Ein Vorfall, der aus Eifersucht geboren wurde, kam am Donnerstagvormittag im Amtsgericht zur Verhandlung. Neben einer Körperverletzung, die ein 21-jähriger Lichtenfelser seiner Freundin zufügte, war auch die Rede davon, dass er ihr sowohl Handy als auch Autoschlüssel abgenommen habe und sie zudem zeitweise ihrer Freiheit beraubte. Nötigung also.
Die Verhandlung sollte nicht ganz einfach zu führen sein, immerhin hatte Richter Stefan Jäger von der 20-jährigen Freundin des Beschuldigten eine Aussage abzuverlangen, obwohl sich die mit ihrem Freund wieder versöhnt hatte. Was allerdings bleiben sollte, war die Frage, ob der Vorfall im August 2017 wirklich restlos aufgeklärt wurde. Vieles blieb dunkel, auch weil der Streit zwischen dem Mann und der Frau "intern in der Familie" geklärt worden sei, wie das Paar mehrfach erklärte.
Den groben Sachverhalt aber räumten sowohl der 21-jährige kaufmännische Auszubildende als auch seine Freundin ein. Der Mann soll laut Staatsanwältin Tatjana Winterholer seine Freundin gepackt und ihr Gesicht nach unten gedrückt haben. Dann wollte er von ihr wissen, mit wem sie auf eine Party zu gehen beabsichtige. 20 Minuten später, so Winterholer, habe er der Frau zudem den Hals zugedrückt.


Bluterguss da - Handy weg

Was der Frau blieb, waren Schmerzen und ein Bluterguss. Was ihr fehlte, waren ihr Handy und ihre Autoschlüssel. Die nahm der Beschuldigte aus Eifersucht an sich. Eben das räumte der ruhig auftretende junge Mann auch ein. Doch nach dem Verbleib des Handys und des Autoschlüssels befragt, hielt er sich bedeckt. Seine Freundin habe "den Gegenwert der Gegenstände erhalten".
Von Interesse für das Gericht war auch die Antwort auf die Frage, ob es schon häufiger zu derlei Vorfällen gekommen sei und wie es um die damals acht Monate währende Beziehung überhaupt bestellt war. Dass es jeden Tag zu Streitigkeiten gekommen sei, räumte der bislang noch nicht weiter mit dem Gesetz in Konflikt geratene Angeklagte ebenfalls ein, legte aber Wert auf die Feststellung, dass man sich gegenseitig "mit Gewalt entgegengekommen" sei. "Mal hat sie mich gekratzt, mal habe ich sie gekratzt."
Dramatisch hörte sich die Zeugenaussage eines Polizisten an, der in jener Nacht auf die Frau stieß. "Sie hat einen verwirrten Eindruck gemacht und sich dahingehend geäußert, in der Küche eingesperrt worden zu sein. Das Handy und die Schlüssel seien ihr abgenommen worden, das Handy ist kontrolliert worden." Mehr noch: "Als sie aus dem Fenster raus wollte, sei sie zurückgerissen worden", führte der Beamte weiter aus.
Mit Spannung wurde somit der Zeugenauftritt der Frau erwartet. Würde die 20-Jährige belastend gegen ihren Freund auftreten? Eben das tat die Frau nicht. Zwar bestätigte sie dem Gericht die Anklagepunkte, verwies aber immer wieder darauf, dass sie die Anzeige selbst zurückgenommen habe und dass sie ihrem Freund auch verziehen habe, da er "Reue gezeigt und sich auch entschuldigt hat".
Letztlich sollte das Verfahren eingestellt werden. Wenngleich auch gegen eine Geldauflage. 500 Euro wird der Azubi für sein Vergehen bezahlen. Zudem hatte er das Versprechen zu leisten, dass derlei nicht noch einmal vorkommt. Schließlich sei er nun vorgemerkt und der Bonus habe sich verwirkt. An diesem Punkt zeigte sich der Mann einsichtig. Schon während der Verhandlung erklärte er auf die Frage, ob er aus dem Vorfall etwas gelernt habe: "Beim nächsten Mal die Freundin besser aus dem Haus schicken."