Wassertreten und damit etwas für die Gesundheit tun - diese Möglichkeit besteht schon seit 32 Jahren an der Dr.-Walter-Langer-Straße zwischen Ketschendorf und Seidmannsdorf. 1988 wurde das Kneippbecken am Geh- und Fahrradweg zwischen den Stadtteilen in Betrieb genommen, doch von Anfang an zeigte sich immer wieder, dass der Standort nicht ideal gewählt war. Bei Starkregen wird regelmäßig Erde von einem höher gelegenen, abschüssigen Feld auf die Anlage und in das Becken gespült wird. Erst 2019 musste wieder eine Riesenladung Schlamm aufwendig entfernt werden.

Für die Reinhaltung des Beckens ist an sich der Kneipp- und Naturheilverein Coburg zuständig. Das ist vertraglich mit der Stadt geregelt. Doch der Verein sei außerstande, das zu leisten, sagt dessen Vorsitzende Dorothea Schaal. Deshalb bestehe schon lange der Wunsch nach einem besseren Standort.

2021 bietet sich dazu nun eine großartige Gelegenheit, wie Dorothea Schaal findet. Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat für das "Kneipp-Jahr" (anlässlich des 200. Geburtstags von Sebastian Kneipp) das Sonderprogramm "Touristische Infrastruktur - Kneipp-Anlagen" aufgelegt. Mit dem Förderprogramm sollen Kommunen beim Aufbau, Ausbau oder bei der Modernisierung von Kneipp-Anlagen unterstützt werden.

Diese Gelegenheit wollte Dorothea Schaal nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sofort leitete sie die Nachricht, die sie vom Kneipp-Bundesverband erhalten hatte, an die zuständigen Stellen der Stadt Coburg weiter: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig hat das Schreiben erhalten, ebenso Grünflächenamtsleiter Bernhard Ledermann, das Stadtmarketing und die SÜC. Die Höhe des Förderbetrags hängt davon ab, wie viel Geld die jeweilige Kommune in eine Kneipp-Anlage investiert. Zehn Prozent der Summe müssen aus Eigenmitteln finanziert werden. Um berücksichtigt zu werden, muss der Antrag bis 30. November 2020 von der Kommune gestellt werden.

Immer wieder "zugematscht"

Aus dem OB-Büro wurde Dorothea Schaal inzwischen mitgeteilt, dass das Schreiben eingegangen sei und dass man es an das Grünflächenamt weitergeleitet habe. Dessen Leiter, Bernhard Ledermann, kenne die Situation am Ketschendorfer Kneippbecken sehr gut, sagt Dorothea Schaal, schließlich sei es das Grünflächenamt, das letztlich das "zugematschte" Becken immer wieder freilege.

"Wir haben permanent den Dreck", sagt Dorothea Schaal. "Wir müssten viel öfter sauber machen, aber ich habe einfach niemanden, der das in die Hand nehmen kann - und ein Hausmeisterservice geht unheimlich ins Geld." Neben dem Schmutz seien auch die Algen im Becken ein Problem. Obwohl es vom Ketschenbach mit fließendem Wasser gespeist wird, wie es sich bei Kneipp-Anlagen gehört, lasse sich die Veralgung nicht eindämmen.

Kurzum, Ledermann kenne ihren Wunsch nach einem anderen Standort und stimme ihr auch zu, sagt Schaal. Mit ihm habe sie sich schon über den Ketschendorfer Schlosspark als möglichen Standort unterhalten. Ein Vorteil wäre, dass dafür Grünflächenamt und Stadtreinigung zuständig seien.

Warum nicht in der Innenstadt?

Denkbar wäre auch, ein Kneippbecken im Bereich des Postareals, also direkt in der Innenstadt, anzusiedeln, sagt Dorothea Schaal - eine Idee aus dem Stadtmarketing. Der Hahnfluss fließt dort in Rohren unter dem Lohgraben durch. "Wenn man die öffnen würde, könnte man von dort frisches Wasser bekommen." Weitere vorstellbare Standorte wären aber auch das Itz-Ufer (das man sowieso gerne umgestalten würde) oder der Güterbahnhof, sagt Dorothea Schaal. Eine weitere Variante wäre eine Natur-Kneipp-Anlage, die direkt in einem fließenden Gewässer angelegt wird. Ein wunderbares Beispiel dafür sei die Kneipp-Anlage im Kurpark von Bad Alexandersbad im Fichtelgebirge.

Sie hoffe nun, dass die Stadt einen Plan entwickle, um von dem Förderprogramm zu profitieren. Schaal: "Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, in nächster Zukunft mit Unterstützung durch das Sonderprogramm in den Coburger Medien die Schlagzeile ,Repräsentative Kneippanlage in wunderschöner Lage durch die Stadt Coburg in Betrieb genommen‘ zu lesen."