Waltraud Enkert Förtschwind — Der Boden ist weich, viel Moos wächst hier im Wald bei Förtschwind, ein Teil der Grethelmark. Feucht ist es am Freitagmorgen, gerade hat es noch geregnet. Pilzexperte Hans Krautblatter freut sich: "Schauen Sie sich die Vielfalt an, was da alles an Pilzen steht."

Tatsächlich: Welche, die "qualmen", wenn man sie berührt, welche mit gelbem Hut, mit grauem Hut und der bekannte Fliegenpilz sind auf einen Blick zu sehen. Krautblatter nimmt ein seltenes Exemplar aus der Erde: der Erdstern. Zweigeteilt ist dieser Pilz. Als wenn eine kleine Kugel auf einer Unterlage sitzt. Krautblatter erklärt, wie das zustande kommt. In der Erde entsteht der Fruchtkörper als ein Teil. Um Sporen zu verteilen, wächst die Kapsel nach oben und platzt dann.

"Das Wetter macht es möglich", sagt Krautblatter. "Man hat das Gefühl, die Pilze haben darauf gewartet, rauszukommen." Feuchtigkeit und Wärme seien die Hauptkriterien für das Pilzwachstum. "Es kommen noch andere hinzu", sagt Krautblatter. "Aber die sind nicht ganz so entscheidend." Die letzten Jahre sei es zu trocken gewesen. Heuer hatten wir ab Oktober immer wieder mal Regen. Deshalb wachsen die Pilze gerade wie verrückt.

"Ein Beutelstäubling!" Er gehört zu der Familie der Weich- oder Weißbovisten. "Gute Speisepilze, solange sie jung sind", sagt der Biologe. Dann sind sie auch weiß. Später verfärben sie sich im Innern und sind nicht mehr genießbar. So wie der Kartoffelbovist. Er gilt als giftig. Er riecht unangenehm, ist innen schwarz. "Den auf jeden Fall weglassen", sagt Krautblatter.

Krautblatter zeigt auf einen Porling. Er wächst direkt an einem Baumstamm. "Ein ausgesprochener Holzzersetzungspilz", sagt der Fachmann. "Bitter und oft knochenhart, nicht zum Essen geeignet."

Wichtiges Merkmal: Lamellen

Ein Blick weiter: Der Trompetenpfifferling. Mit Pfifferling verbindet man die Farbe gelb. Doch so gelb ist er gar nicht. Beige-braun, würde das Auge des Betrachters sagen. Krautblatter ist natürlich sicher. "Das ist der Trompetenpfifferling. Der kann ein bisschen variieren in der Farbe. Aber man sieht den gelben Stiel, den trompetenförmigen Hut. Und wichtigstes Merkmal: die Lamellen. Der Pilzexperte mit reichlich Lebenserfahrung bückt sich und hält den "Doppelgänger" hoch: der Falsche Pfifferling. "Der hat mehr orange dabei." Anders als der richtige Pfifferling hat er sehr feine Lamellen. "Gabelblättrig", sagt der Fachmann. Das heißt, dass die einzelnen Lamellen nicht durchgängig sind, sondern unterbrochen. Kein Speisepilz.

Was sticht denn da zwischen Moos und Blättern hervor? Tiefes Lila. Der muss giftig sein. - "Überhaupt nicht", sagt Krautblatter. "Das ist ein guter Speisepilz." Sein Name: Violetter Lacktrichterling. "Bei meinen Pilzexkursionen brauche ich fünf Minuten Überredungskunst, bis die Leute das glauben. Es gibt ihn auch noch in fleischrot. Ebenfalls genießbar."

Krautblatters Korb füllt sich zusehends. Und dann: eine ganze Kolonie von Pilzen. Unscheinbar, beige-brauner, fester Hut, in Büscheln gewachsen. "Das ist der Rasling oder auch Buchele genannt. Ein vorzüglicher Speisepilz. - Was für Familien. Ruckzuck ist das Mittagessen komplett." Genau wie beim Graublättrigen Schwefelkopf. Der wächst ebenso in Büscheln, oben gelb-grau, graue Lamellen. Wenn er jung ist, ist der Hut des Schwefelkopfs gelb, wie Schwefel eben. Doch: "Hier muss man aufpassen", sagt Krautblatter, "denn es gibt auch einen grünblättrigen". Der hat dann grüne Lamellen und ist giftig.

Der Weg führt weiter zum Hallimasch: "Dieser Pilz hat in den Jahren 1945/46 Tausenden von Menschen das Leben gerettet", ist der Pilzexperte überzeugt. Da stehen auch noch Steinpilz, Kuhröhrling, Sandröhrling, Marone, Birkenpilz, Täubling und andere. Rund 15 Speisepilze sind die Bilanz nach zwei Stunden. Da ist eines sicher: Der Tisch der Krautblatters ist heute gedeckt - mit frischen Pilzen.