Leider musste die SG 1629 Rothenkirchen ihr traditionelles Schützenfest wegen der Corona-Pandemie absagen. Es war dieses Jahr für den 1. und 2. August geplant. Doch schon im Frühjahr wurden alle Planungen eingestellt und das Schützenfest abgesagt.

In einer Vorstandsbesprechung hielt man einen Rückblick auf die sportliche Saison 2019/2020 und befasste sich auch mit einem Rückblick auf den Bau und die Einweihung des Schützenhauses im Jahr 1970, also hätte man auch 50- jähriges Schützenhaus-Bestehen feiern können.

Beschluss 1969

Wichtige Entscheidungen für den Neubau eines Schützenhauses wurden in der Jahresversammlung 1969 getroffen. Die Versammlung fasste den einstimmigen Beschluss, dem Schützenmeister Joseph Müller und dem Schützenmeisteramt, Zweiten Schützenmeister Reinhold Wolf und Dritten Schützenmeister Theo Reinhard den Auftrag und die Entscheidungsbefugnisse zum Bau eines Schützenhauses für den Beginn des ersten Bauabschnittes zu erteilen.

Im März 1969 wurde bereits die bauliche Genehmigung vom Landratsamt Kronach erteilt. Sechs Tage nach dem Schützenfest, am 10. August 1969, erfolgte der erste Spatenstich durch Ehrenschützenmeister Josef Scherbel, von einem dreifachen "Schützen-Heil", begleitet. Es folgten recht zügig die Baumaßnahmen, so dass am 12. August Erster Schützenmeister Joseph Müller und Zweiter Schützenmeister Reinhold Wolf (heutiger Ehrenschützenmeister) gemeinsam den Grundstein setzen und am 18. Oktober schon Richtfest gefeiert werden konnte.

Besondere sportliche Leistungen konnte zu dieser Zeit der damalige Jungschütze Josef Rebhan (Hauckensepper) erbringen. Im neuen Schützenhaus konnte Erster Schützenmeister Joseph Müller am 18. Januar 1970 den ersten Schuss mit Luftgewehr abgeben und somit auch offiziell den Schießbetrieb im neuen Schützenhaus eröffnen und freigeben.

Übrigens war dies schon das dritte Schützenhaus, welches der rührige Schützenverein erbaute. Die ersten beiden Häuser, das erste wurde 1914, das zweite 1956 errichtet, standen beide oberhalb der Oberen Mühle, gegenüber vom Forstamt und in Nähe des heutigen Sportgeländes. Die Schützen waren mutig und fleißig und konnten ihren Traum eines neuen Schützenhauses zügig, allerdings auch mit viel Idealismus und Einsatzfreude, erfüllen.

Große Freude herrschte bei den Schützen, als am 8. Februar 1970 der erste Schützen-Kinderfasching im vereinseigenen Schützenhaus abgehalten werden konnte, womit eine Tradition begann, die bis heute noch alljährlich Bestand hat.

Das große Jubiläumsfest mit Schützenhauseinweihung wurde vom 31. Juli bis 3. August 1970 würdig gefeiert. Dieses Jubiläumsfest bezog sich auf einen Chronikeintrag im Jahre 1860, wonach die Schützentradition in Rothenkirchen wieder auflebte und der Schießbetrieb nun auf sportlicher Basis durchgeführt wurde, daher feierte man 1970 zum traditionellen Schützenfest, das 110-jährige Bestehen mit Schützenhauseinweihung.

Gauschützenmeister Siegfried Möslein ehrte im Festzelt zahlreiche Mitglieder, die sich uneigennützig beim Bau des Schützenhauses, sei es mit Arbeitskraft oder durch finanzielle Hilfe, ehrenamtlich engagiert und um die SG verdient gemacht hatten.

Viel Lob und Anerkennung wurde von allen Ehrengästen für das idealistische Engagement und den Zusammenhalt ausgesprochen, was letztlich zum erfolgreichen Bau des Schützenhauses führte. Für einige Monate, von Mitte Juni bis Ende Oktober 1971 "diente das Schützenhaus sogar als Schulhaus" für die Zeit des Schul- und Turnhallen- Umbaues. Bereits zum Schützenfest 1975 konnte ein neuer Kleinkaliber-Schießstand seiner Bestimmung übergeben werden. Im Oktober 1976 konnte eine weitere Baumaßnahme (Abstellräume neben den Luftgewehrständen) abgeschlossen und in Betrieb genommen werden.

Immer wieder erfolgten in den vergangenen Jahrzehnten Erweiterungen und Verschönerungen des Vereinshauses. So wurde 1983 die Überdachung der Luftgewehrstände angebracht. 1991 wurde das Bildnis des Schutzheiligen St. Sebastian von Schützenbruder Josef Neubauer kunstvoll an die Außenfassade des Schützenhauses gemalt. Einige Umbaumaßnahmen folgten 1996 mit WC-Anlagen und dem Einbau einer Heizung, wofür eine hohe Geldsumme investiert werden musste. Eine neue Dachabdeckung und neuer Außenanstrich ließen das Haus im Jahr 2016 wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Viel Eigenleistung

Und auch diese Finanzierung meisterten die Schützen und engagierten sich zusätzlich auch immer mit Eigenleistung. Der langjährige Schützenmeister und heutige Ehrenschützenmeister Reinhold Wolf wurde 1979 zum Ersten Schützenmeister gewählt, nachdem er schon vorher zehn Jahre als Zweiter Schützenmeister fungierte. Wolf ist seit 1957 Schützenbruder bei der SG Rothenkirchen und wohl eine der herausragenden Persönlichkeiten im Verein. In den über sechs Jahrzehnten seiner Mitgliedschaft hat er Höhen und Tiefen erlebt und könnte stundenlang über die Vereinsgeschichte aus dieser Zeit erzählen.

Das verantwortungsvolle Amt des Ersten Schützenmeister führte Reinhold Wolf von 1979 bis 1999 und nochmals von 2008 bis 2019 aus und wurde schon 1999 in Würdigung seiner Verdienste um die SG Rothenkirchen zum Ehrenschützenmeister ernannt. Der Markt Pressig verlieh ihm die silberne Ehrenmedaille des Marktes Pressig.

Landrat Klaus Löffler verlieh ihm im Jahr 2017 aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste im Ehrenamt die Goldene Ehrennadel des Landkreises Kronach. Neben den vielen guten Einzelschützen, die der Verein hervorbrachte und die es bis zu Erfolgen bei Deutschen Meisterschaften brachten, konnte die SG Rothenkirchen auch immer in den Mannschaftswettbewerben gute Leistungen bringen und mit Treffsicherheit glänzen.

Besonders ist die Saison 1995 hervorzuheben, wo die erste Mannschaft mit 21 232 Ringen und 28:0 Punkten Gruppensieger in der Luftgewehr-Oberliga-Gruppe II wurde. Beim Aufstiegskampf zur Landesliga trat man gegen 15 Wettbewerber aus ganz Bayern im Schießleistungszentrum München-Hochbrück an und belegte Platz vier, was allerdings dann nicht zum Aufstieg reichte. Aber dennoch erinnert man sich heute noch gerne an dieses sportliche Hoch der Rothenkirchener Sportschützinnen- und schützen. eh