JOsef Hofbauer Neun Parteien und Wählergruppierungen sind künftig im 20-köpfigen Stadtrat Ebermannstadt vertreten; so viele wie noch nie. Neu in dem Gremium sind die Mitglieder der Listenkombination aus FDP und Bürgerforum Ebermannstadt (BFE), die auf Anhieb drei Mandatsträger stellen. Der bekannteste ist wohl Altbürgermeister Franz Josef Kraus, der nach sechs Jahren Pause in das Ratsgremium zurückkehrt.

Mit ihm ziehen der ehemalige stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Thomas Dorscht, mittlerweile der "Kopf" des Bürgerforums, und Antje Müller, die 2014 bereits als Bürgermeister-Kandidatin gehandelt wurde, in den Stadtrat ein. Allerdings trat Müller, die inzwischen das Parteibuch gewechselt hat, diesmal für die FDP in den Ring.

"Es hat sich rentiert" , bilanziert Thomas Dorscht (BFE) das Resultat des Wahlkampfes. Das Ergebnis ihrer Spitzenkandidatin Antje Müller, die auf 32 Prozent der Stimmen kam und ihre besten Ergebnisse im "Oberland" um Moggast, Kanndorf sowie Burg- und Windischgaillenreuth erzielte, nennt Dorscht "sehr respektabel". Immerhin habe sie an der Spitze einer völlig neuen Gruppierung die amtierende Bürgermeisterin herausgefordert.

Ergebnis geht in Ordnung

So gingen auch die drei Sitze im Stadtrat von FDP/BFE "völlig in Ordnung". Immerhin hat das neue Bündnis von der Zahl der Mandatsträger bereits mit der CSU gleich gezogen. "Wir befinden uns in einer Umbruchphase", räumt Dritter Bürgermeister Rainer Schmeußer (CSU) ein, der nach Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) die meisten Simmen auf sich vereinen konnte. Die Tatsache, dass die CSU einen Sitz verloren hat, findet er nicht überraschend. Immerhin spreche auch die Gruppierung FDP/BFE das konservative Wählerklientel an. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass die CSU ohne Bürgermeister-Kandidaten angetreten sei, eine Tatsache, die sich naturgemäß in fehlenden Wählerstimmen niederschlage.

Ob die Arbeit im Stadtrat deshalb schwieriger werde, lasse sich gegenwärtig noch nicht sagen. "Die Neuen müssen ankommen, das Team muss sich finden", urteilt Schmeußer, der in der neuen Konstellation den Wählerauftrag sieht, aufeinander zuzugehen, Kompromisse zu finden. Eine Blockadepolitik einander neutralisierender Kräfte dürfe es nicht geben, findet Schmeußer.

Weiter Ringen um Lösungen

Dabei erhält er die ungeteilte Zustimmung von Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE), die in den 27,43 Prozent Wählerstimmen für die NLE eine Bestätigung ihrer bisherigen Arbeit sieht. So bleibt die NLE, die zwei Prozent dazu gewonnen hat, die stärkste Kraft im Ebermannstadter Rathaus.

"Ich werde den eingeschlagenen Weg konsequent weiter gehen und versuchen, die Stadtratsmitglieder von der Bedeutung der jeweiligen Themen zu überzeugen", verspricht Meyer. Wie bisher müssten Sachthemen im Mittelpunkt des politischen Handeln stehen.

Die noch größere Vielfalt der Meinungen im künftigen Stadtratsgremium wertet Meyer als Sieg der Demokratie. Das Ringen um tragfähige Lösungen werde möglicherweise noch ein wenig härter, dennoch zeigt sich Meyer zuversichtlich. Erst einmal müsse sich der neue Stadtrat finden. Es gelte, die neuen Mitglieder des Gremiums zu integrieren.

Dritter Bürgermeister Sebastian Götz (WG Mühlbachtal), gibt sich mit seinem persönlichen Wahlergebnis zufrieden. "Es war klar, dass ich diesmal nicht so viele Stimmen haben würde, wie als Bürgermeister-Kandidat 2014." Schade findet er, dass seine Wählergruppe "in letzter Minute" noch einen Sitz im Stadtrat verloren hat. Andererseits sei klar gewesen: "Wenn sich eine weitere konservative Gruppierung den Wählern stellt, geht dies zu Lasten der konservativen Kräfte. Einer muss Federn lassen." Altbürgermeister Franz-Josef Kraus, Ehrenmitglied der CSU Ebermannstadt, der nun für die Liste FDP/BFE im Stadtrat sitzen wird, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.