"Ich hätte nicht gedacht, dass gerade Bieretiketten so kreativ und kunstvoll gestaltet werden können", so der Bamberger Bürgermeister Jonas Glüsenkamp bei der Runde, die er mit dem Oberelsbacher Brauer Andreas Seufert durch die Ausstellung am Bamberger Michelsberg drehte.

Über 70 verschiedene Etiketten und ihr jeweiliger Entstehungsprozess sind auf großformatigen Drucken im gesamten Brauereimuseum verteilt. Verantwortlich für das Design ist Künstler Christian Krank. Der Comic-Zeichner aus Würzburg ist sonst eigentlich eher der "dunklen" Seite zugewandt. Hauptberuflich ist er als Krankenpfleger unterwegs und singt in einer Metal-Band. "Es ist gerade toll, mit den Bieretiketten etwas völlig Neues und Anderes zu machen, ich habe dabei völlig freie Hand und kann mich richtig ausleben."

Mit dem Brauer auf der Schulbank

Das Vertrauen zwischen Etikettenkünstler und Brauer datiert in die Kinderzeit, als beide gemeinsam die Schulbank drückten. Seufert absolvierte später bei der Würzburger Hofbräu die Ausbildung zum Brauer, bevor er bei Anstellungen in Vietnam, China, Australien, Südafrika, der Türkei und Russland Erfahrungen sammeln konnte. Die Idee zur eigenen Brauerei verlor er nie aus den Augen und verwirklichte sie Ende 2009 mit der Pax Bräu in der Rhön.

Den Namen dafür hatte er schon acht Jahre vorher gefunden, als er am 9. November 2001 seinen ersten Tag in der Braumeisterschule in Gräfelfing hatte. Darauf ging auch Museumsvorstand Martin Knab bei seiner Begrüßung ein. Er verfolgte den Ausdruck "Schwerter zu Pflugscharen" durch die Jahrhunderte vom ursprünglichen Bibelzitat bis zur von einer sowjetischen Bronzeskulptur angeregten Friedensinitiative in der DDR, die die drei Worte zu ihrem Slogan machte.

Später inspirierte das Idiom auch die westlichen Friedensaktivisten - und Andreas Seufert machte den Brückenschlag zum Brauhandwerk - und "Schwerter zu Zapfhähnen" zu seinem Wahlspruch. Der findet sich nicht nur auf vielen der ausgestellten Etiketten, sondern wurde auch zum Motto der riesigen Holzskulptur von Elias Frisch aus Bischofsheim. Der Holzbildhauer bezeichnet sich selbst als "Wooddruide" und war von dem Bild des "Zapfhahnschmiedens" sofort angetan.

Aus Eschenstämmen geschnitzt

Innerhalb von vier Wochen und über 200 Arbeitsstunden ließ er aus großen Eschenstämmen einen Hopfen- und einen Gerstenmann entstehen, die aus einem Schwert einen Zapfhahn formen. Die eindrucksvolle Figurengruppe steht normalerweise in Bad Neustadt in der Rhön, gehört aber als Leihgabe ebenfalls zur Ausstellung in Bamberg.

Kuratorin Nina Schipkowski betonte in ihrer Einführung, dass die kompromisslose Haltung von Andreas Seufert sie zu der Ausstellung inspiriert habe. Bei seinem Ansinnen, "ein Leuchtfeuer der Nonkonformität in einer wachsenden Eintönigkeitswüste der Großkonzernerzeugnisse zu sein", habe er Kunst und Brauen vereint und somit das Thema Werbemittel auf eine neue Stufe gehoben.

Schipkowski machte sich auch Gedanken, wo in den umfangreichen Museumsräumen welche Etiketten präsentiert werden: "Für die Ausstellung habe ich mich für sinnvolle Gruppen aus ästhetischen oder zum Beispiel inhaltlichen Gründen entschieden. Aus ästhetischen Gründen hängen besonders düstere, martialische Motive passenderweise im Eiskeller, die Etiketten für die Single-Hop-Biere mit Edelsteinhopfensorten hängen folgerichtig aus inhaltlichen Gründen zusammen." mrp