"Ich habe Rheuma." Wenn uns jemand mit diesen Worten sein Leid klagen will, sollten wir verständnisvoll zuhören. Doch dieser Satz verlangt förmlich nach einer ergänzenden Spezifizierung, denn es gibt nicht "die" Krankheit Rheuma, sondern die Bezeichnung steht als Sammelbegriff für zahlreiche Erkrankungen, die Gelenke, Knochen, Muskeln und sogar Organe betreffen können. Mit seinem Vortrag "Was ist Rheuma und was kann ich als Betroffener tun?" brachte Dr. Dirk Günthel, leitender Oberarzt der Klinik für Internistische Rheumatologie am Bezirksklinikum Obermain, Licht ins Dunkel. Rund 100 interessierte Zuhörer hatten sich im Festsaal eingefunden.

Die Vorträge im Rahmen der Reihe "Kutzenberger Gesundheitsforum" erfreuen sich in der Regel großer Resonanz, bei einer "Volkskrankheit" wie Rheuma verwundert dies freilich nicht.

Autoimmunerkrankungen

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen wies der Mediziner auf die wichtige Unterscheidung zwischen entzündlichem und nichtentzündlichem Rheumatismus hin. Entzündliche Rheumatismen sind Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem quasi gegen den eigenen Körper richtet. Im Vergleich zu anderen Formen relativ bekannt ist die diesem Bereich zuzuordnende rheumatoide Arthritis mit rund 500 000 Patienten in Deutschland. Es kommt als sichtbares Symptom zum Anschwellen von Gelenken bis zu Gelenkfehlstellungen. Der Referent zeigte an der Leinwand die Abbildung einer sogenannten "Schwanenhalsdeformität" als fortgeschrittene Form der Erkrankung. "Durch Medikamente kommt es heutzutage aber zum Glück nur noch selten zu solch schweren Verläufen", so Günthel hierzu.

Auch auf das "Schuppenflechten-Rheuma" oder das zu einer Versteifung der Wirbelsäule führende Morbus Bechterew ging der Referent ein. Ebenfalls dem entzündlichen Rheumatismus zugehörig ist das Bindegewebsrheuma, im Fachjargon als Kollagenose bezeichnet. Als Unterform im Bereich der Kollagenosen ist etwa die Autoimmunerkrankung Lupus Erythematodes zu nennen, angesichts der sichtbaren Symptomatik im Gesicht umgangssprachlich auch als "Schmetterlingskrankheit" betitelt. Seal, britischer Sänger und Ex-Mann von Heidi Klum, leidet seit seiner Jugend darunter, die Narben in seinem Gesicht sind hierauf zurückzuführen. "Betroffene sind extrem sonnen- und lichtempfindlich", erklärte Günthel hierzu. Die moderne medikamentöse Therapie kann Abhilfe schaffen.

Mediterrane Ernährung

Der Referent führte hier mediterrane Ernährung an sowie zur Schmerzlinderung und zum Zwecke des Erhalts der Bewegungsfunktion der Gelenke auch Bewegung an. Und was der Referent Rauchern empfiehlt, kann man sich an fünf Fingern abzählen: "Rauchen befeuert das entzündliche Rheuma. Ich hatte schon Patienten, die mit dem Rauchen aufhörten und dadurch in der Folge weniger Medikamente benötigten oder diese teilweise sogar ganz absetzen konnten."

In seinem Vortrag thematisierte der Oberarzt schließlich die nichtentzündlichen Rheumaformen, darunter das Weichteilrheuma: "Hier kann sich der Schmerz verselbständigen und auch an Stellen auftreten, an denen gar keine Ursache festzustellen ist." Als mögliche Ursachen für nichtentzündlichen Rheumatismus nannte Günthel bereits bestehende chronische Schmerzen, Überlastung oder auch schlecht verarbeiteten Stress. Es gibt Möglichkeiten für Betroffene, der Erkrankung Paroli zu bieten. Eine wichtige Rolle nimmt gerade hier die regelmäßige körperliche Betätigung mehrmals wöchentlich mindestens 30 Minuten ein, beispielsweise Nordic Walking, Radfahren oder Gymnastik.