Der 500 Einwohner zählende Ortsteil Haig der Gemeinde Stockheim steht am Sonntag, 1. September, ganz im Zeichen eines Jubiläums: Vor 90 Jahren wurde das Gotteshaus St. Anna durch Weihbischof Adam Senger feierlich konsekriert. Ein finanzieller Kraftakt fand im Jahre 1929 in wirtschaftlich schwieriger Zeit damit ein glückliches Ende. Die Haiger - damals meistens als Bergarbeiter in den Steinkohlengruben und als Taglöhner bei den Bauern und im Forst beschäftigt - konnten stolz auf dieses Gemeinschaftswerk sein. Der Festgottesdienst ist am Sonntag, 1. September, ab 8.45 Uhr.

Das Kirchenjubiläum gibt Anlass, die geschichtliche Entwicklung des Haiger Gotteshauses zu skizzieren, die von großer Opferbereitschaft geprägt war wie sie in heutiger Zeit wohl kaum mehr denkbar ist. Als am 13. August 1916 im ehemaligen Gasthaus Förtsch die Kirchenstiftung Haig ins Leben gerufen wurde, erhielt der Kirchenbau nach schwieriger Vorlaufzeit neuen Auftrieb. Bis 1922 konnten immerhin 73 000 Reichsmark angespart werden.

Schwierige Standortfrage

Die Superinflation von 1923 machte den Haigern jedoch einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Nach der Geldentwertung hatte man noch 4053 Reichsmark zur Verfügung. Als problematisch erwies sich zunächst die Standortfrage. So sollte die Kirche ursprünglich auf dem Hasslacher Berg am Weg errichtet werden. Viele Bürger wollten das Bauwerk lieber beim Lindenkreuz oder beim Schloss haben. Der Kirchenbauverein konnte sich mit seiner Version nicht durchsetzen, sodass das Gotteshaus den jetzigen Standort erhielt.

Die neuen Pläne, die zur Ausführung gelangten, wurden für Gottes Lohn von dem Architekten Fritz Mayer aus Nürnberg erstellt und fanden Zustimmung. Er plante eine kühne, tonnenförmige Leimbinderkonstruktion. Die dazu benötigten Spezialbinder wurden nach seinen Anweisungen beim Sägewerk Detsch in Haig angefertigt.

Die Gemeindeangehörigen - 1927 zählte Haig 424 Einwohner - verpflichteten sich, alle Hand- und Spanndienste kostenlos zu leisten. Der Bauplatz sowie das Bauholz wurden von der Freiherrlich Cramer Klett'schen Gutsherrschaft aus Mitwitz zur Verfügung gestellt.

Allerdings fiel der Bau in eine wirtschaftlich ungünstige Zeit, denn der Stockheimer und Reitscher Steinkohlenbergbau - ein Großteil der Haiger Männer war in den Gruben beschäftigt - lag darnieder. Außerdem sorgte der Börsencrash an der Wallstreet in New York im Oktober 1929 weltweit für enorme Turbulenzen. Auch der Frankenwald litt stark darunter. Um so mehr sind der Wille und die Opferbereitschaft der Bevölkerung hervorzuheben, die trotz aller Schwierigkeiten den Kirchenbau meisterten.

Bereits Mitte Juni 1928 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Steine wurden beim Steinbruch am Hasenberg und Reitweg gebrochen. Die Mauersteine stammten aus der Ziegelei in Gundelsdorf. Und die Bauern mussten die Fuhren stellen.

Die Weihe am 28. Juli 1929 mit Weihbischof Senger wurde zum großen Ereignis für die tüchtigen Katholiken. Die Kirche war zum Zeitpunkt der Weihe allerdings noch recht armselig. Es waren noch keine Bänke vorhanden und der Turmbau begann erst 1931. Doch nach und nach schufen sich die Haiger ihr kirchliches Kleinod.

1969 erfolgte zum 40-jährigen Bestehen unter der Leitung von Diplom-Ingenieur Baptist Detsch eine umfassende Renovierung. Angefangen von Pfarrer Michael Hofmann mit seinen Kirchenräten über den örtlichen Bauleiter Baumeister Georg Detsch bis zu den unermüdlich tätigen Frauen und Männern der Gemeinde gaben alle ihr Bestes, um ihre Heimatkirche in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. So wurde der Innenraum nach den Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils vollkommen neu umgestaltet. Weitere wesentliche Verbesserungen traten 1976 ein. So konnte die Außengestaltung abgeschlossen und eine neue Orgel eingebaut werden. Ende 1980 ging ein großer Wunsch in Erfüllung: Domkapitular Georg Schley weihte im Beisein von Pfarrer Rudolf Scharf drei neuen Glocken.

Mit dem Anbau an die Sakristei konnte ein weiteres dringliches Projekt in der Kirchengemeinde verwirklicht werden. Im Rahmen des Anna-Festes erfolgte 2014 die Weihe durch Pater Waldemar. Auch in diesem Falle sei, so Kirchenpfleger Adelbert Förtsch, die Opferbereitschaft beachtlich gewesen.

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