Wirklich beeindruckt wirkte der 20-jährige Angeklagte aus Bad Staffelstein während seiner eigenen Verhandlung nicht.

"Wollen wir uns unterhalten?", fragte ihn Richter Matthias Huber und erhielt keine wirkliche Antwort. Es ging um den 13. Juli 2020, als der junge Mann am Bahnhof in Bamberg zwei Joints mit sich führte. Um 19.45 Uhr flog das auf, denn er geriet in eine Polizeikontrolle. Das Ergebnis all dessen war die Erkenntnis, dass seine Joints ausreichend viel THC (Tetrahydrocannabinol) enthielten, um als "nicht geringe Menge" zu gelten und absolut justiziabel zu sein.

Die Anklage wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz folgte und sie wurde vertreten von Staatsanwalt Alexander Brandt. Ihn und Richter Huber interessierten die Beweggründe des jungen Mannes. "Hab' ab und zu Depressionen und rauche ab und zu", so dessen kurze Einlassung dazu.

"Soll das so weitergehen?", suchte Huber kurz zu ergründen. "Eigentlich nicht", so die noch kürzere Antwort hierauf. Dann kamen im Rahmen der Beweisaufnahme Akten der Jugendgerichtshilfe zur Wort und die sprachen hintergründig auch von dem Daheim des Angeklagten. Die Atmosphäre dort ähnele eher der in einer WG und sei nicht von mehr Bindung getragen. Zudem habe der Staffelsteiner, der Azubi im Kfz-Wesen ist, wegen einer früheren Verurteilung allmonatlich 95 Euro aufzubringen.

Tatsächlich verfügt der junge Mann diesbezüglich über ein Vorleben und das spricht von Verurteilungen wegen Diebstahls, aber auch von einem einmaligen Besitz einer verbotenen Waffe. "Jetzt müssen Sie mir vermitteln, wie es weitergehen soll - irgendwas Positives müssen Sie mir schon vermitteln", forderte Richter Huber von dem schräg vor ihm sitzenden Mann und fügte eine Vermutung an: "Irgendwie belastet Sie das Verfahren nicht so?" Die Antwort des Gefragten bestand in einem langgezogenen und eher beiläufig klingenden "Näääh".

Für Staatsanwalt Brandt war klar, dass man es hier mit jemandem zu tun habe, für den das Jugendstrafrecht zuständig sei, weil er noch nicht über die Reife eines Erwachsenen verfüge. "Er hat sein Unrecht nicht eingesehen und konsumiert weiterhin", bilanzierte Brandt und forderte die Verhängung einer Geldauflage in Höhe von 1000 Euro, nebst zwei Freizeitarresten. "Sie landen im Gefängnis, wenn es mit Betäubungsmitteln so weitergeht", gab Brandt dem Jugendlichen mit auf den Weg. Dessen Reaktion: "Na ja, wäre nicht so cool." Ganz so harsch wie Brandt es forderte, sollte das Urteil nicht ausfallen. Es bestand in einer sechsmonatigen Teilnahme an einem Projekt zur suchtfreien Lebensführung sowie einer Geldauflage in Höhe von 600 Euro. Der Kommentar des Verurteilten an dieser Stelle: "Ja, passt schon." MH