Der Coburger Wochenmarkt liegt Stadtrat Alper Hasirci (parteilos) am Herzen. Nicht zuletzt, weil seine Eltern dort seit 1992 einen Stand betreiben. Nach Hasircis Meinung - und auch nach der seiner Mitunterzeichner Klaus Klumpers' (ÖDP), René Hähnlein (Die Linke) und Thomas Apfel (WPC), gehören die Standbetreiber auf dem Coburger Wochenmarkt zu den Verlierern in der Corona-Krise.

Die Pandemie habe in vielen Teilen der Wirtschaft zu enormen Umsatzeinbußen geführt. Gerade kleine Betriebe seien in ihrer Existenz besonders gefährdet und dementsprechend schutzbedürftig, wie die Antragsteller in ihrer Begründung schrieben. Zwar seien die Markthändler in Coburg von den "Betriebsuntersagungen" des Staatsministeriums nur teilweise betroffen gewesen, aber das Fernbleiben der Kunden habe zu enormen Verlusten geführt. Gerade Blumen- und Pflanzenhändler sowie Lebensmittelhändler hätten nicht verkaufte Waren entsorgen müssen.

Mit gleich sechs Anträgen hofften Hasirci und seine Mitstreiter, den Marktleuten wenigstens ein bisschen helfen zu können. So sollte der Stadtrat die Hälfte der Jahres-Marktgebühren erlassen, außerdem sollte ein Bestands- und Marketingkonzept für die Coburger Märkte entwickelt werden - unter Beteiligung des Citymanagements. Antrag drei, vier, fünf und sechs befassten sich mit dem Parken rund um den Wochenmarkt: Kurzzeitparkplätze für maximal 30 Minuten in der näheren Umgebung des Marktplatzes, eventuell in der Ketschengasse; Parkplätze für die Standbetreiber, die näher am Marktplatz liegen; eine "unentgeltliche Parkstunde" für Besucher der Coburger Märkte während der Marktzeiten von 7 bis 14 Uhr; eine unentgeltliche Parkstunde in den Coburger Parkhäusern, begrenzt auf 2020; und - alternativ dazu - eine unentgeltliche Fahrt mit dem Stadtbus in die Innenstadt, ebenfalls begrenzt auf 2020.

All das wünschten sich die Antragsteller, um die innerstädtischen Gewerbebetriebe während der Corona-Krise zu unterstützen. Doch die Mehrheit der Stadträte wollte diesen Wünschen nicht folgen. Am Ende wurden fünf Anträge abgelehnt, einen zog Hasirci nach einigen Erläuterungen von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) zurück (die Umstrukturierung des Citymanagement ist schon im Gange), nur ein einziger Antragsteil - die unentgeltliche Busfahrt - ging am Ende in den Geschäftsgang.

Amend: "Alle gleich behandeln"

Während die Antragsteller durchaus einzelne Fürsprecher wie Gerhard Amend fanden, der anmerkte, dass zum Beispiel Kaufleuten und Gastronomen die Gebühren für Werbeanlagen erlassen wurden und man die Marktleute doch bitte gleich behandeln solle, fanden andere, wie Hans-Herbert Hartan (CSU), dass die Marktleute nicht zu den Verlierern gehörten. "Der Markt war nur zwei Wochenenden geschlossen", zudem seien die Marktgebühren in Coburg "extrem niedrig", verglichen mit anderen Kommunen.

Auch bei den Anträgen, die aufs Parken abzielten, gab es Widerstand. Die Standbetreiber dürften in der Unteren Anlage parken, erklärte OB Sauerteig, näher sei kaum möglich. "Zu Auto-fixiert", fand Wolfgang Weiß (Grüne) die Anträge. Es erhöhe doch nicht die Attraktivität des Wochenmarktes, wenn man möglichst nah heranfahren könne. Und Melanie Becker (Grüne) argumentierte, dass das Parkhaus Mauer doch direkt um die Ecke sei.

Hasirci zeigte sich "verdutzt" über die Reaktionen. "Wir verbieten seit Jahren den Verkehr in der Innenstadt. Wie soll denn die Zukunft des Wochenmarktes aussehen, wenn wir kein Konzept erstellen, wie das laufen soll?" Daran werde doch schon gearbeitet, sagte OB Sauerteig. "Es wird ein Konzept geben, wie die Zukunft des Wochenmarktes aussehen soll. Ich glaube aber nicht, dass wir den Wochenmarkt attraktiv machen, weil das Parken umsonst ist."