Es schmatzt und blubbert bei jedem Schritt, wenn der Stiefel aus dem Moos gezogen wird. Für Frank Reißenweber ein schönes Geräusch. "Der Regen hat dem Moor wirklich gutgetan", sagt der Biologe und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land. Trotzdem macht er sich noch Sorgen um das Rottenbacher Moor, das für das Coburger Land und die weite Umgegend ein einmaliger Lebensraum ist. Die vergangenen Jahre mit großer Hitze und Dürre haben Spuren hinterlassen. Es muss etwas getan werden.

Bisher liegt die Niederschlagsmenge nach den Aufzeichnungen der Wetterstation Birkenmoor heuer mit 530,5 Millimetern nur 2,9 Prozent unter dem langjährigen Mittel des Vergleichszeitraums. Doch in den vergangenen Jahren konnten wegen der geringen Niederschlagsmengen Pflanzen auf dem Moor Fuß fassen, die ihm gefährlich werden können. "Überall hat sich der Faulbaum ausgebreitet, es kommen Kiefern und Birken", sagt er mit Blick auf die Fläche auf der nur Torfmoose, Wollgräser und Moosbeeren zu sehen sein sollten.

Das Rottenbacher Moor wurde in den 70er Jahren von Wissenschaftlern der Uni Stuttgart untersucht. Ihre Gutachten führten dazu, dass es zum Naturschutzgebiet erklärt wurde - es war das erste im Coburger Land. Heute wird Mooren hohe Bedeutung im Klimaschutz zugeschrieben. Obwohl sie nur noch etwa drei Prozent der Landoberfläche der Erde bedecken, ist in ihnen laut Bundesamt für Naturschutz etwa ein Drittel des terrestrischen CO2 gespeichert. Das ist etwa doppelt so viel wie in allen Wäldern weltweit.

Das erklärt, warum auch ein vergleichsweise kleines Moor wie das bei Rottenbach mit insgesamt rund 8,2 Hektar Fläche nicht unterschätzt werden sollte. "Wenn die obere Moosschicht austrocknet, dann kann Sauerstoff eindringen und zu einem Zersetzungsprozess führen, bei dem CO2 freigesetzt wird", erklärt Frank Reißenweber. Und Schlimmeres. Das Bundesamt für Naturschutz erwähnt auch Lachgas, dessen klimaschädliche Wirkung als fast 300 Mal so hoch eingeschätzt wird, wie die von CO2 .

Größere als das Rottenbacher Moor gibt es erst wieder in der Rhön und im Fichtelgebirge. Es wäre ein großer Verlust für die Vielfalt der Lebensräume in der Region, wenn es zerstört würde. "Das Naturschutzgroßprojekt das Grüne Band gibt uns die Möglichkeit, etwas zu tun", sagt Frank Reißenweber. Es gilt dafür zu sorgen, dass der Wasserspiegel im Moor nicht sinkt oder sogar noch steigt. Dazu sollen Gräben, die in den 80er Jahren von den Grenztruppen der DDR gezogen wurden und zusammen mit eingebauten Rohren die Fläche entwässern sollten, verfüllt werden. "Das sollte maschinell geschehen, weil nicht sicher ist, dass alle Minen geräumt werden konnten", sagt Frank Reißenweber.

Das Rottenbacher Moor wurde dann doch nicht trockengelegt. Es wurde zum Politikum. "Das war Thema zwischen Bonn und Berlin, ehe erreicht werden konnte, dass die Arbeiten eingestellt wurden", sagt Frank Reißenweber. Er hofft, dass im kommenden Jahr für einen besseren Rückstau des Moorwassers gesorgt werden kann - und er hofft auf Frost. "Wenn es ein Phase mit länger anhaltendem starken Frost gibt, würde es leichter, die Bäume zu entfernen", erklärt er. Alle Hilfe kann aber den wichtigsten Faktor nicht ersetzen: Wasser. "Wenn immer wieder extrem heiße und trockene Jahre kommen, dann kann das das Moor auf Dauer nicht verkraften."

Doch das ist kein Grund, nicht alles zu versuchen, um das Moor zu retten - und neuen bei der Entstehung zu helfen. Das geschieht etwa zwei Kilometer Luftlinie entfernt am Görsdorfer Waschweiher. "Hier wurde der Abfluss verschlossen. Jetzt staut sich das Wasser in die Fläche", sagt Frank Reißenweber. Der Teich, in dem wohl früher wirklich Wäsche gewaschen wurde, ist weitgehend verlandet. Die weißen "Wattebäusche" der Wollgräser nach der Blüte zeigen ebenso wie erste Flächen von Torfmoosen an, dass hier mit menschlicher Hilfe der Weg zur Bildung eines neuen Moores begonnen hat. Doch wirklich retten kann diese wertvollen Gebiete am Ende nur der Regen, von dem sie leben. Und wie viel es davon in Zukunft geben wird, lässt sich nur beobachten.