Die Überraschung ist gelungen! Die ganze Familie steht vor der Tür und weint. Freudentränen, Glückshormone, Kinderlachen - das ganze Paket. Alles wegen "Smiley". Der Labrador Retriever springt aus dem Auto von Selina Haase und schaut sich um. Noch ahnt er nicht, dass er in seinem neuen Zuhause angekommen ist. Mitten in Meeder, bei Familie Fritzsche.

Sehnlichst wurde der zweijährige Therapiehund erwartet - am meisten natürlich von Jan. Der Achtjährige hat ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) und ist Autist. Was auf den ersten Blick nicht wirklich zusammenpasst, entpuppt sich beim zweiten tatsächlich auch als Dilemma. Tagsüber wird seine Hyperaktivität mit Medikamenten heruntergeschraubt, abends dreht der Bub völlig auf, lässt jedoch kaum jemanden an sich ran. Um schlafen zu können, muss er wieder ein Medikament nehmen.

Im August hatten sich seine Eltern entschlossen, einen Begleithund für ihn zu kaufen, damit Jan besser im Alltag zurecht kommt. Beim Rehahundeverein Deutschland in Rostock eroberte "Smiley" Jans Herz im Nu. Seine Ausbildung, die direkt auf Jans Bedürfnisse zugeschnitten war, konnte beginnen. Und Jenny Fritzsche initiierte eine breit angelegte Spendenaktion. Denn 28 000 Euro, die ein ausgebildeter Begleithund kostet, mussten schließlich aufgebracht werden.

Eigentlich sollte "Smiley" erst Ende Januar zu Jan kommen. Doch dessen ständiges Nachfragen, seine Ungeduld und die guten Fortschritte bei Smileys Ausbildung ließen bei Selina Haase den Entschluss reifen, für Familie Fritzsche Weihnachten in diesem Jahr vorzuverlegen.

Dank größerer Firmenspenden und der Unterstützung durch die Mediengruppe Oberfranken waren auch die 28000 Euro kein Problem.

Erwartungen übertroffen

Die erste Woche mit "Smiley" und seiner Hundetrainerin Selina, die täglich mit Jan und seinem neuen vierbeinigen Begleiter trainierte, übertraf alle Erwartungen. "Damit hatte ich nicht gerechnet", gibt Mutter Jenny zu. "Jan hat sich geöffnet. Er erzählt, was ihn in der Schule ärgert. Und abends schläft er meist schon bei der ersten Geschichte ein, die ich ihm vorlese, während Smiley am Boden liegt." Noch vor zwei Wochen brauchte Jan bis zu zwei Stunden, um zur Ruhe zu kommen.

Selina Haase ist sehr zufrieden. Jan sei zwar vor allem in Gruppen noch sehr unruhig, aber das Training mit Smiley helfe ihn, sich besser zu konzentrieren und runterzufahren. Wenn Jan beispielsweise "Safe" ruft, stellt sich Smiley zwischen seine Beine. Jan bekommt dadurch Sicherheit und entspannt sich. Die Grundbefehle funktionieren schon ganz gut.

Auch bei den therapeutischen Übungen mache Jan große Fortschritte. Während er mit Smiley spielt, trainiert er Konzentration und motorische Fähigkeiten. Im Straßenverkehr üben die beiden an der Leine. Smiley kann Jan dazu bringen, langsamer zu gehen oder auch stehen zu bleiben.

Das ist die eine Seite, es gibt auch eine andere: "Mir ist es auch wichtig, dass die Familie Smileys Körpersprache lesen lernt", sagt Selina Haase. Dem Hund müsse es gut gehen. "Wenn er überfordert wird, bekommt er Burn out," sagt die erfahrene Hundetrainerin, die immerhin die vergangenen neun Monate Smiley bei sich daheim speziell ausgebildet hat. Sie schwärmt regelrecht von dem liebenswerten, ausgeglichenen Wesen des Hundes. Die Abschiede seien nicht leicht. Die Tage sind gezählt, bis sie wieder nach Hause fährt. Ohne Smiley. Aber mit dem guten Gefühl, Jan glücklich zu wissen.