Im vergangenen Jahr sind in Kulmbach 62 neue Solaranlagen installiert worden: Dabei handelt es sich sowohl um reine Photovoltaikanlagen, mit denen Strom aus Sonnenenergie erzeugt wird, als auch um Solarthermie-Anlagen, mit denen Wärme produziert werden kann. Diese 62 Anlagen entsprechen einem Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist im Anlagenregister der Bundesnetzagentur ersichtlich. Damit schafft Kulmbach zwar nicht ganz die durchschnittliche Zuwachsrate, die im vergangenen Jahr bei 6,4 Prozent lag. Doch die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Ingrid Flieger, ist mehr als zufrieden: "Landkreisweit erzeugen wir schon 70 Prozent des Haushaltsstromes mit Photovoltaik und immerhin 36 Prozent des Gesamtstromverbrauches", sagt Flieger.

"Rundum-Sorglos-Paket" startet bald

Persönlich ging die Klimaschutzmanagerin privat schon vor zwei Jahren mit gutem Beispiel voran und hat auf ihrem Privathaus eine Photovoltaikanlage installiert. "Ich wollte das unbedingt - eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Das war mir genauso wichtig wie ein Elektroauto. Seit 13. Juni 2018 ist die Flieger'sche Anlage am Netz, die Jahresproduktion beträgt 6072 Kilowattstunden. "Wir sparen jedes Jahr 4,3 Tonnen CO2 ein", erklärt Flieger. Über eine App analysiert die Klimaschutzmanagerin ihren Verbrauch. "Ziel ist es immer, möglichst viel Energie gleich abzunehmen, wenn die Sonne scheint." Das bedeutet: Im Hause der Familie wird seitdem mittags gewaschen.

Tatsächlich nimmt die Anzahl der realisierten Photovoltaikanlagen von Jahr zu Jahr zu. 2018 wurden in der Stadt Kulmbach 25 solcher Anlagen realisiert, 2019 waren es 41. "Wir haben das Solaranlagenkataster, da kann man sich einen Überblick verschaffen, ob die eigene Immobilie überhaupt geeignet ist", sagt Flieger und hofft natürlich auf viele weitere Interessenten. Aktuell schnürt die Klimaschutzmanagerin gemeinsam mit den Stadtwerken Kulmbach, mit dem Landratsamt, mit der Energie-Agentur sowie mit der Sanitär-Heizungs-Innung und der Elektro-Innung ein "Rundum-Sorglos-Paket". Nach Ostern soll es an den Start gehen. Und mit diesem Paket soll die Realisierung einer Photovoltaikanlage noch einfacher sein.

Auch die Energie-Agentur Nordbayern bestätigt den Aufwärtstrend für Solarenergie. "Leute, die sich interessieren, können von uns eine Beratung bekommen. Zurzeit machen wir das natürlich telefonisch", sagt Jürgen Ramming von der Energie-Agentur und weist auch auf Förderprogramme und das Kreditprogramm der KfW hin. "Ich selbst habe zwei Photovoltaikanlagen auf meinem Dach - die habe ich 2012 und 2016 gebaut", sagt Ramming. Persönlich produziert er pro Jahr 18 000 Kilowattstunden.

Einen Trend zu Anlagen, mit denen Strom erzeugt wird und mit denen auch Wärme produziert werden kann, kann Ramming nicht ausmachen. "Das Verhältnis ist ungefähr halb-halb", sagt er.

Unternehmensidee hilft Interessierten

Unterdessen hat sich in der Corona-Phase in Berlin eine neue Firma gegründet: Tim Rosengart ist mit "Selfmade Energy" an den Start gegangen. Rosengart holt Angebote von Firmen ein, die Solaranlagen realisieren können, und stellt diese dann zusammen. Auch in Kulmbach würde er gern tätig werden.

"Auf die Idee dazu bin ich eigentlich gekommen, als meine Eltern eine Solaranlage auf dem Dach bauen wollten. Sie wollten auch ein E-Auto kaufen", berichtet der junge Unternehmer. "Sie haben dann mehrere Angebote eingeholt. Das bedeutet, dass mehrere Handwerker zu uns ins Haus kamen. Man musste Termine vereinbaren, und alle haben dieselben Fragen gestellt und dieselben Fotos gemacht", erzählt Rosengart.

Schon 20 Solaranlagen realisiert

Das soll durch seine Unternehmensidee künftig leichter werden. Kosten entstehen den an Solaranlagen Interessierten nicht. Und auch aggressives Marketing müssen Hausbesitzer nicht fürchten. Denn erst dann, wenn sich der Hausbesitzer wirklich dafür entscheidet, eine Solaranlage zu realisieren, bekommt Tim Rosengart mit seinem Unternehmen "Selfmade Energy" eine Provision - von der Solaranlagenfirma. In den ersten Monaten seit der Firmengründung hat Tim Rosengart mit seinem Team bundesweit schon 20 Solaranlagen auf die Dächer gebracht.

"Wichtig ist, dass Interessierte regionale Firmen einbeziehen. Denn dann ist auch die Wartung vor Ort", sagt Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger. Auch Jürgen Ramming von der Energie-Agentur Nordbayern hilft kostenlos bei der Herstellung von Kontakten zu Firmen. "90 Prozent der Interessenten kriegen die Realisierung nach der Beratung auch ohne unsere Hilfe hin. Wir machen dann auf Förderdetails und die richtige Reihenfolge, um an Förderung zu kommen, aufmerksam", sagt Ramming. In Oberfranken sei auch ein Energiecheck durch die Energie-Agentur kostenlos. Trotz des Lockdowns ist Ramming sicher, dass auch 2021 wieder zahlreiche Photovoltaikanlagen gebaut werden.