Andreas Schwarz ist kein Spielertyp, obwohl er mal einen Spielwarenhandel betrieb. Er sieht sich als Macher, der weiß, wo's in der Politik langgeht. Ganz gleich, ob in Berlin oder im Bamberger Land. Das wird schon zu Beginn des FT-Interviews mit dem SPD-Landratskandidaten deutlich. Beim obligatorischen Dartspiel auf die Landkreiskarte macht er trotzdem mit. Gleich der erste Pfeil ein Volltreffer: Strullendorf, wo er fast 18 Jahre lang Bürgermeister war.

Auch beim Auswürfeln der Stichwortfragen ist er dabei. Familie? Das größte Geschenk seines Lebens: seine Tochter. Konkurrenz? Belebt das Geschäft (mit Blick auf sechs Landrats- und zwölf OB-Kandidaten). Der Landkreis Bamberg? Wunderschön! Zu schön, um ihn dem Stillstand zu überlassen und dessen Zukunft aufs Spiel zu setzen, wie er schon eingangs von FT-Lokalchef Michael Memmel zitiert wurde.

Und schon geht es mitten rein in die Politik. Zum Beispiel, ob ihm angesichts aktueller Umfragewerte für die SPD bange ist, dass das auf die Kommunalwahl durchschlägt. "Diese Partei hat dem Land immer gut getan. Aber leider erreichen wir im Moment die Menschen nicht, obwohl wir gute Politik machen. Klar wäre Rückenwind aus Berlin besser, aber eine Kommunalwahl ist eine Persönlichkeitswahl." Und das sagt der SPD-Kandidat ...

... zu seiner Motivation, als Landrat zu kandidieren: "Diese Region hat unwahrscheinlich Potenzial, aber dieses Potenzial wird nicht genutzt. Mittlerweile merken wir, dass das Ausruhen auf guten Wirtschaftsdaten, auf schöner Landschaft und gutem Bier nicht reicht. Wir haben hier Stillstand seit sechs Jahren." Im Kreistag gebe es keine Entscheidungen mehr, da würden nur irgendwelche Pläne gemacht. Der Landkreis brauche jedoch Führung.

... zu den wirtschaftlichen Perspektiven des Landkreises: "Der Fall Michelin zeigt, dass derzeit mehr abgewickelt als entwickelt wird. Die Monokultur der Autozulieferindustrie war eine gute Zeit, aber eine Monokultur birgt auch Gefahren. Das hätte man sehen und rechtzeitig reagieren müssen. Ich werde den Umbau der Industrielandschaft vorantreiben." Da gebe es Fördergelder aus Berlin und München. Man müsse eben nur Ideen haben, dort hinfahren und die Anträge stellen.

... zum ÖPNV: "Als ich mit 18 in die Partei eingetreten bin, war das Thema im Landratswahlkampf. Und jetzt, 37 Jahre später, ist es immer noch Thema. Es ist nicht besser geworden. Wir müssen mal einen vernünftigen Wurf machen. Das fängt mit dem 365-Euro-Ticket an. Auch da gibt es Fördertöpfe in Berlin." Den Brief müsse allerdings der Landrat schreiben - was er nicht tue. Der regionale Omnibusbahnhof mit einer Perspektive ab 2031 sei ein "Trauerspiel". Eine Einigung mit der Bahn sei jedoch möglich und realistisch. "Man muss sich halt drum kümmern." Das Mobilitätskonzept sei "wieder so ein 180-Seiten-Papier. Da fährt noch kein Sammeltaxi und kein Bus, da gibt es noch keine Taktung, da ist noch gar nichts gemacht. Das ist wieder was fürs schlechte Gewissen." Er fürchte, dass das Ganze nach der Wahl wieder einschlafe.

... zu Tourismus, Steigerwald und Bierkulturzentrum: "Da ist in den letzten Jahren einiges passiert.Vieles in Kooperation mit der Welterbestadt Bamberg." Die besten Voraussetzungen seien vorhanden. Dazu zähle auch der Steigerwald. Da müssten jedoch die Konfliktparteien zunächst an einen Tisch gebracht werden, um die Möglichkeiten für ein Weltnaturerbe oder einen Nationalpark zu klären. Für das Bierkulturzentrum "wurde wieder für einige 10 000 Euro ein Gutachten gemacht, das Zentrum soll um die 40 Millionen Euro kosten. Dafür kann man andere Akzente im Tourismus setzen." Für das Gutachten seien zudem, ebenso wie für das Landkreismagazin, europäische Fördermittel verwendet worden, die nun anderswo im Landkreis vielleicht fehlen.