Den Geheimnissen der Fledermäuse auf der Spur war Sonntagnacht eine Gruppe von Naturfreunden an den Teichen bei Redwitz. Unter der sachkundigen Leitung von Gerhard Hübner, Ansprechpartner für Fledermäuse in der Kreisgruppe Coburg des Landesbundes für Vogelschutz, konnten die rund 40 Teilnehmer sogar den Ruf der Fledermaus hören.

Mit einem Ultraschall-Detektor entdeckten sie verschiedene Arten. Fledermaus ist nicht gleich Fledermaus, erfuhren die Teilnehmer. Das fängt bei der Größe an - von der winzigen Zwergfledermaus bis zum vorwiegend auf Laufkäfer spezialisierten Großen Mausohr mit einer Spannweite von rund 40 Zentimetern.

Weniger als fünf Gramm schwer

Die Zwergfledermaus mit ihren zwitschernden Rufen ist weniger als fünf Gramm schwer, ruft aber am lautesten. Vom Bauhof in Redwitz führte der Nachtspaziergang zu den Biotopen an den Baggerseen. Dicht über der Wasseroberfläche strichen die Wasserfledermäuse, tauchten kurz ein, wenn sie das Beutetier mit den Füßen schnappten. Die Kinder waren begeistert. Sie trugen abwechselnd den Bat-Recorder, der alle Rufe der Nachtsegler aufnahm. Die Rufanalyse auf dem Laptop ergab, dass noch drei weitere Arten in dieser Nacht unterwegs waren: Die Mücken-, die Rauhaut- und sogar eine Mopsfledermaus, eine stark gefährdete Art, die äußerst selten vorkommt. Mit allerhand Informationen würzte Hübner die Exkursion, erzählte beispielsweise von den "Wochenstuben", den Quartieren, in denen sich die trächtigen Fledermausweibchen zusammenfinden, um ihre Jungtiere zur Welt zu bringen. Die "soziale Thermoregulation" habe dabei eine große Bedeutung. Die Mütter rücken dabei eng zusammen, wärmen sich so in Schlechtwetterperioden gegenseitig. "Das zeigt, dass Fledermäuse auch sehr soziale Tiere sind", betonte Hübner.

Nicht mit Dracula verwandt

Die Fledermaus-Flugwege beeinflussen auch den Bau von Straßen und Windkrafträdern, nannte er auch einen weiteren Aspekt, wie das Wissen um die Lebensweise der Tiere Anwendung findet. "Ihren schlechten Ruf haben Fledermäuse zu Unrecht. Es sind wunderbare, faszinierende Tiere", so der Vogelkundler. Sie hätten weder etwas mit Mäusen noch mit Vögeln zu tun - und mit einem Graf Dracula seien die Tiere, entgegen sich hartnäckig haltender Mythen, auch nicht verwandt. Gerhard Hübner räumte mit derlei Vorurteilen auf.

Die Exkursionsteilnehmer lernten, dass unsere heimischen Fledermäuse größtenteils in ihrem Bestand gefährdet und ausnahmslos geschützt sind. Von den 24 Arten in Bayern lebten allein in der Region Coburg-Lichtenfels 17 Arten. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten und Spinnentieren und halten bis zu fünf Monaten Winterschlaf. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur auf wenige Garde über Null ab.

"Unsere Fledermäuse benötigen gezielte Schutzmaßnahmen, wenn ein weiterer Bestandsrückgang oder gar das Aussterben besonders bedrohter Arten verhindert werden soll", unterstrich Hübner. Dieses Ziel könne über die Aufklärung der Bevölkerung und praktische Rücksichtnahme bei Renovierungsarbeiten erreicht werden. Fledermäuse zu schützen, bedeute, eine Landschaft mit der lebensnotwendigen Vielfalt an Biotopen zu erhalten oder wiederherzustellen. Er warnte vor dem Einsatz von lindanhaltigen Anstrichen, die ohnehin verboten seien. Durch giftige Holzschutzmittel in Dachstühlen stürben immer wieder die kleinen Flattermänner. Dazu zeigte er eine Fledermaus, die offenbar dadurch zu Tode kam.