Josef Hofbauer In Sachen Radwege sei der Landkreis besser aufgestellt, als so manche Kommune im Bayerischen Voralpenland, lobte Rainer Lampl, Geschäftsführer von "Green solutions", jener Firma, die von den Mitgliedern des Kreis-Bauausschusses mit der Untersuchung und Optimierung des Radwegenetzes im Landkreis Forchheim beauftragt wurde. Die Mitarbeiter des Murnauer Unternehmens, das Matthias Helldörfer von der Tourismuszentrale als Marktführer einstufte, hat bereits das bestehende Radwegenetz digitalisiert.

Nach dieser Bestandsaufnahme gibt es im Landkreis Forchheim ein 570 Kilometer langes Radwegenetz. Zwischen August und Oktober vergangenen Jahres haben die Experten in Sachen Navigation, Kartographie, Geo-Information und Tourismus die Strecken entlang von Kreis-Staats und Bundesstraßen unter die Lupe genommen.

 

Gefahrenpotenzial erkundet

Geprüft wurde, inwieweit die Beschilderung den Vorgaben der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) entspricht. Festgehalten wurde aber auch der Zustand der Radwege, die Wegbreite, Gefahrenstellen und Knotenpunkte. Dabei stellten die Radweg-Spezialisten 1004 Schilder-Standorte fest. 176 Haupt- und 828 Zwischenwegweiser sagen den Radlern wo's lang geht.

Die Hauptkritik dabei: Die Wegweiser, insbesondere in Forchheim entsprechen nicht den Kriterien der FGSV. In jedem fünften Fall der 175 festgestellten Mängel fehlte auch eine, nach dem Regelwerk der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebene Beschilderung. Defizite stellte Lampl vor allem bei den Hinweistafeln fest, die in die Ortschaften hineinführen oder innerörtliche Ziele ausweisen. Sie fehlen in den meisten Fällen.

Hindernisrennen für Radler

Dafür attestierte er den vorhandenen Radwegen einen guten bis sehr guten Zustand. 366 Kilometer, also fast zwei Drittel der Radwege, seien breiter als die, vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) geforderten drei Meter. 126 Kilometer Radwege sind zwischen 2,50 und drei Meter breit und 63 Kilometer immerhin noch zwischen zwei und 2,50 Metern. Fast 95 Prozent der Radstrecken seien sehr gut oder gut zu befahren. Der Grund: Die Fahrbahn ist entweder asphaltiert, gepflastert oder weist zumindest eine wassergebundene Decke auf.

Von den Bundesstraßen im Landkreis (6,6 Prozent des Straßennetzes) haben drei Viertel der Strecke Geh- und Radwege. Von den Staatsstraßen (8,5 Prozent) haben 39 Prozent, bei den Kreisstraßen 37 Prozent straßenbegleitende Radwege.

In den Augen der Freien Wähler werde noch nicht genug für die Alltags-Radler getan. Das Radfahren dürfe nicht länger einem Hindernisrennen gleichen, formulierten sie in einem Antrag an den Kreistag. Sie forderten Fahrradstraßen und Fahrradschnellrouten. Sie seien besonders wichtig für Einheimische, die lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wollten. Sie benötigten schnelle, direkte Verbindungen.

Während Pendler derzeit eine tägliche Distanz von rund sechs Kilometern lieber mit den Rad als mit dem Auto zurücklegten, werde diese Zahl in den nächsten Jahren auf 9,8 Kilometer steigen, betonte Rainer Lampl. Er geht sogar davon aus, dass dank der e-Bikes bald 15 bis 20 Kilometer bevorzugt mit dem Rad zurückgelegt werden, vorausgesetzt die Infrastruktur stimmt.

Druck machen

Dazu gehörten sichere Radwege, eine gute Beschilderung Rad-Abstellanlagen Serviceeinrichtungen und Serviceangebote sowie eine gute Verknüpfung der Strecken mit dem ÖPNV. Diese Faktoren seien für Gäste genauso wichtig wie für Einheimische. Und: Die Lücken in den Radwegenetzen müssten geschlossen werden.

Hier waren sich die Mitglieder des Bauausschusses genauso einig, wie bei der Beseitigung der Gefahrenstellen, die laut Kreisrat Edwin Dippacher (CSU) keinen Aufschub dulde. Er vergewisserte sich, dass die Probleme an den Schnittstellen, dort wo verschiedene Baulast-Träger aufeinander treffen, an die jeweils zuständigen Einrichtungen weiter gegeben wurden.

Kreisrat Matthias Strieblich (Grüne) forderte, dass Radwege auch dort gebaut werden, wo es Probleme gibt, wo es "weh tut". "Eine Entscheidung, nichts zu tun, weil der Grunderwerb nicht klappt, ist auf Dauer nicht hinzunehmen", so Striebich. Er forderte ein Umdenken auch dort, wo die Mindestbreiten nicht eingehalten werden. "Da müssen sich eben alle Verkehrsteilnehmer den Straßenraum teilen", regte der Gräfenberger Kreisrat mit Blick auf die Engstellen in der Ortsdurchfahrt Gößweinstein an.

Richard J. Gügel (FW) forderte, die Mittel für den Radwegebau aufzustocken. "Wir müssen Dampf machen", argumentierte Kollege Edwin Dippacher (CSU). "Auch bei den Straßenbauämtern, damit entlang der Staatsstraßen im Landkreis Forchheim die Radwege früher gebaut werden, als in anderen Landkreisen". Kreisrätin Gerlinde Kraus (SPD) gab zu bedenken, dass oft nur ein paar hundert Meter Radweg fehlten, was aber dazu führe, dass Radler lange Umwege in Kauf nehmen müssten und so die Gesamtstrecke unattraktiv werde. "Wir brauchen das Geld für eine Brücke über die Regnitz, damit Hausen endlich an das Forchheimer und das überregionale Radwegenetz angebunden wird", so Kraus.

Einstimmig votierten die Mitglieder des Bauauschusses, das bestehende Radwegenetz zu digitaliseren. Damit auch die Lücken geschlossen werden könnten müssten die Vertreter der Kommunen und die Radexperten an einen Tisch geholt werden, informierte Rainer Lampl. Er verwies darauf, dass auch die Vertreter der Integrierten Ländlichen Entwicklung sich die Realisierung von Radwegekonzepten zum Ziel gesetzt hätten.