Sarah H. (Name geändert) leidet bis heute unter den Folgen des 28. Mai 2016. Dem Tag, als sie der Tunesier Rami F. von der Haltestelle in Kersbach verfolgte, sie ins hohe Gras zog, teilweise entkleidete, ins Gesicht schlug und sie vergewaltigen wollte. Die damals 17-jährige Schülerin wurde nur dank des beherzten Eingreifens von Autofahrer Thomas S. (24) aus Pommersfelden vor der Vergewaltigung gerettet.
Die Forchheimer Anwältin Christine Leuker vertritt die junge Frau als Nebenklägerin vor Gericht: "Bis heute hat meine Mandantin Angst davor, den Weg von der Bahnstation bis nach Hause zu Fuß zu gehen. Sie macht zwar einen gefestigten Eindruck, doch die Geschehnisse verfolgen sie bis heute."
Seit gestern nun steht der Sextäter, der Sarah überfallen hatte, vor dem Landgericht Bamberg. Vor dem Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt hat er all seine Taten gestanden. Wie eine versuchte Vergewaltigung nahe Schwabach vom 11. September 2015, wo er eine 20-Jährige in einem Graben neben der Straße missbrauchen wollte. Wegen der heftigen Gegenwehr seines Opfers ergriff er die Flucht. Doch nur einen Tag später schlug der Mann erneut zu. Diesmal an der Bahnhaltestelle in St. Afra (Landkreis Aichach-Friedberg). Dort sprach er in gebrochenem Deutsch eine Schülerin an, zerrte sie daraufhin in ein Gebüsch und vergewaltigte sie.
Im Prozess erklärt der Angeklagte, dass er zumindest die Tat in St. Afra geplant habe. Zum Nebenkläger-Verteidiger Florian Engert aus Augsburg sagt er: "Ich hatte schon was vor. Ich wollte ein Mädchen haben. Ich hatte vor, was zu machen."
Laut Engert leidet sein Opfer bis heute unter den Folgen der Vergewaltigung, verdränge aber diese Tat, sei seitdem sehr verschlossen.
Dieses Verbrechen hatte in der Region für große Wellen gesorgt. Eine achtköpfige Ermittlungsgruppe der Kripo Augsburg hatte über 150 Spuren und Hinweise ausgewertet sowie 300 Personen im Rahmen eines richterlich angeordneten DNA-Massen-Screenings überprüft.
Dass der brutale Täter jedoch überhaupt gefasst werden konnte, liegt vor allem an Thomas S. aus Pommersfelden. Während der Autofahrt zu seinen Eltern hörte der Maurer die Hilferufe in der Nähe von Kersbach. Als Zeuge meint er vor Gericht: "Da sah ich den Angeklagten aus dem Graben flüchten. Kurz dahinter krabbelte das Mädchen hervor. Sie schrie weinend, dass ein Mann sie vergewaltigen wollte. Der Täter lief rechts an mir vorbei Richtung Brücke. Die Hose des Mädchens war offen. Das Opfer weinte und humpelte. Danach beobachtete ich den Mann an der Haltestelle und verständigte die Polizei."
Der Zeuge behielt den Täter in den Augen, "der war immer in meinem Blickfeld". Was Thomas S. komisch vorkam: "Das sah gar nicht nach einer Flucht aus, sondern er war eher schnellen Schritts unterwegs und lief fünf Minuten am Bahnhof auf und ab. Er ist nicht einmal in einen Zug eingestiegen, der mittlerweile dort auch mal angehalten hat." Während der Aussage blickt der Angeklagte fast schon ärgerlich auf den Zeugen.


Richter dankt Helfer

Für Richter Schmidt war der Einsatz höchst bemerkenswert. Er dankt Thomas S. für die Hilfe am Tatort: "Das haben Sie gut gemacht. Das ist nicht selbstverständlich. Sie haben dem Mädchen einiges erspart."
Als der Notruf von Thomas S. vorgespielt wird, kann man nachvollziehen, welch dramatische Szenen sich nahe Kersbach gegenüber der Kapelle ereignet haben. "In Kersbach wurde gerade versucht eine Frau zu vergewaltigen. Die Frau ist noch bei mir. Der Täter läuft zum Bahnhof", hört man Thomas S. bei der Aufnahme, die in der Polizei-Einsatzzentrale damals gemacht wurde, sagen. Im Hintergrund hört man die ganze Zeit das junge Opfer des Tunesiers weinen und schluchzen.


Angeklagter gähnt gelangweilt

Noch während des Notrufs kommt die Mutter des Opfers zum Tatort - zuvor verständigt von Sarah. Auch sie spricht mit Polizeibeamten der Einsatzzentrale. Den Angeklagten lässt diese Aufnahme kalt, er gähnt und blickt gelangweilt an die Wand. Nur wenig später nach dem Notruf treffen Polizeibeamte an der Haltestelle Kersbach ein und nehmen den Sex-Täter fest, der seitdem in U-Haft in Bamberg sitzt.
Eine andere Zeugin, die an diesem Tag ihre Tochter zur Bahn fuhr, sah den Angeklagten, wie er hinter seinem späteren Opfer herging. Er habe richtig lüstern geguckt.
Die Zeugin weiter: "Ich möchte gar nicht wissen, was der für Gedanken hatte." Die Verhandlung wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.