Marion Krüger-Hundrup

Schon am frühen Dienstagmorgen hat sich die Mittsiebzigerin auf den Weg in die St.-Heinrichs-Kirche gemacht. Gezielt steuert sie die hell erleuchtete Nische im Gotteshaus an. Hier hat das rührige Sternsingerteam der Pfarrei einen fantasiereichen Infostand errichtet zur "Aktion Dreikönigssingen", die sonst rund um den Feiertag Heilige Drei Könige am 6. Januar läuft. Doch in diesem Corona-Jahr ist alles anders: Die Sternsinger ziehen nicht von Haus zu Haus. Trotzdem erweisen sie sich als Segen und Segensbringer: Dankbar greift die ältere Frau zu dem Segensaufkleber mit dem Wunsch "20*C+M+B+21", Christus segne dieses Haus 2021. "Das kommt an meine Wohnungstür!", sagt sie und sprudelt weiter: "Unsere Jugendlichen sind großartig!" Nämlich die jungen Leute, die Segenstüten mit Weihrauch, Kohle, Segensaufkleber, Spendentütchen nach Anmeldung auch an die Haustüren bringen. "Mit einer so großen und überwältigenden Nachfrage haben wir nicht gerechnet", meldet das Sternsingerteam zurück.

Segenspost von den Sternsingern bekommen auch die Stadtbewohner, die sich in den Pfarreien des Seelsorgebereichs Bamberger Westen entweder online auf der Homepage oder per schriftlich ausgefülltem Formular angemeldet hatten. Entsprechende Zettelboxen waren in den Kirchen deponiert. "Wir sind sehr zufrieden mit dieser Aktion", resümiert etwa Christian Schneider, Pastoralreferent in der Oberen Pfarre (70 Anmeldungen), in Bug (25) und St. Urban (78). Auch Pastoralreferent Sebastian König aus St. Martin /St. Josef-Hain und St. Josef-Gaustadt freut sich über stolze 203 fristgerechte Anmeldungen.

Jetzt werden Ministranten, die sonst als Caspar, Melchior oder Balthasar ohnehin bei Wind und Wetter unterwegs gewesen wären, in diesen Tagen die Briefkästen füllen. Das ist sogar himmlische Post, denn Leitender Pfarrer Matthias Bambynek hatte in der Abendmesse am vergangenen Sonntag in St. Martin über den Stapel Segensaufkleber Gottes Segen herabgerufen und eifrig Weihwasser eingesetzt.

Ukraine ist Beispielland

Einen außergewöhnlichen Weg gehen ebenfalls die Sternsinger von St. Otto. Sie haben ganze Sternsinger-Segenspakete gepackt, die zum Mitnehmen in der Kirche bereitliegen.

Das Beispielland der 63. Aktion Dreikönigssingen, die vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und dem BDKJ getragen wird, ist die Ukraine. Dort sind viele Kinder lange von Vater, Mutter oder beiden getrennt, weil diese im Ausland arbeiten. Armut, mangelnde Verdienstmöglichkeiten und niedrige Löhne sind Hauptgründe der Arbeitsmigration. Die längere Abwesenheit der Eltern schadet den Kindern emotional und sozial. Sie fühlen sich verlassen und vernachlässigt, haben häufig Probleme in der Schule und greifen in der Pubertät eher zu Alkohol und Drogen.

Die Caritas in der Ukraine ist Projektpartner des Kindermissionswerkes. In elf Tageszentren im ganzen Land bietet die Caritas den Kindern zum Beispiel psychologische Betreuung und Seelsorge, Hausaufgabenhilfe und Freizeitangebote.

Doch die Spenden fließen nicht nur in das Beispielland Ukraine. Kinder in rund 100 Ländern der Welt werden in Projekten betreut, seien es Straßen- oder Flüchtlingskinder, Mädchen und Jungend, die nicht zur Schule gehen können oder denen Wasser und Nahrung fehlen.