Zehn spannende Geschichten aus dem Notdienst des Tierheims standen im Mittelpunkt der Adventsfeier des Tier- und Naturschutzvereins Coburg. Der Notdienst des Coburger Tierheims ist täglich von 17 bis 22 Uhr telefonisch erreichbar und kümmert sich um in Not geratene Tiere. Kurzweilig erzählten Tierarzt Joachim Lessing und die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Siegrid Ott-Beterke, lustige, aber auch ernste Situationen, zu denen die Mitarbeiter des Tierheims gerufen wurden. So wurde einem Hund, der sich längere Zeit im Bereich des Kinos ausgehalten hatte, Futter mit einem Betäubungsmittel angeboten, um ihn einzufangen. Dies beeindruckte den Vierbeiner keineswegs. Die Helfer gingen dem Tier auf seinem Nachhauseweg nach, wo es von seinem Frauchen schon sehnlichst erwartet wurde. Nun aber das Problem: Wie soll man der Hundebesitzerin erklären, dass ihr Wauwau nun für längere Zeit schlafen wird?

Kröte geschluckt

Ein weiterer Notruf ging wegen einer in einem Gitter hängengebliebenen Schlange ein. Die ausgewachsene, weibliche Ringelnatter hatte sich regelrecht in dem Gitter verknotet, und es gab für sie kein Vor und Zurück mehr. Diese Schlangenart spucke bei einer Bedrohung ihre eingenommene Nahrung aus, berichtete der Tierarzt. Dies war auch bei dem Rettungsversuch der Fall. Was zum Vorschein kam, verblüffte alle. Die Ringelnatter hatte kurz vorher eine Erdkröte verspeist und war deshalb mit ihrem dicken Bauch steckengeblieben.

Gekippte Fenster können für Katzen eine tödliche Falle sein, weiß Tierarzt Joachim Lessing. Aber in dem geschilderten Fall hatte ein Marder versucht, ein solches Fenster nach außen zu verlassen und ist prompt mit einem Hinterbein steckengeblieben. Trotz seiner Höhenangst sei er auf einer Leiter nach oben geklettert und habe den Marder befreit, erzählte Lessing.

Aber auch extrem unangenehme Einsätze kamen auf die Tierheimmitarbeiter zu. Rennmäuse, Ratten und weiße Mäuse mussten aus einer total vermüllten und verwahrlosten Wohnung herausgeholt werden.

Das sei aber nicht der einzige derartige Einsatz gewesen, merkte Siegrid Ott-Beterke an. Bei einem aktuellen Fall lebten 20 Katzen in einer Ein-Zimmer-Wohnung und hatten nur zwei Katzenklos. "Wie es dort ausgesehen hat, will sicher niemand wissen", sagte die Vorsitzende.

Im zurückliegenden Jahr seien 200 Vögel abgegeben und wieder aufgepäppelt worden, berichtete Lessing. Diese hohe Anzahl sei bald nicht mehr praktikabel, so der Tierarzt. Alleine die Fütterung einer Amsel in den 21 Tagen bis zur Auswilderung mache es erforderlich, sie 14 Stunden am Tag, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, zu füttern. Insgesamt verspeist die Amsel in dieser Zeit 6000 Heimchen, die dem Vogel mit der Pinzette verabreicht werden müssen. Auch die Kosten von knapp 20 Euro für 1000 solcher Heimchen belasteten die Kasse des Tierheims enorm.

Die jungen, überaus talentierten Tänzer der Ballettschule Karen Spreitzer-Breyer begeisterten mit zwei Darbietungen aus ihrem aktuellen Repertoire. Der Programmpunkt "Junges Gemüse im Tierheim" stellte Meerschweinchen und viele andere kleine Lebewesen in den Mittelpunkt.

"Bodo" und "Haze" waren Tierheimhunde und beide haben ihr Traumzuhause gefunden. Die neuen Hundebesitzer berichteten von ihrem neuen Familienzuwachs. Annemarie Seifert und Daniel Bischoff haben dem neunjährigen Mischling "Bodo" eine zweite Chance gegeben. Beide waren Gassigeher und sind ein Jahr lang mit dem Jack-Russel-Mix spazieren gegangen. Bereits beim ersten Kennenlernen hätten sie sich in den Kleinen regelrecht verliebt, es sei ihnen aber bewusst gewesen, dass in ihrer kleinen Wohnung einfach kein Platz für ein Haustier ist. Im Sommer dieses Jahres hatten sie ihren Entschluss überdacht und mit dem Tierheim einen Probevertrag für eine "Übernahme" geschlossen. Das Paar wollte sich ein paar Tage Urlaub gönnen und dachte sich, dass dabei auch der kleine vierbeinige Freund dabei sein könnte. Nun hat der freche Jack-Russel ein neues Zuhause gefunden und lebt bei den beiden - nach einem langen Aufenthalt im Tierheim. W. Desombre