Wie war die Welt zu Anfang des 16. Jahrhunderts? Was Europa anbelangt, war sie katholisch. Es gab die eine christliche Kirche, und sie achtete ebenso eifersüchtig wie die weltlichen Machthaber darauf, dass die Machtverhältnisse in der Balance blieben. Weder konnte der Kaiser ohne den Papst regieren noch konnte der Papst etwas ohne den Kaiser durchsetzen. Beide waren wiederum von den übrigen Machthabern auf ihren Seiten abhängig, seien es die Kurfürsten, die den Kaiser wählen durften, oder die Kardinäle, die den Papst bestimmten. Hinzu kam, dass beide Seiten auf Geldgeber und Finanziers angewiesen waren: Die reichen Kaufleute hatten mit dem Ende des Mittelalters an Macht und Einfluss gewonnen, während der des niedrigen Adels zurückging. Auch auf dem Land und in den Städten gab es zunehmend ungleiche Verhältnisse; wohlbestallte Handwerksmeister neben armen Lohnarbeitern; Bauern mit Landbesitz neben solchen, die keinen hatten.
Doch dieses Bild entfaltet sich in der Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" erst ganz allmählich. Am Anfang steht die Weltordnung, wie sie zu sein hat beziehungsweise behauptet wird. Die Gesellschaft besteht aus jenen, die kämpfen, jenen, die beten, und jenen, die arbeiten. Gleich zu Beginn der Ausstellung ist deshalb eine Gruppe betender Kleriker aus Lindenholz zu sehen. Vereint sind hier zwei Päpste, ein Kardinal, ein Bischof und ein Domherr sowie sieben Mönche. Zu erkennen sind sie an ihren Kopfbedeckungen und Haartrachten.
Daniel Mauch (1477 - 1540) hat die Gruppe geschaffen. Das Gegenstück zu diesen Männern, eine Gruppe von zehn Ordensschwestern, befindet sich im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Die beiden Gruppen rahmten vermutlich einen Schrein ein, der aber nicht erhalten ist und vermutlich einem Nonnenkloster gehörte.
Der Lebensweg des Bildhauers Daniel Mauch zeigt exemplarisch, welche Veränderungen den Beginn des 16. Jahrhunderts prägten: Er schuf vor allem sakrale Kunstwerke; als die Nachfrage danach infolge der Reformation sank, wanderte er von Ulm (lutherisch) nach Lüttich aus, wo der Katholizismus nach wie vor regierte.
Die Figurengruppe kam 1958 über einen Nachlass in den Louvre. Dass das berühmte Pariser Museum dem Haus der Bayerischen Geschichte ein Kunstwerk überlässt, spreche für das Renommee des HdBG, meint Ausstellungsleiter Peter Wolf. Vor allem aber gebe es wenige Bildwerke, die so viele verschiedene Kleriker auf einmal zeigen.