der heiligen Kunigunde sind frühestens im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben worden, also zirka 200 Jahre nachdem sie angeblich stattfanden".

Daher kommt auch das Staatsarchiv zu dem Ergebnis: "Die sichere älteste Nennung Waischenfelds in einer Urkunde, die im Staatsarchiv Bamberg verwahrt wird, datiert von 1122". Von dieser Urkunde gibt es sogar zwei Ausfertigungen. Das Original lag lange Zeit im Haupt-Staatsarchiv in München, ehe es im Zuge der Bestände-Bereinigung zwischen den staatlichen Archiven nach Bamberg kam, wo es noch eine Abschrift davon, eine Kopie für das Bamberger Kloster Michelsberg, gibt.

Urkunde schon übersetzt

Der Urkundentext, den der Waischenfelder Zahnarzt Benedikt Spörlein schon 1944 übersetzt hat, lautet: (...) "Deshalb geben wir allen Christgläubigen, den zukünftigen wie den gegenwärtigen, bekannt, dass gemäß dem Rat unserer Geringigkeit ein Edelmann, namens Wirint von "wischenuelt" (Waischenfeld), als er im Gefühl der göttlichen Liebe, um seine Seele zu gewinnen, auf alle seine weltliche Habe verzichtete, seinen ganzen Landbesitz samt der zu zerstörenden Burg bei Waischenfeld an den Altar des hl. Michael auf dem Berg zu Bamberg mit der Bestimmung übertrug, dass wenn sein damals noch in den Knabenjahren stehender Sohn Konrad sein Leben ohne Erben beschließe, das vorgenannte Kloster den bezeichneten Landbesitz samt der zu zerstörenden Burg ganz besitzen solle.

Sofern er aber um einen Erben zu haben eine ihm passende Frau heirate, sollten die beiden Landbesitzungen "Nueneigen" (wohl Neuenhaid nordwestlich von Waischenfeld) und "heroltesberge" (Heroldsberg) dem Kloster verbleiben und die Mönche sie zu ihrem Nutzen verwenden, und alles übrige solle Konrad haben".