Tobias Friedrich hat Gäste mitgebracht in seine Klasse an der Mittelschule in Oeslau. Es ist ein besonderer Tag für die Jungs und Mädels der siebten Klasse, denn: "Wir starten jetzt in dieses Abenteuer, das wir uns vorgenommen haben", sagt ihr Lehrer Tobias Friedrich. Es geht um nichts Geringeres als um das Zusammenführen zweier Welten.

Da ist die Welt der Schüler, die geprägt ist vom intensiven Umgang mit modernen Medien und Geräten. Ihr steht die Welt der Senioren gegenüber. Ältere Menschen, für die Smartphone, Tablet und Co. böhmische Dörfer sind. Die Schüler sollen ihre Kompetenz in der Techniknutzung mit Senioren teilen - ihnen zeigen, was mit der modernen Technik möglich ist und wie sie diese Möglichkeiten für sich nutzen können.

"Auch im Alter online" ist ein Projekt, das Beate Speyerer schon im Programm des Seniorenbüros der Stadt Rödental anbietet. Neu ist die Idee, Schüler als Dozenten einzusetzen. Unterstützt durch die Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern und die Bürgerstiftung Kerscher soll die Idee Wirklichkeit werden.

"Für ein betreutes und geschütztes Leben zu Hause im hohen Alter zu sorgen, ist dem Seniorenbüro ein besonderes Anliegen", sagt Beate Speyerer. Alle Angebote des Seniorenbüros richtet sie daher an dem Ziel aus, ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Präventive Angebote für die körperliche und geistige Fitness im Alter spielen dabei eine wichtige Rolle.

Durch das Projekt "Auch im Alter online" sollen mehr ältere Menschen Zugang zum Internet und zu dessen Vorteilen erhalten, um der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken. "Nachrichten lesen, mit den Enkeln online in Kontakt bleiben, ältere Menschen sollen bei der Nutzung digitaler Angebote unterstützt werden. Und wir wollen die Hemmschwelle im Umgang mit Smartphone und Tablet abbauen", erklärt Beate Speyerer. Vor allem im Blick hat sie dabei die Gruppe der Hochbetagten, die nach ihrer Erfahrung besonders unter Einsamkeit leiden.

Unterstützer sind willkommen

Nun sollen eben Schüler in das Projekt eingebunden werden. Aber auch Ehrenamtliche aus der Kommune helfen mit. Studenten, Nachbarn oder jeder, der sich ehrenamtlich einbringen möchte und kann, ist willkommen. Alle werden über Workshops geschult und zu Trainern ausgebildet, ehe es losgehen kann. Neben dem Nutzen für die Senioren geht es auch um die Jugendlichen. "Sie erfahren in ihrer Rolle als digitaler Trainer eine Stärkung ihrer Kompetenzen. Sie lernen, sich in ältere Menschen hineinzuversetzen und können so für den Umgang mit Senioren sensibilisiert werden."

Werben mit AIDA

Doch zuerst gilt es, auch die Senioren zu sensibilisieren, sie auf das Projekt aufmerksam zu machen und dafür zu gewinnen. Am Anfang des ganzen Vorhabens steht daher für die Schüler das Problem, für ihr Abenteuer zu werben. Dafür hat Beate Speyerer Claudio Büttner mitgebracht, einen Profi in Sachen Werbung. Er ging sofort daran, mit den Schülern zu erarbeiten, wie sie vorgehen könnten. Ganz nebenbei werden die Siebtklässler dabei in die Welt des Marketings eingeführt.

AIDA ist hier kein Schiff

"Wir gehen nach dem einfachen Schema AIDA vor", sagt Claudio Büttner. Und es wird schnell klar, dass es nicht auf Kreuzfahrt geht. AIDA steht für die Begriffe Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch) und Action (Handlung). Es geht also darum, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu wecken, die zuvor genau definiert wird. "Haben wir die Aufmerksamkeit, müssen wir das Interesse steigern." Aus diesem Interesse soll dann im Idealfall der Wunsch wachsen, etwas zu bekommen oder an etwas teilnehmen zu dürfen. Und von diesem Wunsch aus muss die Zielgruppe nun nur noch zu der Handlung gebracht werden, das auch zu tun, sprich Kontakt aufzunehmen und sich anzumelden. So geschult gingen die Schüler in Arbeitsgruppen daran, Werbemittel zu entwerfen. Am Ende wird sich zeigen, was als Flyer, Flugblatt oder Werbekärtchen wo verteilt werden soll und über welche Kanäle die Senioren für den Kurs mit den Schülern gewonnen werden können. Alle Anmeldungen laufen bei Beate Speyerer zusammen, die hofft, im Februar oder März mit dem Projekt beginnen zu können. "Es sollen dann immer ein oder zwei Schülerinnen oder Schüler einem der älteren Menschen zugeordnet werden, die dann gemeinsam lernen", erklärt sie. Schon jetzt hat sie 16 Senioren, die an einem Kurs interessiert sind.

Dabei kann es sein, dass sich die Schüler vorher selbst noch einmal mit der Technik beschäftigen müssen. Sie waren nämlich recht amüsiert, als ihnen Beate Speyerer ein Seniorensmartphone präsentierte, das speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist. Mit den Geräten der Schüler kann es allerdings nicht mithalten, was die technischen Möglichkeiten angeht. Es wird also spannend, das Abenteuer der siebten Klasse von Tobias Friedrich.