Um Informationslücken zu schließen, den Gedankenaustausch zu fördern und Gerüchten entgegenzutreten, war das Anwesen Hauptstraße 7 erneut Gegenstand von Erörterungen im Gemeinderat. Erst wenige Tage zuvor wurde das Projekt den Bürgern an Ort und Stelle erläutert. Seitdem erhebt sich ein 1:1-Modell über dem Vorbau jenes Gebäudes, das einst als Schleckermarkt für Gundelsheim zum Anziehungspunkt geworden war.
Die Ortsmitte beleben, dazu soll es auch in Zukunft dienen. Gedacht ist an eine Nutzung als Café/Bistro, Hort, Großküche und für Wohnzwecke zugunsten sozial schwacher Familien oder anerkannte Flüchtlinge. Die Sanierung des Wohntraktes würde vom Staat mit bis zu 90 Prozent gefördert, die übrigen Maßnahmen würden aus der Städtebauförderung mit 60 Prozent bezuschusst, informierte Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD). Sein Ziel ist es, das Projekt mithilfe des Gemeindeblattes der Bevölkerung nahezubringen. "Salamitaktik" grantelte der CSU-Sprecher Christian Wolf.


Gespaltene Meinungen

Die Diskussion im Gemeinderat sowie der in der Sitzung wiedergegebenen Meinungen der Bevölkerung gehen weit auseinander. Während zum Beispiel Robert Martin (BG) in dem Vorhaben die "einmalige Chance" sieht, mit hoher staatlicher Förderung das Zentrum zu beleben, trat Christian Wolf auf die Bremse. Mit Blick auf die geplante Wohnnutzung durch sozial Benachteiligte forderte er, vorrangig den Schutz der Nachbarn sicherzustellen. Er sorgt sich, dass in die Wohnungen Mietparteien einziehen, die man dort nicht wolle. Statt ein neues Millionenprojekt anzupacken, sollte sich die Gemeinde besser auf die vorhandenen großen Aufgaben konzentrieren, empfahl Wolf. Gegebenenfalls sollten die Bürger entscheiden, ob die Hauptstraße 7 nach den neuesten Plänen saniert und genutzt werden soll. Merzbacher hält bei diesem Projekt nichts von einem Bürgerentscheid.


Strittige Fragen

Auseinander gehen die Meinungen auch darüber, ob die gastronomische Einheit im Eigenbetrieb der Gemeinde bewirtschaftet oder ob sie besser einem erfahrenen Gastronomen verpachtet werden soll. Für Christian Wolf stellte sich später sogar die Frage, ob Gundelsheim das Essen für die mittags betreuten Schulkinder nicht besser von der Hallstadter Schulmensa beziehen sollte. Dies auch unter den Eindruck der von Bürgermeister Thomas Söder geschilderten erheblichen Auflagen, die von einer Großküche erfüllt werden müssen.
Weitere strittige Fragen sind (schon jetzt) die späteren Öffnungszeiten eines Cafés oder Bistros, die Bewirtschaftung der - offenen oder überdachten - Terrasse im ersten Stock, die Verbauung der Südfassade des angrenzenden Wohngebäudes oder auch die spätere Amortisation. Eine Ansichtssache ist schließlich auch der finanzielle Aufwand: Während Bernhard Oppel (SPD) meinte, dass man das Projekt bei einer 90-prozentigen Bezuschussung "ganz einfach macht", gab Siegfried Neugebauer zu bedenken, dass es sich auch beim gemeindlichen Anteil von rund 200 000 Euro um Steuergelder handelt, die man nicht verschwenden dürfe. Und Fördergelder einfach nur zu verbauen, wäre gegenüber der Bevölkerung nicht zu rechtfertigen. Neugebauer forderte ein Betriebskonzept, um eine Entscheidung treffen zu können.
Eine finanzielle Dauerbelastung der Gemeinde will auch Bürgermeister Merzbacher vermeiden. Nun liegt es an ihm, überzeugende Argumente und Vorschläge nachzureichen. Im Leitenbach dürfte noch viel Wasser an der Hauptstraße 7 vorbeifließen, bis das Gebäude seiner neuen Zweckbestimmung zugeführt werden kann. Vielleicht wird es ebenso zu einem Vorzeigeprojekt wie das benachbarte Alte Rathaus. Dessen Sanierung war auch mal ein Pilotprojekt.