Andreas Dorsch

Dass in Zeiten der Pandemie in den Krankenhäusern am Limit gearbeitet wird, hat sich inzwischen herumgesprochen. Wie hoch die Belastung wirklich ist, spüren in diesen Tagen viele freiwillige Helfer am eigenen Leib, die sich für den Pflegepool Bayern gemeldet haben. "Als Fachfremder schätzt man die Leistung erst so richtig, die das Pflegepersonal erbringt", sagt Katja Weßnick.

Die selbstständige Betreiberin einer Segelschule in Erlangen hat sich als freiwillige Helferin für den Pflegepool gemeldet und darf jetzt im Kreiskrankenhaus in Höchstadt mitarbeiten.

Im Katastrophenfall

Hier freut sich Pflegedienstleiterin Bianca Dotterweich, dass sie sieben Helfer aus dem Pflegepool bekommen hat, die die durch Corona bedingte Mehrbelastung im Haus wenigstens etwas abfedern können.

Möglich wurde der von der "Vereinigung der Pflegenden in Bayern" organisierte Pool dadurch, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Katastrophenfall ausgerufen hat. Solange der Katastrophenfall gilt, könnten die Krankenhäuser auf die Helfer aus dem Pool zurückgreifen, sagt die Höchstadter Pflegedienstleiterin. Die Führungsgruppen Katastrophenschutz können in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Unterstützung aus dem Pool anfordern, wenn es wegen Corona zu personellen Engpässen kommt.

Wie Bianca Dotterweich erklärt, müssen die Helfer Mitglied in einer freiwilligen Hilfsorganisation sein oder werden. Dann gibt es bei Angestellten und Selbstständigen auch eine Entschädigung für den Verdienstausfall. Über die Homepage "pflegepool-bayern.de" können sich Interessierte melden und auch Einsatzwünsche angeben. Wenn Helfer medizinische Vorkenntnisse haben, ist das nicht schlecht, es geht aber auch ohne.

Ohne ist Katja Weßnick Helferin geworden. "Ich hatte vormittags Zeit, wollte unterstützen und musste nur beim BRK Mitglied werden", berichtet sie dem FT. Schon nach ihren ersten Tagen am Krankenhaus Höchstadt ist sie beeindruckt von der Leistung, die das fest angestellte Pflegepersonal erbringt.

Weßnick unterstützt auf der Inneren die Profis bei der Pflege, hilft den Patienten beim Essen und Waschen, misst schon mal den Blutdruck und leert auch Bettpfannen. "Man gewöhnt sich dran", sagt sie. Ihre Aufgabe findet sie sehr interessant, aber auch körperlich anstrengend. Angst, sich mit Corona zu infizieren, hat sie nicht.

Zurück als MTA

Von ihrer Tochter auf den Pflegepool aufmerksam gemacht wurde Inka Ermer. Die Höchstadterin ist gelernte medizinisch-technische Assistentin (MTA), aber schon einige Jahre nicht mehr in dem Beruf aktiv. Als sie mitbekommen hat, dass auch das Krankenhaus Höchstadt in dem Pool Bedarf angemeldet hat, fragte sie nach und wurde von Dotterweich gleich engagiert.

Ermer hilft jetzt seit 4. Januar rein ehrenamtlich im Labor von St. Anna aus. Ihr macht das Arbeiten in dem "netten Team" großen Spaß und sie erlebt mit Interesse, was sich seit ihrer aktiven Zeit als MTA im Krankenhauslabor alles getan hat.

Für Kim Naujoks kam der Aufruf im Pflegepool gerade rechts. Der Referent für Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz beim ASB-Landesverband in Erlangen macht gerade eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Das dafür notwendige Klinikpraktikum kann er jetzt am Kreiskrankenhaus in Höchstadt absolvieren. Er unterstützt das Pflegepersonal auf der Intensivstation - auch im Covid-Bereich - berichtet von tollen Kollegen und vom Spaß, den ihm die Arbeit macht.

Besonders reizvoll findet er, wie es nach dem Rettungsdienst mit den Patienten weiter geht, wie sie dann im Krankenhaus behandelt werden. Die Aushilfstätigkeit ist für ihn körperlich fordernd, sehr stressig, "man ist die ganze Zeit am Laufen".

Die Wertschätzung des Pflegepersonals hat für Naujoks durch den Einsatz deutlich zugenommen. Mit Blick auf den Tagesablauf im Krankenhaus hat er inzwischen kein Verständnis mehr für Menschen, die Corona leugnen und gegen die Schutzmaßnahmen sind.

Erfahrungen sammeln vor dem Medizinstudium war für Tim Heiligers ein Grund, sich für den Pflegepool Bayern zu melden. Der Höchstadter, der seit eineinhalb Jahren im Rettungsdienst aktiv ist, hat sein Engagement im Pool mit einem freiwilligen sozialen Jahr gekoppelt. Heiligers unterstützt im Krankenhaus das Personal in der Notaufnahme und auf der Intensivstation. Auf seinem Weg zum Mediziner findet er es gut, erst einmal Erfahrungen im Rettungsdienst und auf der pflegerischen Seite zu sammeln.

Noch nicht genug Impfstoff

Dass das Höchstadter Haus am Limit arbeitet, hat der ausgebildete Rettungssanitäter Markus Kleinlein aus Schlüsselfeld ebenfalls schon mitbekommen. Der Betreiber von zwei Kampfkunstschulen hilft auf der Intensivstation und hat hier erlebt, was es heißt, wenn sieben Patienten betreut und sechs davon auch noch beatmet werden müssen.

Angst vor Ansteckung hat Kleinlein nicht, impfen lassen konnte er sich aber auch noch nicht, "weil noch nicht genügend Impfstoff da war". Seine Erfahrung als Helfer auf Intensiv: "Man braucht schon medizinisches Grundwissen, sonst steht man nur im Weg rum."