Michael Busch

Im Wartezimmer wird heftig diskutiert. "Mein Hasi hat ein riesen Loch im Bauch!" Eine weitere Ansage kommt sofort: "Das Loch von Kriechi ist viel größer!" Irgendwie wie bei Erwachsenen im Wartezimmer. Hier geht es aber um einen Stoffhasen und eine Schildkröte, deren Panzer aus glänzenden Plastikpailetten besteht.
Die fürsorgenden Besitzer der Stofftiere schauen bei den Schilderungen in der Wartezone eben so ernst, wie dann auch in den Behandlungszimmern. Und die rund 300 Medizinstudenten, die sich drei Tage lang um die schwersten Erkrankungen der Stofftiere kümmern, können sich oft nur das Grinsen schwer verkneifen.
Im Erlanger Schlossgarten hat das Teddykrankenhaus seine Pforten geöffnet.Diese sehr spezielle Klinik ist eine Aktion der Erlanger Medizinstudenten der Friedrich-Alexander-Universität. Es gibt zwei Ziele erklären die Studenten. "Kleine Kinder sollen kennenlernen, wie es im Krankenhaus zugeht. Uns als Ärzte kennenlernen. Das aber nicht als Patient, sondern als fürsorglicher Stofftierpapa oder besorgte Kuscheltiermama."
Aber auch die Studenten profitieren von der dreitägigen Veranstaltung. Sie können den Dialog mit den Patienten üben, die dann in der Realität oft zu den schwierigsten Patienten gehören: den Kindern.
Julian Berges, angehender Arzt sagt: "Viele Ärzte geraten tatsächlich in Panik, wenn der Patient ein Kind ist." Und es ist tatsächlich nicht einfach. Vor allem die Diagnose zu erstellen, ist kein einfaches Unterfangen. Der vierjährige Marian berichtet zum Beispiel von starkem Herzklopfen bei seinem Teddy. "Der muss dann auch immer weinen." MRT und CT bringen keinen organischen Befund, doch eine junge Studentin, die sich sehr innig dem Jungen widmet, bringt dann ans Tageslicht, was auch in dieser Situation so manchem Beobachter die Sprache verschlägt. Denn die Lösung lag alles andere als auf der Hand. Marians Eltern haben sich vor einigen Monaten getrennt, daher hat der Bär - und sicher nicht nur der - Herzschmerzen.


Keine Angst vor Geräten

Dafür sorgen andere Begegnungen für spontane Lacher. Die Schlange Kaa hat zum Beispiel eine diagnostizierte Spinatallergie. Schwer behandelbar, manchmal sogar tödlich, wie die fünfjährige Lisa weiß. Sie hat aber auch gleich einen Vorschlag: "Ein Spinatverbot, auch für mich, weil es könnte ja ansteckend sein, würde Kaa retten."
Mithilfe des Arztbesuchs werden den jungen Besucher aber nicht nur die Ärzte vorgestellt. Die Kinder sollen die üblichen, aber auf den ersten Blick etwas außergewöhnlicheren Untersuchungsmethoden, wie Röntgen oder die Ultraschalluntersuchung, kennenlernen.
Um das Krankenhaus auch tatsächlich auch als Krankenhaus aussehen zu lassen, haben die Studenten an alles gedacht. Eine regelrechte Zeltstadt ist im Schlosspark entstanden. Vom Aufnahmeblatt, über die unterschiedlichen medizinischen Richtungen - selbst ein Zahnarzt ist dabei -, bis hin zum Rezept, das gleich in der Apotheke eingelöst werden kann, fehlt nichts.


Gummibärchen auf Rezept

In der Apotheke gibt es dann Gummibärchen und Co. als probates Mittel gegen die vielen Krankheiten der Stofftiere. Dass diese natürlich im Magen der Besitzer landen ist nicht wirklich überraschend, denn die meisten Stofftiere haben kurz nach der Operation oder der Behandlung so etwas wie eine Spontanheilung.
Die Studenten haben sich bereits im Vorfeld getroffen und sich als "Teddy-Docs" ausbilden lassen. Fast nebenbei gibt es in manchen Zelten kindgerechte Vorträge über das richtige Zähneputzen, aber auch welche Organe es gibt, und wo diese im Körper liegen. Im Übrigen ein Ort, bei dem auch die Betreuer der Kinder oft die Augenbrauen heben und überrascht sind, wenn sie erfahren, wie es im eigenen Innersten tatsächlich aussieht. Drei Tage lang werden rund 2000 Patienten - Verzeihung - Stofftiere behandelt.