Viele, die eine einigermaßen vernünftige Spiegelreflexkamera besitzen, meinen fotografieren zu können. In der Tat, die heutige Kameragenerationen schaffen im Automatikmodus gute Fotos. Etwas schwieriger wird es, wenn der Fotograf mit Blende und Zeit arbeitet, um zum Beispiel Bilder mit verschwommenem Vorder- oder Hintergrund zu erreichen, bestimmte Merkmale besonders herausarbeiten möchte.
Richtig anspruchsvoll wird es dann, wenn man sich einer besonderen Fotografie verschworen hat, wie zum Beispiel der Astro- oder Himmelsfotografie. Diese betreibt Daniel Weihrauch aus Rentweinsdorf, der auch im Foto-Creativ-Kreis in Ebern Mitglied ist. Dort, wie auch beim Wettbewerb "Glanzlichter" und DVF-Photocup-Filderstadt hat er mit seinen Bildern Erfolge erzielt.
Eines wird schnell klar, wenn man mit Weihrauch spricht. Neben Fachwissen der Fotografie sind auch Kenntnisse der Astronomie nötig, um das, was man mit dem Teleskop einfangen möchte, in der Weite des Weltalls entdecken zu können. Der 38-Jährige ist von Beruf Systemadministrator bei einer Firma im Landkreis Haßberge.


Verlobte gab den Anstoß

"Na ja, 25 Jahre könnten es sein, als ich mit dem Fotografieren begonnen habe", sagt der Spezialfotograf. Er lacht und sagt, dass er noch die Rollfilme kenne und er schon immer gerne alles auf Filme gebannt hat, was ihn interessierte.
Wie kam er dazu, sich die Astrofotografie zum Hobby zu machen? Er überlegt kurz, grinst und sagt: "Wenn ich so darüber nachdenke, ist eigentlich meine Verlobte schuld. Sie erinnerte sich, dass irgendwo im Haus ein Teleskop rumliegen müsste." Das war wohl die "Geburtsstunde" seines Hobbys zur Astrofotografie. "Ich habe dann sehr schnell gemerkt, dass das ein größeres Unternehmen wird, ich musste mich mit dem Kosmos, Planeten, Sternenbildern und Galaxien beschäftigen, eben mit der Astronomie", sagt der Fotograf.


Spezielle Ausstattung

Um Einblicke in den Kosmos zu erlangen, war eine Spezialausrüstung erforderlich. "Ganz wichtig ist neben einer guten Kamera ohne Infrarotfilter und leistungsstarken Teleskopen mit farbreiner Optik eine stabile Teleskopmontierung. Da darf nichts wackeln." Ein Laptop und eine Computersoftware, die "nachführt", sind unerlässlich. "Nachführen"? "Das bedeutet, dass die Software automatisch das Teleskop mit der Kamera den sich bewegenden Objekten im Weltall anpasst", erläutert Daniel Weihrauch. Zuerst müsse jedoch alles eingestellt und kalibriert sein. "So um die 6000 Euro muss man im Minimum aufwenden, um Astrofotografie betreiben zu können", sagt Weihrauch. "Ach ja, eine starke Autobatterie ist auch nötig, weil man viel Strom braucht." Mit einem Schmunzeln sagt er: "Einmal habe ich meine Ausrüstung an die Batterie meines Autos angeschlossen, was zur Folge hatte, dass ich nach vielen Stunden in der Kälte mein Auto nicht mehr starten konnte."
Im guten Fachhandel stehen heute moderne und preiswerte Hilfsmittel und Geräte zur Verfügung, die Aufnahmen von der Mondoberfläche, den Planeten und einer Vielzahl an sogenannten "Deep-Sky-Objekten" wie Doppel- und Mehrfachsterne, Sternhaufen, Gasnebeln, planetarischen Nebeln, Galaxien, Quasaren und dergleichen in einer Qualität möglich machen, die vor wenigen Jahrzehnten nur in großen Observatorien denkbar war, erläutert der Fachmann. Daniel Weihrauchs Hauptteleskop ist ein "Apo-Refraktor" von Skywatcher mit 120 Millimeter Durchmesser und einer Brennweite von 900 Millimetern.


Deep-Sky-Fotografie

Mit der Deep-Sky-Fotografie werde die Astrofotografie erst richtig anspruchsvoll, denn hier würden Dinge sichtbar, die beim Blick durch das Okular oft nur als unscheinbares Nebelchen wahrgenommen werden oder völlig unsichtbar bleiben. Die Astrofotografie ist in Deutschland nicht so das ideale Hobby, sagt er. Dies deshalb, weil man einen absolut dunklen Himmel braucht und abseits der Zivilisation sein müsse. Das Mondlicht überstrahle alles und alle sonstigen Lichtquellen erschweren die Astrofotografie enorm.
"In Deutschland gibt es eigentlich nur drei Nächte pro Jahr, wo man mit einem perfekten Wetter für dieses Hobby rechnen kann", so der Rentweinsdorfer. Im Sommer sei das Problem, dass es nie so richtig dunkel wird, im Herbst trüben oft Nebel die Freude an Himmelsfotografie und eigentlich nur im Winter, wenn es sehr kalt ist, sind die Voraussetzungen gut. "Man muss sich schon genau informieren, wann die ideale Zeit ist." Wenn man weiß, dass der Auf- und Abbau seiner Ausrüstung jeweils eine Stunde dauert, müsse man mit sechs Stunden rechnen, um mehrere Bilder zu bekommen, die man dann zu einem brauchbaren zusammenfasst. "Die Nachbearbeitung dauert, je nach Motiv, auch noch zwischen ein und sechs Stunden." Daniel Weihrauch erzählt von seiner "härtesten Nacht" in freier Flur. "Da war ich bei minus elf Grad von 20 Uhr bis früh um 6 Uhr draußen. Danach war ich fast erfroren und total fertig."