Manfred Wagner Welche Zustände herrschen in dieser Familie? Bei einer tätlichen Auseinandersetzung, die am Amtsgericht in Haßfurt verhandelt wurde, soll ein 33 Jahre alter Mann gegen den Vater (58) ein Fischmesser gezückt und den am Boden liegenden Hausherren gegen den Kopf getreten haben - angeblich nur aus Notwehr, weil der Senior seinerseits mit einer Aluminium-Wasserwaage auf den Sohn eingedroschen haben soll.

Da sich der Vater im Zeugenstand auf sein Zeugnisverweigerungsrecht als naher Verwandter berief und keine Aussage machte, ließ sich der genaue Tathergang nicht restlos aufklären. Deshalb stellte die Richterin den Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung mit einer 1500-Euro-Geldauflage ein.

Dass es zwischen Vater und Sohn Ärger und Verdruss gibt, kommt wohl in der besten Familie vor. Aber dass ein solcher Familienzwist zu einem strafrechtlichen Nachspiel führt, fällt aus dem Rahmen. Das Familiendrama spielte sich am 11. Oktober vergangenen Jahres kurz vor 9 Uhr früh in einem kleinen Dorf im Maintal ab. An diesem Donnerstag befand sich der ansonsten in Berlin lebende 33-Jährige in seinem Elternhaus.

Will man ihm Glauben schenken, so gingen die ganze Aggression und Feindseligkeit von seinem Vater aus. An dem besagten Tag, erzählte er, habe sein Vater im Hof sein Auto geputzt. Im Vorbeigehen habe er dem Familienoberhaupt gesagt, dass er auf Kuba Urlaub machen wolle. Daraufhin sei der Vater mit hochrotem Kopf ausgerastet: "Was willst du denn da?"

Eskalation in der Garage

Die Situation sei dann vollends in einer Garage eskaliert, so der Angeklagte. Sein Vater habe eine Wasserwaage hoch zum Schlag erhoben und er habe nach dem Erstbesten gegriffen, um ihn "auf Abstand zu halten", sagte der Sohn. Insgesamt fünf bis sechs Schläge mit dem Werkzeug will er trotzdem abgekriegt haben, schilderte der Angeklagte.

Dass da etwas dran sein kann, erwies sich bei der Verlesung des ärztlichen Untersuchungsberichts. Bei dem Angeschuldigten wurde unmittelbar nach dem Vorfall ein geschwollener und geröteter Unterarm dokumentiert. Der Vater als mutmaßliches Opfer wurde ebenfalls ärztlich behandelt. Die Mediziner stellten bei dem 58-jährigen Techniker ein Schädel-Hirn-Trauma mit Prellungen und Risswunden am Kopf fest. Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass der Patient in eine Klinik aufgenommen wurde.

Damals hatte der Vater die Polizei alarmiert. Er stellte eine Strafanzeige gegen seinen Sohn. Aufgrund des schwerwiegenden Vorfalls und weil ein scharfes Messer im Spiel war, musste der Angeklagte in Untersuchungshaft. Von der Richterin und dem Staatsanwalt auf die jetzige Familiensituation angesprochen, erklärte der 33-Jährige, dass ihn der Vater mehrmals in Berlin besucht habe und dass sich alle Beteiligten ausgesprochen hätten.

Verteidiger Alexander Wessel regte die Einstellung des Verfahrens an. Diesen Vorschlag befürwortete nach kurzer Bedenkzeit auch der Vertreter der Anklage. Insofern hatte der Angeklagte großes Glück, denn eine strafrechtliche Verurteilung wäre für ihn bei der Jobsuche ein großes Handicap gewesen. Die 1500 Euro Auflage muss er in sechs Monatsraten an die "Haßfurter Tafel" entrichten.