Ekkehard Roepert Während in der Bevölkerung die Sorge um die Gesundheit umgehe, befriedige der Oberbürgermeister "persönliche Eitelkeiten" und erwecke den Eindruck, ein "Verschwörungstheoretiker" zu sein - diesen Vorwurf erhob Thomas Werner (CSU) in der Ratssitzung am Donnerstag.

An Uwe Kirschstein (SPD) adressiert, sagte Werner: "Wir leben in schwierigen Zeiten. Große Teile der Bevölkerung sind verunsichert, haben Angst, tragen aber die Einschränkungen mit, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Es kommt jetzt auf Solidarität und gemeinsames Handeln aller staatlichen Stellen an, aber auch auf die Mithilfe der Kommunen."

"Scharmützel"

Vor diesem Hintergrund zeigte sich Werner über das Handeln von Kirschstein irritiert. Erst habe der OB "erfolglos" versucht, das Freibad zu öffnen; dann habe er sich gegen die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie (in den städtischen Kindergärten) ausgesprochen - und kürzlich sei er bei einer Abstrichaktion in Kersbach "mit der Polizei dazwischen gegangen", obwohl die Aktion mit den Behörden abgesprochen gewesen sei. "Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung", mahnte Thomas Werner, "nicht um ihre Eitelkeit und um irgendwelche Scharmützel mit dem Landkreis".

Der CSU-Rat appellierte an OB Kirschstein, "auf einen verantwortungsvollen Weg zurückzukehren und mit dem staatlichen Gesundheitsamt zusammenzuarbeiten und nicht den Eindruck zu erwecken, dass an der Spitze der Stadt ein Esoteriker oder Verschwörungstheoretiker steht".

OB weist Vorwürfe zurück

"Das muss ich weit von mir weisen", entgegnete Uwe Kirschstein. Besagter Studie stehe er "sehr positiv gegenüber". Lediglich habe er wegen des "Umgangs mit Inzidenzwerten" seine Meinung geändert, was die Teilnahme an der Studie betreffe.

Auch den Vorwurf, verantwortungslos mit der Pandemie umzugehen, wies der Oberbürgermeister zurück: "Die Stadt unterstützt sehr wohl das Test-Geschehen sowie die Vorgaben des Landratsamtes und des Freistaates."

Mit dem Landrat abgestimmt

Erst am Montag sei er mit dem Landrat in Sachen Corona-Organisation zusammengesessen. Als Beleg für die Bemühungen der Stadt Forchheim verwies Uwe Kirschstein auf die Teststation am Annafest-Parkplatz.

Dort seien am Mittwoch zwar ungeschickterweise "sehr viele Besucher einbestellt worden"; doch dies habe mit den vielen Testungen nach der Schließung der Realschule in Ebermannstadt zu tun gehabt. Doch Thomas Werner teilte diese positiven Corona-Eindrücke des Oberbürgermeisters nicht. Dass Kirschstein in Kersbach "mit der Polizei angerückt" sei, das habe die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde "tief verunsichert. "Ich fand das unwahrscheinlich übertrieben", kritisierte Werner: "Wir sind keine Gegner des staatlichen Gesundheitsamtes, sondern Partner. Wir billigen nicht, dass der OB so ein Aufgeschrei macht."