Schöner von Boskoop, Goldparmäne oder Gute Luise von Avranches steht auf den Etiketten junger Bäume, die auf einem Hügel in der Fornbacher Flur liegen - bereit, gepflanzt zu werden. Sie gehören zu einem größeren Projekt des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land (LPV). Davon gibt es eine ganze Reihe. Das Ungewöhnliche an dieser Pflanzaktion sind die Arbeitskräfte. Es sind 19 Schüler des Berufsgrundschuljahres, die vor ihrer Ausbildung zum Landwirt stehen.

"Als angehende Landwirte bekommen die Schüler hier gezeigt, worauf bei der Pflanzung von Bäumen zu achten ist und wie eine Hecke angelegt wird", erklärt Frank Reißenweber, Geschäftsführer des LPV. Die Schüler haben vier Theorietage pro Woche und einen Praxistag. Einer dieser Tage widmet sich Landschaftspflegemaßnahmen, wie dem Anlegen von Hecken oder Streuobstwiesen.

Die Schüler schauen nicht etwa nur zu. Sie setzen Drahtkörbe in den Boden, die den jungen Baum Schutz vor Wühlmäusen bieten sollen, nehmen nach Anleitung den Schnitt der Äste vor und setzen dann den Wurzelballen ins Pflanzloch, das sie anschließend mit einem Teil der ausgehobenen Erde füllen und festtreten.

Wo der Besitzer eines Vorgartens auf Muskelkraft und Pfahlramme setzen muss, greifen angehende Landwirte lieber zur Technik. Die Pfähle, die später mit Hanfseilen den jungen Bäumen Halt geben sollen, werden mit dem Frontlader eines Traktors einfach in den Boden gedrückt.

Bei der Auswahl der 20 Hochstammobstbäume wurde auf alte Sorten von Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen gesetzt. Dazu kommen zwei Walnussbäume, zehn Heister und 145 Meter Naturhecke, für die 435 Sträucher in drei Reihen gepflanzt werden. Dazu kommen drei bereits größere Landschaftsbäume. Dafür wurden eine Feldulme, eine Winterlinde und eine Traubeneiche ausgesucht.

Damit das alles möglich wird, muss die Fläche zuerst zur Verfügung gestellt werden. Das tat Landwirt Dieter Schulz aus Schönstädt. Die Vorstellung, den Hang ökologisch aufzuwerten, entwickelte seine Tochter Simone Wohnig.

Aus Sicht des Landschaftspflegeverbandes handelt es sich bei dem Areal im weiteren Umfeld der ICE-Trasse mit den zugehörigen Ausgleichsflächen um einen ökologisch wertvollen Bereich. "Nach dem Landschaftsplan der Stadt Rödental soll die Biotopvernetzung hier gefördert werden", erklärt Frank Reißenweber.

Schon jetzt finden sich auf den recht extensiv genutzten Wiesen mit ihren Vernässungen, Obstbaumreihen und Heckenzeilen Tierarten in beachtlicher Vielfalt. "In den angrenzenden Hecken und an den brach liegenden breiten Böschungen brüten Bluthänfling, Neuntöter, Dorngrasmücke, Stieglitz, Schafstelze und Goldammer", sagt Frank Reißenweber. Neben vielen Heuschrecken und Schmetterlingen wurden hier fünf Landschneckenarten nachgewiesen, die allesamt auf der Roten Liste stehen.

Mit der Arbeit der Schüler, den neuen Bäumen und Hecken, wird eine Vernetzung der vorhandenen Biotope angestrebt. Die Fläche dazwischen wird künftig extensiv mit Pinzgauer und Galloway Rindern beweidet.

Den Schülern des Berufsgrundschuljahres soll die Pflanzaktion zeigen, wie Flächen, die für die landwirtschaftliche Nutzung weniger interessant sind, aufgewertet werden können.

Die Pflanzmaßnahmen sind über die bayerische Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) gefördert. Die Beweidung mit Rindern kann über ein Vertragsnaturschutzprogramm ebenfalls bezuschusst werden.

In Eigenregie planen die Eigentümer, an einer kleinen Feldscheune, die ebenfalls auf dem Areal steht, Nistgelegenheiten für Gebäudebrüter anzubringen. Kästen für Fledermäuse, Turmfalken oder Waldkauz kämen dafür laut Frank Reißenweber infrage. Für die Schüler wird es interessant sein, vielleicht in einigen Jahren wieder einmal vorbeizuschauen, um zu sehen, wie sich das entwickelt haben wird, was sie eigenhändig in den Boden gebracht haben.