Heilmittelerbringer sind systemrelevant. Das heißt, sie gehören zum Kern der Gesundheitsversorgung und dürfen Patienten weiterbehandeln. Dennoch sagen zahlreiche Patienten aus Angst vor der Corona-Welle ihre Termine ab. Herr Weinbeer, wie geht es Ihnen in der Coronakrise?

Elmar Weinbeer Es fühlt sich sehr merkwürdig an. Es gibt da eine Gefahr beziehungsweise Bedrohung mit unklarer Prognose und Ausgang. Man spürt den Druck, wirtschaftlich überleben zu wollen und zu müssen. Und dies alles unter dem Deckmantel "hoffentlich bleibe ich, meine Angehörigen, meine Mitarbeiter und meine Patienten gesund".

Seit Wochen nehme ich fast täglich an irgendwelchen Webinaren teil, um mich sachkundig über die noch nie da gewesene Situation zu informieren. Themen sind: Muss meine Praxis schließen oder offen bleiben? Gibt es eine Entschädigung - wer zahlt? Wie gehe ich mit den Ängsten meiner Mitarbeiter um? Kann ich die hygienischen Vorkehrungen erfüllen, wo bekomme ich Schutzmasken her?

Auch der Austausch mit den ansässigen Ärzten in den Ärztehäusern ist für mich wichtig, um die Abwägung von medizinisch notwendigen Therapien zu besprechen. Dennoch bin ich immer optimistisch und versuche, einen klaren Kopf zu bewahren. Die Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Wie beeinflusst die aktuelle Krise Ihre Arbeit?

In der Praxis ist es ruhig geworden. Sehr viele Patienten sagen die Ergotherapie ab. Da wir viele geriatrische Patienten versorgen, dürfen wir nicht mehr in Altenheime. Auch die Therapien in den Fördereinrichtungen fallen weg. Einige Mitarbeiter feiern gerade Überstunden ab. Ich habe einen Tisch mit Desinfektionsmittel und einigen Schutzmasken bereitgestellt.

Für unsere Handpatienten, die uns sonst direkt gegenübersitzen, wurden zwei Plexiglasständer als Spuckschutz aufgestellt. Es werden auch neue Methoden wie die Teletherapie ausprobiert. Das ist ein zertifizierter Videodienst für Praxen, der uns von der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) für die Zeit der Coronakrise kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.

Wer oder was gibt Ihnen in dieser Zeit Kraft?

Der Austausch mit Kollegen und Mitarbeitern hilft in dieser Situation. Auch die Rückmeldung, Einsicht und Dankbarkeit vieler unserer Patienten geben Kraft, durch die Krise zu kommen. Und natürlich das Wissen, dass die Zeit in hoffentlich einigen Wochen wieder vorbei sein wird.

Im Vergleich zu anderen Ländern geht's uns aktuell noch gut.

Wie stellen Sie sich die Zeit nach Corona vor - in einem Jahr?

Erst mal muss man die finanziellen Verluste analysieren und so gut es geht wieder aufholen. Dennoch hoffe ich, dass man einiges entspannter und gelassener sieht. Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Das Interview führte unsere Redakteurin Katja Müller.