Ekkehard Roepert Auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Stadt muss Forchheim die entscheidenden Kilometer erst noch bewältigen. Bekanntlich hat die Kommune ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben - und davon sollen vor allem auch die Radfahrer profitieren. Doch wie Sonja Rube, die zuständige Stadtplanerin (Firma USP Projekte, München) unserer Zeitung sagte, stecke die Planung "noch in der Analysephase". Bei den Haushaltsbefragungen habe es zwar einen "großartigen Rücklauf" gegeben; doch die "Abstimmung und die Erhebung" werde "durch Corona verlangsamt".

Unsichere Wege

Fahrradfreundliche Kommune? "Diese Auszeichnung würde uns zu Recht niemand geben", sagt Annette Prechtel. Als Grüne Bürgermeisterin für Kultur, Klimaschutz und Umweltverbund gehört es zu ihrem Kerngeschäft, das Radfahren in Forchheim attraktiver zu machen. "Es gibt ganz viel zu tun. Die meisten Wege zu Kindergärten und Schulen müssen sicherer und attraktiver werden." Die Liste der Schwachstellen sei lang. "Gute Denkarbeit und viel politischer Wille" seien gefragt, um den Rad- im Verhältnis zu den Autofahrern "zumindest eine gleichwertige Stellung" einzuräumen," sagt Prechtel. "Wer mit Kindern im Fahrrad-Anhänger unterwegs ist, für den ist es ganz schlimm. Die meisten Radwege sind zu schmal für die Anhänger."

Holger Lehnard, der permanent mit dem Rad unterwegs ist und als CSU-Rat im Stadtrat sitzt, drängt vor allem auf eine bessere Vernetzung mit den Umlandgemeinden - und auf eine gute Beschilderung.

"Die Anbindungen sind nicht okay, daher darf das neue Konzept nicht an der Grenze von Forchheim aufhören", sagt Lehnard. Zum Beispiel: Vom Westen, von der Fränkischen Schweiz kommend, "gibt es einen guten Radweg in die Stadt", lobt Lehnard. "Aber niemand wird in Reuth ein Schild Forchheim-Innenstadt finden." Ähnlich die Situation für Radler, die aus Bamberg kämen: Spätestens am Jachthafen wüssten sie nicht mehr weiter. "Es fehlen Wegweiser und die Beschilderung ist uneinheitlich, es gibt gelbe, grüne und weiße Schilder. Das alles muss einheitlich werden... da reden zu viele mit."

Holger Lehnard wünscht sich eine Fahrradstadt Forchheim, die sich etwa an Brixen orientiert oder an der Forchheimer Partnerstadt Rovereto: "In Italien stehen Wegweiser teils auf dem Radweg - und es gibt eine einheitliche Beschilderung."

Während Lehnard meint, dass die Situation für Radfahrer innerhalb der Stadt grundsätzlich gut sei, hat Frank Wessel eine volle "List of Problems" parat. Wessel ist Vorsitzender beim ADFC in Forchheim. "Es gibt ein paar grundsätzliche Dinge", sagt er. "Das allerwichtigste ist: Der Radfahrer muss sich eingeladen fühlen, Rad zu fahren, nicht an den Rand gedrängt, um abzusteigen." Beispielsweise nennt Wessel die Verbindung Eisenbahnbrücke/Hainbrunnenstraße; hier kämen sich Radfahrer, Passanten und Autofahrer auf engstem Raum "in die Quere". Oder: Die Brücke Richtung Kersbach, wo der Radfahrer sechs Mal vor roten Ampeln stehe. Grundsätzlich seien die Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Minuten "eine Zumutung".

Radweg ins

Nirwana

Holger Lehnard betont, dass er mit diesen Maßstäben des ADFC "nicht immer einverstanden" sei. "Der Radfahrer muss nicht immer Vorrang haben. Wenn ich den Radverkehr an jeder Kreuzung vorrangig mache, habe ich mehr Abgase der wartenden und anfahrenden Autos", gibt er zu bedenken.

Als einheimischer Radfahrer fühle er sich in der Innenstadt "wohl", betont Lehnard. Gleichwohl gebe es im Detail viel zu optimieren: "Die Einbahnstraßen sollten mehr genutzt werden. In der Klosterstraße und in der Äußeren Nürnberger Straße fängt der Radweg zu spät an. Der Radweg in der Klosterstraße, Richtung Bahnhof, endet im Nirwana... - Ja, man könnte einiges verbessern."

Den Anforderungen des Jahres 2020 genüge die Forchheimer Rad-Situation "gar nicht", resümiert Bürgermeisterin Prechtel. "Wir müssen es hin kriegen, dass Menschen umweltfreundlicher unterwegs sind."