Michael Wehner Kann es sein, dass wir nichts Besseres zu tun haben? Am Tag der Landtagswahl, die Sonne scheint bei herrlichem Ausflugswetter, beharken sich CSU, Grüne und ein ergötztes Publikum auf Facebook wegen einer nächtlichen Politaktion der Alternativen in der Sandstraße. Stein des Anstoßes: Die Grünen haben grünen Pfefferminzlikör, vermutlich hochprozentig, an Passanten ausgeschenkt. In EINWEGBECHERN! Das ruft den politischen Gegner, in diesem Fall den CSU-Kreisverband, auf den Plan und Dutzende weitere Kommentatoren, die zum Bamberger Pfefferminzgate ihren Senf dazugeben und den Fauxpas wahlweise verteidigen, angreifen oder den Sinn der ganzen Debatte anzweifeln. Da fliegen die verbalen Fetzen, wird geteilt, dass das Handy glüht. Die Grünen werden als politische Schaumschläger gebrandmarkt, die Mehrweg predigen und ihren Likör genüsslich aus Einwegplastikbechern schlürfen. Und über die CSU ergießt sich der Spott des David, dem die Umfragen Goliaths sichere Entzauberung verheißen. Ach ja, zur Aufklärung hat die Pro-Likör-Partei dann noch mitgeteilt, dass die Plastikbecher für eine Kunstaktion in der Schule zum Mischen von Acrylfarben wiederverwendet werden, was bei den Contras heftigen Zweifel hervorrief. Aber wer wundert sich, dass in solchen Zeiten die Nerven blank liegen? Bei so knappen Wahlumfragen, kann schon ein Sturm im Plastikbecher den Ausgang der Wahl verändern.