Nach 21 Jahren Betriebsdauer bekommt die Lindauer Teichkläranlage eine Runderneuerung. Spezialisten aus Baden-Württemberg sind seit einigen Tagen dabei, die drei östlich des Trebgaster Ortsteils gelegenen Teiche von unnötigem Ballast zu befreien. Das geschieht von der Planung über den Aushub bis zur Entsorgung in einem Aufwasch.

Weil die Methode im Landkreis noch neu ist, informierten sich auch Vertreter des Wasserwirtschaftsamts und Betreiber ähnlicher Anlagen in der Region darüber, wie das in Lindau angewandte Prinzip funktioniert. Denn die Klärschlammentsorgung ist immer ein heißes Thema - und kostet viel Geld.

Meter für Meter

Mit einem Amphibienboot "beackert" der Bootsführer Meter für Meter die insgesamt 4000 Quadratmeter große Wasserfläche der dreistufigen, bis zu 1,20 Meter tiefen Anlage und saugt den Schlamm ab, der sich seit Betriebsbeginn 1999 am Grund angesammelt hat. In einem ersten transportablen Container werden zunächst Sand und restliche Feststoffe ausgesondert und entsorgt.

Schlamm und Wasser werden in einen bereitstehenden Lastwagen weitergepumpt, in dem eine Zentrifuge den Schlamm vom Wasser trennt. Die Maschine kann, je nach Konsistenz des Schlammes, bis zu 35 Kubikmeter in der Stunde bearbeiten. Was danach über ein Förderband in einen bereitstehenden Laster geleitet wird, ist relativ trockener Klärschlamm, der zu einer Deponie in Frankfurt transportiert wird.

40 bis 50 Tonnen Klärschlamm werden am Ende zusammenkommen, schätzt der Vorarbeiter. Das entspricht etwa knapp zwei Lastwagen. Der Vorteil bei dieser Vorgehensweise liegt nach Aussage des Vorsitzenden des Ökovereins, Friedrich Weinlein, auf der Hand: "Die Anlage kann ihre Aufgabe ohne Unterbrechung weiter erfüllen und das gefilterte Wasser kann wieder in die Teiche zurück geleitet werden. Bei einem anderen Verfahren wären die Teiche total ausgepumpt worden und ein Bagger hätte die Ablagerungen ausgeschaufelt. Die Entsorgung dieses Nassschlamms in eine Deponie hätte allein 80 000 Euro Transportkosten verursacht." Zusätzlich hätte dabei eine provisorische mobile Anlage vorübergehend die Abwasserklärung vornehmen müssen, so der Vorsitzende.

Seit 1999 in Betrieb

Auftraggeber dieser Unterhaltsleistung ist der Ökoverein Lindau, der die Teichkläranlage seit 1999 betreibt. Bis dahin hatte jeder Lindauer Haushalt eine Drei-Kammer-Anlage. Das waren in der Regel Betonringe, in die das Abwasser eingeleitet wurde. Das lief dann einfach in eine Mistgrube oder wurde von den Landwirten auf die Felder aufgebracht oder jährlich von Entsorgungsfirmen abgepumpt.

Aufgrund höherer Umweltauflagen waren diese Kammern Ende der 90er Jahre nicht mehr zugelassen, so dass sich die Lindauer etwas einfallen lassen mussten. Ein Anschluss über Leuchau nach Kulmbach hätte bei der Überwindung von 40 Höhenmetern enorme Pumpkosten zur Folge gehabt. Blieben noch eine Leitung nach Trebgast oder eine eigene Anlage. Letztere erwies sich nach Probebohrungen und der Berechnung der Projektkosten schließlich als das günstigste Modell.

Daraufhin gründeten die Lindauer 1998 den Ökoverein, bei dem jeder, der an die Kanalisation anschloss, Mitglied wurde. Die Gemeinde verpachtete ein im Tausch erworbenes Grundstück für 30 Jahre an den Verein und baute die Teichkläranlage. Vorsitzender Friedrich Weinlein ist heute noch stolz darauf, dass das Abwasser des Hauptortes ohne jeglichen Energieaufwand zur Anlage läuft und auch dort keine Energie zur Klärung notwendig ist.

Die Kosten der jetzigen Reinigung werden auf zehn Jahre über den Abwasserpreis umgelegt. Um die regelmäßige Wartung und die Einhaltung der behördlichen Vorschriften kümmern sich drei Klärwärter des Vereins. Zweimal wöchentlich werden die Außentemperatur, die Temperatur des Wassers und dessen pH-Wert gemessen und in ein Protokoll eingetragen. Pro Quartal werden zusätzlich der Phosphatgehalt und die Trübung des Schlammes festgestellt. Außerdem nehmen mehrfach im Jahr externe Firmen Proben im Auftrag des Wasserwirtschaftsamtes.